Fintech-Szene: Die Europäer laufen dem Silicon Valley den Rang ab

Level 39 Club in der Londoner Canary Wharf

Nirgends klettern die Investitionen in innovative Finanz-Technologien so rasant wie in Europa. Doch die Schweiz droht den Anschluss zu verlieren. Das sind die Gegenrezepte.

Abgesehen von Schwergewichten wie der UBS und agilen Nischenplayern wie der Glarner Kantonalbank ist die Haltung der Swiss-Banking-Verttreter gegenüber Fintech eher diffus. Man hält den aufstrebenden Branchenzweig zwar für irgendwie wichtig – getraut sich aber doch nicht so recht, in aller Offenheit dazu zu stehen.

An die Adresse aller zweifelnden Bankmanager hat das weltweit tätige Beratungsunternehmen Accenture kürzlich eine Studie publiziert, die diffusen Hoffnungen und Ängsten mit nackten Zahlen begegnet.

Tech-Mekka abgehängt

Und diese Zahlen haben es in sich: Laut Accenture haben sich nämlich allein im vergangenen Jahr die Investments in Fintech von 4 auf 12 Milliarden Dollar (siehe Grafik unten) verdreifacht. Allein die US-Social-Lending-Plattform Lending Club löste bei ihrem Börsengang mehr als 860 Millionen Dollar.

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Und obschon die Musik für Fintech bisher in Amerika am lautesten spielte, konnte Europa im Jahr 2014 das höchste Wachstum aufweisen. Laut Accenture kletterten in Europa die Investitionen um 215 Prozent, doppelt so schnell wie im kalifornischen Tech-Mekka Silicon Valley (siehe Grafik ganz unten).

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Grossbritannien und Irland ziehen davon

Allerdings haben Grossbritannien und Irland, beides Erzrivalen der Schweiz im Wettbewerb der Finanzplätze, jenes Wachstum fest für sich gepachtet. Die beiden Staaten vereinigen laut der Studie mehr als 42 Prozent der euroäischen Fintech-Investitionen auf sich (Im Bild oben: Der Level 39 Club in der Londoner Canary Wharf, wo sich Investoren mit Fintech-Start-ups treffen).

Ein klarer Hinweis darauf, dass der heisigen Branchen in Sachen Fintech die Zeit davonzulaufen droht.

Immerhin: Nicht nur in der Schweiz tut sich die Branche schwer mit dem Neuland. Wie eine Umfrage von Accenture bei 25 Top-Bankern weltweit ergab, sehen sich die meisten Banken immer noch minimal oder gar nicht gerüstet, um die neuen Technologien in ihr Geschäft zu integrieren. Und immer mehr Bank-Manager werden von Zweifeln geplagt, dass ihre Geldhäuser im digitalen Wandel auf der Strecke bleiben.

Angesichts dieser Unsicherheiten schlägt die Studie den Banken drei Verhaltensweisen vor:

  • Offenheit zeigen: Wenn innovative Technologien ins Geschäft integriert werden sollen, dann müssen dazu die Türen geöffnet werden. Will heissen: Interne Expertise muss freigelegt und so zugänglich gemacht werden, dass sie sich mit externen Ideenlieferanten austauschen kann.
  • Kooperieren: Statt nur Allianzen unter ihresgleichen einzugehen, sollten sich Finanzunternehmen explizit nach Partnern in anderen Industrien umsehen – etwa nach Telekom-Firmen oder IT-Start-ups.
  • Investieren: Es sind meist Jungfirmen, welche die Innovation im Fintech-Bereich vorantreiben. Diese verbrennen massig Kapital. Entsprechend bietet sich etablierten Finanzdienstleistern die Chance, sich mit ihrer Finanzkraft einen Platz im Rennen um neue Technologien zu sichern. Im vergangenen Februar tat dies etwa die Firma Axa Investment Managers, die 200 Millionen Euro in einen eigenen Start-up-Fonds einschoss.

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NEWS GANZ KURZ

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

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