Wie die Paymit-App zum Standard avanciert

Zuerst waren es zwei, jetzt sind es sechs: Die Bezahl-App Paymit etabliert sich unter den Schweizer Banken in rasantem Tempo. Mit dieser Applikation wird es für die übrigen Disruptoren in diesem Geschäft schwieriger.

smartphone©shutterstock.com

Sechs Banken, das ist in der überaus reichen Schweizer Bankenlandschaft noch nicht viel. Aber mit der UBS, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank, Waadtländer Kantonalbank (BCV), der Genfer und Luzerner Kantonalbank sind es immerhin Powerhäuser und Lokalmatadoren in ländlichen wie städtischen Regionen, die inzwischen auf die von der Schweizer Börsenbetreiberin SIX entwickelte Paymit-App setzen.

Damit ist diese Bezahl-Applikation, sie ermöglicht einfache und kostenlose Geldüberweisungen von Person zu Person, auf dem besten Weg, zu einer Standardlösung der Banken zu werden – und damit wohl auch für Schweizer Bankkunden.

Ein mehrfacher Erfolg

Die SIX kann mit Paymit einen mehrfachen Erfolg verbuchen: Erstens profiliert sich der bislang eher als schwerfällig geltende Finanzdienstleister als Innovator. Unter der Leitung von Innovations-Manager Andreas Iten beweist die SIX, dass sie sinnvolle Anwendungen entwickeln kann, und zwar nicht nur für IT-Spezialisten respektive für grosse Finanz- und Datentransaktionen, sondern auch für Personen mit einem Smartphone und einem Bankkonto. Auch für den Handel wird die App bald zur Anwendung kommen.

Zweitens hat sie eine App entwickelt, die auch einer echten Nachfrage entspricht. Im App-Store erscheint die Applikation derzeit unter den Top-Downloads.

Drittens hat sich die SIX mit Paymit als wichtige Fintech-Entwicklerin in der Schweiz hervorgetan.

Nützt der ganzen Bankenlandschaft

Paymit ist erst der Anfang. Denn die SIX hat in diesen Tagen auch ihren Inkubator in Betrieb genommen. Damit will die Börsenbetreiberin Zürich zum Fintech-Hub aufbauen. Viertens hat die SIX mit Paymit eine Anwendung mit einem offenen System auf den Markt gebracht, so dass alle Banken sie verwenden oder in ihre E-Banking-Lösungen einbinden können.

Fünftens, der grösste Erfolg, ist zwar noch ausstehend, aber er ist absehbar: Die Mehrheit der Schweizer Banken dürfte die Paymit-App auch ihren Kunden anbieten.

So würde offensichtlich, dass die SIX mit Paymit ein strategisches Glanzstück vollbracht hat, das der gesamten Schweizer Bankbranche nützt. Oder mit anderen Worten: Die SIX, die zu 96 Prozent im Besitz der Schweizer und in der Schweiz ansässigen Banken ist, hat ihnen eine Fintech-Anwendung zur Verfügung gestellt, die für so genannte Peer-to-Peer-Bezahllösungen – kurz P2P genannt – zum Standard wird.

«Disruptoren» ausgeschaltet

Mit Paymit können die Banken die Kontrolle über ihre Kunden behalten und gleichzeitig die «Disruptoren» ausschalten. Denn das P2P-Geschäft im Banking ist ein Gebiet, mit dem viele aufstrebende Fintech-Startups liebäugeln und mit ihren Entwicklungen die Wertschöpfungskette der Banken aufbrechen.

Für P2P-Geldtransfers gibt es denn auch enorme Wachstumsprojektionen: Die Wirtschaftsplattform «Business Insider» hat in einer kürzlichen Studie das Potenzial von solchen mobilen Geldtransfers auf mehr als eine Billion Dollar geschätzt.

Nicht nur Fintech-Startups wollen sich ein Stück dieses, bislang von den Banken kontrollierten Kuchens, holen. Auch Google bietet mit ihrem «Wallet» bereits P2P-Lösungen an, und Facebook soll ähnliche Absichten haben.

Der entscheidende Vorsprung

Doch Paymit hat einen entscheidenden Vorsprung: Mit der UBS, Raiffeisen, der ZKB und den weiteren Instituten kann die SIX auf einen Multiplikator-Effekt beim Vertrieb rechnen. Denn andere P2P-Apps, sei es von Internetkonzernen oder Smartphone-Anbietern wie Apple und Samsung, müssen höhere Hürden nehmen, weil sie die Bankkunden auf eine andere Plattform lotsen müssen.

Ausserdem fehlt ihnen in Bezug auf Sicherheit und Datenschutz der Vertrauensvorschuss, den Banken noch immer geniessen. Entscheiden sich bald weitere Schweizer Banken für Paymit, wovon auszugehen ist, dürfte für die «Disruptoren» vom hiesigen P2P-Kuchen nicht mehr viel übrig bleiben.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • RBS: Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
mehr

SELECTION

Selection

Banken: Diese Jobs bringen richtig viel Geld

In welchen Abteilungen am meisten kassiert wird.

Selection

Selection

Der Todesstoss fürs Online-Banking

Der Bankkunde von heute nutzt das Internet und Apps. Aber wie lange noch?

Selection

NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

weitere News