«Der höchstmögliche Deckungsgrad ist nicht unbedingt der beste»

Die vom Zurich-Konzern gegründete Sammelstiftung Vita führt ein so genanntes Vollbeteiligungsmodell ein. Damit sollen die Anlageerträge fairer auf die Versicherten verteilt werden, sagt Samuel Lisse, Geschäftsführer des Unternehmens.


Herr Samuel Lisse, warum führt die Sammelstiftung Vita ein neues Beteiligungsmodell ein?

Das neue Vollbeteiligungsmodell schafft Transparenz bei Erträgen und Verzinsung. Es ermöglicht uns, die Anlageerträge fairer zu verteilen. Gleichzeitig bietet es zusätzliche Sicherheit.

Wie funktioniert das Modell?

Einen Teil der Anlageerträge eines Jahres benötigen wir, um unseren Zieldeckungsgrad von 106 Prozent zu halten. Alle Anlageerträge, die darüber hinausgehen, fliessen in eine Zinsreserve. Diese wird gestaffelt über fünf Jahre an die Versicherten ausbezahlt.

Wie kommen Sie auf einen Zieldeckungsgrad von 106 Prozent?

Unsere Analysen und Backtestings haben gezeigt, dass diese Höhe sowohl für unsere Sammelstiftung als auch für unsere Versicherten ideal ist. Es ist übrigens ein Irrtum zu glauben, dass der höchstmögliche Deckungsgrad für die Versicherten der beste ist. Wenn ich die Firma wechsle, kann ich die Reserven meiner Pensionskasse ja nicht mitnehmen.


«Tiefe Zinsen sind eine Herausforderung»


Wie sieht die Anlagestrategie der Sammelstiftung Vita aus?

Wir verfolgen seit unserer Gründung vor zehn Jahren eine breit diversifizierte Anlagestrategie mit dem Ziel einer nachhaltigen Verzinsung der Vorsorgegelder. Wir haben schon früh auf Alternative Anlagen gesetzt, was im schweizerischen Pensionskassenmarkt eher die Ausnahme ist.

Welchen Einfluss hat das Tiefzins-Umfeld auf die Anlageerträge?

Das Tiefzins-Umfeld ist auch für uns eine Herausforderung, weil es die Nominalwertanlagen belastet. Wir haben proaktiv unsere Zinsrisiken heruntergefahren und schichten derzeit in Obligationen mit kurzer Laufzeit um.


«Wir haben keine Rentner auf der Bilanz»


Wir fühlen uns aber für verschiedene Zinsszenarien gut aufgestellt. Wir profitieren davon, dass wir keine Rentner auf der Bilanz haben und so keine Langlebigkeitsrisiken tragen müssen. Unsere Sollrendite liegt bei vergleichsweise niedrigen 1,9 Prozent.

Ist das auch der Grund, weshalb die Vita 2014 die Altersguthaben im Obligatorium mit 2,75 Prozent und damit 1 Prozent höher als vorgeschrieben verzinsen kann? Im Überobligatorium gewährt die Vita sogar 3,75 Prozent.

Ja, das hilft uns. Wir verzinsen nach Möglichkeit im Überobligatorium höher und sehen dies als ausgleichende Gerechtigkeit. Gelder aus diesem Topf werden überproportional zu Sanierungen herangezogen. Und auch später bei der Rente fällt der Umwandlungssatz für Guthaben im Überobligatorium niedriger aus.

Spielt der passive Anlageansatz bei der Sammelstiftung Vita auch eine Rolle?

Derzeit verfolgen wir in allen Anlageklassen einen aktiven oder semi-aktiven Anlageansatz. Entscheidend für unsere Versicherten ist, was nach Abzug aller Kosten als Ertrag übrig bleibt.


«Wir sind ein wichtiger Impulsgeber»


Wir setzen uns aber selbstverständlich mit passiv gemanagten Anlagen auseinander und schliessen nicht aus, diese zu nutzen.

Welche Synergien bestehen im Anlagebereich zwischen der Sammelstiftung Vita und der Zurich Versicherung?

Zu den Anlagen der Versichertengelder der Zurich- Lebensversicherung gibt es keine Verbindung. Aber wir sind der grösste Investor der Zurich Anlagestiftung (ZAST). Unsere Gelder machen zwei Drittel des Stiftungsvermögens aus. Damit sind wir ein wichtiger Impulsgeber.

Wir nehmen auch Einfluss auf die Gestaltung der Anlagegefässe, zum Beispiel bei der Lancierung des Anlagegefässes Private Equity. Wir sind davon überzeugt, dass sich die Konditionen verbessern, wenn Vorsorgeeinrichtungen ihre Anlagen in einer unabhängigen Stiftung bündeln.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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