Tendenzen, die uns bestimmen werden

Zwar ist die Lage heikel: Der Konjunkturzyklus neigt sich dem Ende zu. Aber die Schweiz sollte noch solide durch 2013 kommen, sagt Walter Wittmann.


WalterWittmann.quadratWalter Wittmann ist emeritierter Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Freiburg. 2007 veröffentlichte er «Der nächste Crash kommt bestimmt», in dem er viele Ereignisse vorwegnahm. Im Frühjahr 2010 erschien das prophetische «Staatsbankrott», und 2012 kam «Superkrise» über die Schwere der laufenden Krise. Im März 2013 erscheint «Soziale Marktwirtschaft statt Wohlfahrtsstaat».


Der laufende Konjunkturzyklus begann Mitte 2009. Damals ging eine 18-monatige Rezession zu Ende. Inzwischen ist der Aufschwung also mehr als drei Jahre alt. Nach dem typischen Verlauf würde also eine Abschwächung folgen, die in eine Stagnation oder gar Rezession münden kann.

Ob es dazu kommt, ist anhand von Vorlauf-Indikatoren abzuklären. Im Mittelpunkt stehen die USA, der Euroraum, China und Japan. Erst danach sind Schlussfolgerungen für die Schweiz zu ziehen, denn hier spielen die Exporte eine strategische Rolle.

Amerika: Immobilien-Talsohle durchschritten

In den USA war 2012 nicht zu übersehen, dass die Konjunktur sich abschwächte – es ging in Richtung Stagnation. Doch inzwischen hat die Konjunktur wieder Tritt gefasst. Massgebend ist die Entwicklung des privaten Konsums, der über 60 Prozent der wirtschaftlichen Aktivität ausmacht.

Inzwischen hat die Immobilienkrise ihren Tiefpunkt – nach fünf Jahren – durchschritten und ist auf dem Weg nach oben. Es werden wieder mehr Häuser verkauft und Baubewilligungen erteilt. Nicht zuletzt hat sich die Konjunktur auch dank rekordhoher Defizite in den öffentlichen Haushalten und einer reichlich fliessenden Liquidität über die Notenbank erholt. Die Prognosen lauten auf zwei Prozent (reales) Wachstum per 2013 und 2,8 Prozent per 2014.

Es drohen aber auch erhebliche Gefahren. Selbst nach dem Budget-Kompromiss, den Senat und Repräsentantenhaus über die Jahreswende bewilligten, ist das Fiscal Cliff noch nicht ganz umschifft. Bereits im Februar muss der staatliche Schuldenplafond wieder erhöht werden, um die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Massive Ausgabenkürzungen würden sich schädlich auf die Konjunktur auswirken.

Europa: Aufschwung frühestens ab 2014

Die Euroländer sind seit dem dritten Quartal in einer Rezession, nachdem schon im zweiten Quartal ein Minus zu verzeichnen war. Dafür verantwortlich sind die südeuropäischen Länder. Die Wirtschaftsorganisation OECD geht davon aus, dass der Euroraum 2013 sich am Rande einer Rezession bewegt. Ein Aufschwung ist, wenn überhaupt, erst ab 2014 möglich.

Das Zugpferd des Euroraums ist Deutschland. Hier herrscht zwar keine Rezession, aber eine Flaute. Nach einem Rückgang über sechs Monate ist der Ifo-Index im November angestiegen. Es sieht danach aus, als ob Deutschland einer Rezession entgehen könnte.

China: Nachhaltig aufwärts

Anfang Jahr sprach man noch von einer harten Landung in China. Inzwischen sieht es aber vielversprechend aus. China hat weltweit am meisten stimuliert und die besten Konjunkturzahlen.

In Expansion sind die Geldmenge, der Konsum, die Exporte sowie die Industrieproduktion. Das Fazit: Es geht in China nachhaltig aufwärts.

Schweiz: Nachlassende Baukonjunktur

Die Schweiz blieb dieses Jahr von Rezession oder Stagnation verschont. Robust fiel das dritte Quartal mit 0,6 Prozent BIP-Wachstum aus. Massgeblich sind daran zusätzliche öffentliche Konsumausgaben beteiligt. Die vorauseilenden Indikatoren (KOF-Barometer) künden eine Abschwächung der Konjunktur in den nächsten Monaten bis ins Frühjahr 2013 hinein an.

Dafür ist die nachlassende Baukonjunktur – dominant – verantwortlich. Der Immobilienzyklus hat den Höhepunkt überschritten, der Markt kühlt sich ab.

Insgesamt erwartet die OECD für 2013 noch 1,1 Prozent Wachstum. Inzwischen liegen inländische Prognosen erheblich unter einem Prozent vor. Eine Rezession ist aus heutiger Sicht nicht zu erwarten. Das setzt allerdings voraus, dass die Exporte in den Euroraum nicht einbrechen und das Konsumentenvertrauen nicht erschüttert wird.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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