Peter Grünblatt: «Ich bin sicherlich kein Marktschreier»

Peter Grünblatt, Leiter der Asset-Management-Initiative, sagt im Interview mit finews.ch, wie der geplante Innovationspark vorankommt, und warum er jetzt die Chefetagen der Banken abklappert.


Herr Grünblatt, Leute, die Sie gut kennen, beschreiben Sie als das Gegenteil eines Marktschreiers. Zu Recht?

Ich würde mich selbst auch nicht als Marktschreier bezeichnen. Ich gehe in die Öffentlichkeit und melde mich zu Wort, wenn ich über Fakten sprechen kann. Ein Marktschreier hingegen kommt schnell mit einer Hochglanz-Broschüre, in der aber wenig Substanz steckt.

Dann waren es also fehlende Fakten weshalb es um die Asset-Management-Initiative so lange still blieb?

Ein Grund für die relative Ruhe war sicher der Mangel an so genannten Low-Hanging-Fruits – es gab wenig Gelegenheiten, rasch Nägel mit Köpfen zu machen und darüber publikumswirksam zu berichten. Die relative Ruhe war auch eine Folge unserer Konzentration auf die Basisarbeiten zur Exportfähigkeit.

Wie meinen Sie das?

Die wichtigste Prämisse der Initiative lautet, das Asset Management in der Schweiz durch geeignete Massnahmen international wettbewerbsfähig zu machen. Wenn allerdings der Zugang zum Ausland nicht gesichert ist, läuft das unseren Bemühungen diametral entgegen. Deshalb haben wir uns in den vergangenen zwölf Monaten intensiv mit Regulierungsfragen wie dem neuen Finanzdienstleistungs-Gesetz (Fidleg) und dem neuen Finanzinstituts-Gesetz (Finig) auseinandergesetzt.


«Eine Light-Lösung wollen wir nicht»


Von den Finanzrichtlinien verspricht sich die Schweiz tatsächlich einen besseren Marktzugang zur EU. In der Finanzbranche und nicht zuletzt bei Vermögensverwaltern ist das Gesetz aber hoch umstritten.

Natürlich gibt es innerhalb des Finanzsektors divergierende Interessen. Die Äquivalenz zum EU-Markt sowie die Unterstellung aller hiesigen Asset Manager unter eine Aufsicht halten wir indes für einen notwendigen Schritt, um die Exportfähigkeit der Branche zu sichern. Eine so genannte Light-Lösung für gewisse Sparten führt unseres Erachtens nicht ans Ziel.

Anderseits müssen wir Acht geben, dass die Schweizer Finanzbranche nicht durch zusätzliche Regeln gegenüber der ausländischen Konkurrenz schlechter gestellt wird.

Dennoch: 2012 hatten sich die Branchenverbände mit der Asset-Management-Initiative hohe Ziele gesteckt: Binnen weniger Jahre sollte die Schweiz zu einem Kompetenzzentrum für institutionelle Vermögensverwaltung ausgebaut werden. Läuft Ihnen die Zeit davon?

Wir sind auf gutem Weg. Aktuell verfolgen wir beispielsweise das Projekt eines Asset-Management-Parks, das sich hoffentlich in den nächsten Monaten konkretisieren lässt. Dabei gilt es immer zu beachten, dass wir als Think Tank funktionieren. Wir liefern die Ideen. Bei der Umsetzung ist die Branche gefragt, um solche Projekte zu finanzieren und umzusetzen.

Wie reagiert diese?

Die Suche nach Investoren für dieses Projekt beginnt erst. Für das Projekt eines Asset-Management-Parks haben wir eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen. Diese wurde hälftig vom Fondsverband SFAMA sowie von den drei Industriepartnern UBS, Credit Suisse und Blackrock finanziert.


«Es geht um relativ viel Geld»


Zu welchem Schluss kam die Studie?

Das Projekt will jungen Unternehmern aus der Asset-Management-Branche eine Umgebung bieten, in der sie ihre Geschäftsideen verwirklichen können. Zudem ist es denkbar, auch gleich eine Fondsleitung im Park zu etablieren, die Produkte lanciert. Prinzipiell will der Park Innovation und Unternehmertum fördern.

Und, haben Sie schon Investoren gefunden?

Wir beginnen gerade erst mit der Vorstellung des Projekts bei Banken und Asset Managern. Da es um relativ viel Geld geht, müssen wir jeweils direkt an die Geschäftsleitung gelangen. Das erscheint uns als der sinnvollste Weg: Wenn der Chef überzeugt ist, investiert auch das Unternehmen.

Konnten Sie UBS-Chef Sergio Ermotti schon überzeugen?

Wir haben bei der UBS noch nicht vorgesprochen. Aber auch dort möchten wir unser Projekt gerne dem Top-Management vorstellen.

Wieviel Geld müssten denn die Sponsoren einschiessen – und gibt es schon einen Standort für den Park?

Sobald die Finanzierung abgeschlossen ist, können wir mehr dazu sagen. Verläuft alles nach Plan, sollte der Asset-Management-Park bereits diesen Sommer spruchreif sein.

Doch eine Wohltätigkeitsveranstaltung wird das nicht, oder?

Nein. Eine Investition soll sich für ein Unternehmen sicher positiv aufs Image auswirken. Doch sie soll sich auch kommerziell lohnen.


«Das war kein positives Signal»


Für einen solchen Park dürfte wohl auch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma interessieren. Haben Sie von dort grünes Licht?

Mit der Finma besteht ein regelmässiger Dialog bezüglich der strategischen Fragen rund ums Asset Management und der Initiative. Aber um ihre Frage zu beantworten: Nein, wir haben das Projekt der Finma noch nicht vorgestellt.

Das klingt vage. An anderen Finanzplätzen beteiligt sich die Aufsicht tatkräftig an solchen Innovationen. Tut die Finma da zu wenig?

Die Finma ist im Boot, aber die Schweiz tritt diesbezüglich weniger marktschreierisch auf als andere Finanzzentren. Mir sind aber zahlreiche Finanz-Startups bekannt, die von der Finma reguliert werden und diesen Prozess positiv erlebten. Anderseits besteht auch Optimierungspotential. So wies etwa der Bericht der Finanz-Expertengruppe Brunetti darauf hin, dass die Standortförderung verstärkt werden müsse. Das wäre sicherlich zu begrüssen.

Ist die Schweiz da auf dem richtigen Weg?

Die Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative im vergangenen Jahr war sicher kein positives Signal. Mit der Rechtsunsicherheit, die sich mit dem Volksentscheid ergeben hat, erscheint uns eine aktive Standortwerbung im Ausland derzeit nicht als opportun.


«Wir müssen mit anderen Vorzügen punkten»


Und der Frankenschock nach dem SNB-Entscheid hilft wohl auch nicht besonders?

Gemäss dem britischen Magazin «The Economist» avancierten Zürich und Genf zu den teuersten Städten weltweit. Das ist tatsächlich kaum hilfreich bei der Standortförderung. Nun muss sich weisen, ob die Schweiz mit anderen Vorzügen punkten kann.

Der Frankenschock setzt auch den Schweizer Vermögensverwaltern zu. Deren Kosten explodieren, weil sie vorab in der Schweiz produzieren. Startet Ihre Initiative nicht im denkbar schlechtesten Umfeld?

Die Branche ist zweifellos im Umbruch. Skaleneffekte und damit Grösse werden eine wichtigere Rolle spielen, aber nicht nur. Kosten und Prozesse lassen sich auslagern oder im Verbund bewältigen. Genau das ist das Ziel des Asset-Management-Parks. Gleichzeitig beobachten wir, dass hiesige Asset Manager ihre Dienste noch professioneller gestalten und eine Performance-Kultur heranziehen. Das werten wir als positiven Trend.

Derweil kommt das Wachstum im Schweizer Fondsgeschäft inzwischen rund zur Hälfte von ausländischen Anbietern, die hier aber höchstens ein kleines Vertriebs-Team unterhalten. Das ist doch gerade nicht im Sinn der Initiative?

Das Gegenteil ist der Fall: Die Initiative richtet sich sehr wohl auch an ausländische Anbieter. Sie setzt sich dort zum Ziel, mehr von deren Wertschöpfung in die Schweiz zu holen. Der grösste Vermögensverwalter der Welt, Blackrock, macht dies mit dem Ausbau seiner Produktion in der Schweiz derzeit vor.


«Wir wollen nicht in den Markt eingreifen»


Derweil würden sich einige Chancen durch die Verzahnung der Initiative mit der aufstrebenden Fintech-Branche bieten. Dort gibt es zukunftsträchtige Ansätze bezüglich der Vermögensverwaltung. Was tun Sie diesbezüglich?

Die Initiative will ganz explizit nicht in den Markt eingreifen. So verzichtet sie darauf, gewisse Themenbereiche oder Branchen-Cluster explizit zu fördern.

Fintech interessiert Sie nicht?

Klar beobachten wir die Entwicklungen und Projekte im Fintech-Bereich, die ich sogar sehr spannend finde. Es wäre durchaus denkbar, dass im Asset-Management-Park auch ein Themengebiet «Tools and Services» Platz findet. Der Fokus von Fintech-Lösungen liegt meines Erachtens stark auf Endgeräten wie Smartphones, die es erlauben, direkt den Endkunden anzusprechen. Die Wertschöpfungskette im Asset Management umfasst aber viel mehr als das.


«Wir müssen Fintech im Auge behalten»


In Grossbritannien etwa zittert die Branche bereits vor Robo-Vermögensberatern wie Nutmeg. Sind Schweizer Fondshäuser dagegen wirklich gefeit?

Natürlich können sich etwa das Reporting gegenüber dem Endkunden und die Beratung verändern. Ich erwarte jedoch nicht, dass Fintech das diskretionäre Geschäft, also die Geldverwaltung an sich, neu erfinden wird.

Und vergessen Sie nicht, dass es im Asset Management schon lange quantitative, also rechnerbasierte, Lösungen gibt. Wichtig ist, dass wir alle relevanten Ökosysteme im Auge behalten und an den Entwicklungen aktiv teilnehmen.

Und wenn sich Ihre Sponsoren – vermutlich angestammte Branchengrössen – gegen die potenziell disruptive Konkurrenz sperren?

Das halte ich für völlig abwegig. Alle Akteure, mit denen wir sprechen, sind gegenüber dem Thema Fintech aufgeschlossen. Es wird sicher Herausforderungen in dem Zusammenhang geben. Aber die gilt es anzupacken.


Die Asset-Management-Initiative wurde im Vovember 2012 von der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) zusammen mit dem Fondsverband Swiss Funds & Asset Management Association (SFAMA) lanciert. Ziel ist es, das Asset Management binnen weniger Jahre zu einer tragenden Säule des Schweizer Finanzplatzes zu machen.

Peter Grünblatt wurde im März 2013 mit der Leitung der Initiative betraut. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche. Bei der Credit-Suisse-Tochter Bank Leu verantwortete er bis Ende 2006 das Anlagefondsgeschäft, bei der fusionierten Clariden Leu war er ab 2007 als Leiter Business Development für die strategische Ausrichtung der Division Products & Services zuständig.

 

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