Ivan Sosio: «Mein Fintech-Fünf-Punkte-Plan»

Ivan Sosio, Swiss Executive Search

Ivan Sosio, Gründer von Swiss Executive Search

Der Megatrend der Digitalisierung ist im Top-Management der Schweizer Banken noch überhaupt nicht angekommen. Das behauptet der Kaderstellen-Vermittler Ivan Sosio und liefert einen Massnahmenplan.


Herr Sosio, Fintech hat die Schweizer Finanzbranche in diesem Jahr massiv belebt. Es herrscht Aufbruchsstimmung. Ist das Ganze jedoch mehr als nur ein Hype?

Auf jeden Fall. Die Digitalisierung ist ein Megatrend, der uns in den nächsten Jahrzehnten eng begleiten wird. Die Wertschöpfungskette der Finanzindustrie wird in ihre Einzelteile zerlegt, und es findet eine strukturelle Neuordnung statt.

Die Grenzen zwischen on- und offline verwischen sich zusehends. Das bietet enorme Möglichkeiten für disruptive Geschäftsmodelle, die den Bedürfnissen der «digitalen Finanzkunden» entsprechen.

Für Aktivismus sorgen vor allem die Fintech-Startups. Wo aber stehen die Schweizer Banken in Sachen Digitalisierung?

‹Digital Leadership› heisst das Schlagwort, und da gibt es bei den Schweizer Banken tatsächlich noch einigen Handlungsbedarf. Ein Gradmesser für den Stand der Digitalisierung ist unter anderem die Bestimmung eines Chief Digital Officer in der Geschäftsleitung einer Bank. Dieses neue Berufsbild weist in den USA bereits seit ein paar Jahren enorm hohe Zuwachsraten aus.

«Jede Bewegung in der Online-Welt hinterlässt einen digitalen Fussabdruck»

In der Schweiz hingegen ist mir bisher nur eine Bank (Valiant) bekannt, bei der ein Geschäftsleitungsmitglied praktisch ausschliesslich für die digitale Transformation verantwortlich ist. Der Megatrend «digital» ist in den Köpfen des Top-Managements von Schweizer Banken noch nicht angekommen.

In der Vergangenheit war der Schweizer Finanzplatz vor allem für sein Bankgeheimnis bekannt, das oft aber auch für Kontroversen im Zusammenhang mit Geldwäscherei und Steuerhinterziehung sorgte. Eignen sich Online-Kanäle eigentlich auch für entsprechende Machenschaften?

Nein. Gerade bei Transaktionen über Online-Kanäle sehe ich den Vorteil, dass man Ablauf und Hergang praktisch lückenlos dokumentiert hat. Jede Bewegung in der Online-Welt hinterlässt einen digitalen Fussabdruck.

«Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einem funktionierenden Ecosystem»

Bestimmt ist das Thema Cyber Security respektive Sicherheit im Netz sehr wichtig, und man muss es ernst nehmen. Dies gilt aber auch in allen anderen Branchen, die ihre Geschäfte über digitale Kanäle abwickeln.

Wie würde Ihr Fünf-Punkte-Plan aussehen, mit dem sich der «digitalisierte» Schweizer Finanzplatz in der «neuen Finanzwelt» profilieren könnte?

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einem funktionierenden Ecosystem, wie wir es zum Beispiel im Silicon Valley beobachten können. Ich würde folgende Schwerpunkte setzten:

1. Digital Leadership im Top-Management fördern und fordern. Eine Möglichkeit wäre, einen Chief Digital Officer in der Geschäftsleitung zu bestimmen. Andererseits müssten im Verwaltungsrat unbedingt Personen vertreten sein, die mit der Digitalisierung vertraut sind.

2. Eine engere Zusammenarbeit mit Hochschulen und staatlichen Organisationen suchen und gemeinsame Projekte anstreben; etwa mit der Organisation Swissnex in San Francisco, die Kontakte im Silicon Valley anbietet und vermittelt. Generell sollte man die Aus- und Weiterbildung ausbauen.

3. Interessensgruppen und Vereinigungen bilden, welche die Politiker, Verbände und die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren. Ein Ziel könnte zum Beispiel sein, ein World Fintech Forum (WFF) zu gründen. Es wurde kürzlich das Projekt «DigitalZurich2025» gestartet, das breit abgestützt ist und absolut in die richtige Richtung weist.

4. Startup-Kultur gezielt fördern und «Elevator Pitches»-Veranstaltungen etablieren. Die Swisscom hat in diesem Bereich schon einiges geleistet, etwa mit der «Swisscom StartUp Challenge».

5. Eine engere Zusammenarbeit mit den Behörden, insbesondere mit der Finma und dem Steueramt, anstreben. Denn heute beklagen sich noch viele Startups über die Schweizer Steuerpraxis, wonach die Gründer eines Startups bereits bei einer ersten Finanzierungsrunde eine saftige Vermögenssteuer-Rechnung bekommen, obwohl das Jungunternehmen noch gar keinen Gewinn erwirtschaftet hat.


Ivan Sosio ist Senior Consultat bei der 2003 von ihm gegründeten Firma Swiss Executive Search. Das Unternehmen ist auf die Rekrutierung, Vermittlung und Beratung von hochqualifizierten Spezialisten aus der Finanz- und Consultingindustrie konzentriert.

Sosio verfügt über eine fast 30-jährige Berufserfahrung, die er sich bei diversen Finanzinstituten erwarb. Er arbeitete unter anderem als Swiss Equity Sales in Zürich, Paris und New York, zuletzt in dieser Position für die Genfer Privatbank Pictet. Er hat ein BBA des Schweizer Instituts für Betriebsökonomie.

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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