Judith Vogt: «Behalten Sie die Blockchain-Technologie im Auge»

Judith Vogt

Judith Vogt

So, wie früher Computerhersteller das Geschäft der Schreibmaschinen-Fabrikanten übernahmen, sind es heute andere Anbieter, die immer mehr Bankdienstleistungen an sich reissen. Das habe weitreichende Folgen, sagt die Finanzexpertin Judith Vogt.

Von Judith Vogt, CEO von Vogt Consult

Der Zahlungsverkehr wird mehr und mehr von Firmen wie Alibaba, Apple, Amazon und Google übernommen. Sogar Kredite und Hypotheken wickeln mittlerweile auch andere Dienstleister ab.

Für die Anlageberatung und Vermögensverwaltung kommen automatisierte Handelssysteme und «Robo Advisors» zum Einsatz. Bei fehlender Anpassung an neue Technologien, veränderte Kundenbedürfnisse und Gesetze droht den angestammten Instituten schnell einmal der Konkurs.

Was heisst das für die Kunden?

Im vergangenen Oktober ging die Schweizer Privatbank Hottinger, die auf eine mehr als 200 Jahre alte Tradition zurückblicken konnte, in Konkurs. Ursache war eine Überschuldung, weil die Bank auf Grund des Steuerstreits mit den USA hohe Rückstellungen bilden musste. Die Bank verpasste es, sich von Altlasten zu trennen, da sie unversteuertes Geld von amerikanischen Kunden verwaltete. Was heisst das für die Kunden der Bank?

Bargeldguthaben bis zu 100'000 Franken sind versichert und werden den Kunden zurückerstattet. Wertschriften gehören den Kunden und können auf andere Banken transferiert werden. Bargeldbestände von Kunden über 100'000 werden nach dem jetzigen Stand der Konkursmasse zufallen und gehen damit für die Kunden verloren.

Vorsicht vor Falschberatung

Ungemach droht den Banken auch direkt von Kundenseite. Ist eine international agierende Bank nicht in jedem Land perfekt mit den national geltenden Bestimmungen vertraut und abgesichert, können Kundenklagen etwa wegen Falschberatung der Bank das Leben schwer machen.

Sobald eine Bank ausserhalb ihres angestammten Rechtsgebiets Dienstleistungen und Produkte anbietet, müssen diese vollständig auf die national geltenden Gesetze angepasst sein.

Nehmen wir den Fall der Bank Safra Sarasin, die von einem Kunden in Dubai auf Falschberatung verklagt wurde und vom Gericht des Finanzzentrums Dubai Recht bekam. Wenn der Kunde letztendlich gewinnt, gehen seine Forderungen in die zweistellige Millionenhöhe.

Apple-Uhr ist auch eine Geldbörse

Die neue Blockchain-Technologie ersetzt nicht nur die Banken als Anbieter von Finanzdienstleistungen, sondern auch ihre Funktion als externe Pförtner. Mittels neuer Technologien lassen sich Transaktionen direkt von Person zu Person ohne eine Bank abwickeln. Die neuen Anbieter stellen nur noch die Technologie zur Verfügung. Die Konsumenten nutzen das System. Die Apple Watch wird zum Geldbeutel.

Das Geld befindet sich auf dem iTunes-Konto. Mit dem Geheimcode «Sesam öffne Dich» wird Guthaben vom Smart Phone oder von der Apple Watch des Kunden auf das Konto des Verkäufers transferiert und der Kunde nimmt die Ware entgegen. Dies reduziert sowohl Kosten als auch Risiken.

Die totale Dezentralisierung

Blockchain ermöglicht die Abwicklung von Handelstransaktionen, die auf einem sicheren, digitalen Kontoauszug dokumentiert werden. Dabei wird alles simultan auf verschiedenen Rechnern eines dezentralen Netzwerks abgelegt. Wichtig ist die Dezentralisation.

Damit wird vermieden, dass jeder auf eine zentrale Datenbasis zurückgreifen muss, wie das zum Beispiel bei Banken, aber auch bei PayPal, einem Online-Bezahlsystem der Fall ist. Die erste Anwendung von Blockchain war Bitcoin, eine digitale internationale Währung, die Zahlungen direkt von Person zu Person ohne Transaktionsgebühren erlaubt und militärischen Standardanforderungen zur Verschlüsselung der Daten genügt.

Bahnbrechende Innovationen

KPMG, eine der grossen vier internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, vergleicht Blockchain mit den bahnbrechenden Innovationen wie den Computer oder das Internet. Das Potenzial der Blockchain-Technologie geht weit über Transaktionen von Kryptowährungen wie Bitcoin hinaus.

Die Nasdaq, die zweitgrösste Börse der USA, testet zur Zeit die Technologie. Sie wird den Zahlungsausgleich unter Banken und die Abwicklung von Zahlungen revolutionieren. Indem Zahlungen direkt abgewickelt werden, entfällt das Ausfallrisiko, da die Transaktionen simultan stattfinden.

Grundlegende Vereinfachung

Heute werden Handelstransaktionen über Makler, Depotbanken, Clearingstellen und zentrale Verwahrstellen ausgeführt, um das Gegenparteirisiko zu minimieren. Oft sind mehrere Transaktionssysteme notwendig und die Beteiligung von Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern.

Der Einsatz der Blockchain-Technologie ermöglicht dagegen eine direkte Peer-to-Peer-Transaktion ohne Transaktionsgebühren und Kontrahentenrisiken. Eigentum und Wertübertragung können in einem sicheren und schnellen System vonstatten gehen. Der Besitz und Handel mit Wertschriften wird grundlegend vereinfacht.

Verteilen und gewinnen

Es ist riskant, mehr als 100'000 Franken Bargeld bei einer Bank zu lagern. Sicherer ist das Geld in Immobilien oder Wertschriften. Grössere Vermögen sollten auf mehrere Banken verteilt werden. Noch grössere Vermögen werden vorteilhaft auf mehrere Länder verteilt.

Behalten Sie die Blockchain-Technologie und ihre neuen Anwendungen im Auge. Zurzeit ist die Technologie noch in Privathand. Sollte sich ein Börsengang ergeben, sind hohe Gewinne zu erwarten.

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NEWS GANZ KURZ

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

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