Klagen gegen Bankmanager: «Die Versicherungssummen steigen»

Versicherungen gegen Management-Fehler, so genannte D&O-Versicherungen, sind auch im Schweizer Banking zunehmend gefragt.

Manager©Shutterstock

Die Konsolidierungswelle im Swiss Banking rollt – die Übernahme der Basler Privatbank La Roche 1787 durch die grössere Notenstein Privatbank ist dabei nur das letzte Beispiel. Doch Bankkäufe bergen Risiken: Etwa, wenn sie sich später als nicht werthaltig erweisen. Dann können die Manager hinter den Deals gar mit ihrem Privatvermögen haftbar gemacht werden.

Häfeli 160Genau gegen solche Ansprüche schützen sich die Bankchefs mit Organhaftpflicht-Versicherungen (Directors' and Officers' Liability Insurance D&O). Laut Markus Häfeli (Bild links), Leiter Financial Lines beim grössten Schweizer Versicherer Zurich, ist der Markt für solche Versicherungen entsprechend in Bewegung.

Herr Häfeli: Die Verwerfungen im europäischen Banking haben die Nachfrage nach D&O-Versicherungen sprunghaft ansteigen lassen. Stellen Sie das auch in der Schweiz fest?

Die Entwicklung in der Schweiz ist eher qualitativer Natur. Wir beobachten, dass die Ansprüche der Kunden an D&O-Versicherungen gestiegen sind. Zudem haben sich die Versicherungssummen tendenziell erhöht. Schliesslich wünschen die Kunden neue Deckungsbausteine, etwa die Übernahme von Untersuchungskosten gegen natürliche Personen.

Was treibt den Trend? Fühlen sich Bank-Manager vermehrt persönlich in der Schusslinie?

Die Treiber kommen klar aus dem regulatorischen Umfeld. Aber auch der Steuerstreit hat bei den Finanzdienstleistern das Bewusstsein für diese Risiken geschärft. Eine D&O-Versicherung schützt ja Entscheidungsträger und ihr Privatvermögen vor Ansprüchen im Zusammenhang mit ihrer Funktion. Erhöht nun etwa die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht die Anforderungen an bestimmte Aufgaben, schlägt sich das auch in den Versicherungen nieder.


«Der Wettbewerb verhinderte höhere Prämien»


Dann könnten Versicher wie Zurich auch die Prämien erhöhen?

Der Wettbewerb hat bisher verhindert, dass die gewachsenen Risiken zu Prämiensteigerungen geführt haben.

Doch die Risiko-Prävention wird im Banking immer wichtiger. Gehören da D&O-Versicherungen bald schon zur Grundausstattung?

Solche Versicherungen sind bei Schweizer Finanzinstituten weit verbreitet. Ganz generell stellen wir als globaler Versicherer im internationalen Vergleich immer wieder fest, dass Schweizer Firmen im Risikomanagement weltweit vorne dabei sind. Die Banken sind da keine Ausnahme. Steigende Nachfrage sehen wir auch bei Pensionskassen.


«Risiken sind Stiftungsräten zu wenig bewusst»


Wieso?

Wer heute als Stiftungsrat einer Pensionskasse Verantwortung übernimmt, geht Risiken ein, die sein privates Vermögen gefährden können.

Welche denn?

Versicherte können versuchen, den Stiftungsrat für schlechte Anlageentscheide in die Pflicht zu nehmen. Das ist vielen Stiftungsräten noch zu wenig bewusst.

Die Versicherer ihrerseits sind bemüht, damit ein Rechtsstreit gegen einen Manager nicht ausartet. Ist ein Vergleich hinter den Kulissen immer das oberste Ziel?

Es ist wichtig, dass wir als Versicherer möglichst früh in juristische Verfahren eingebunden werden. Dazu ist der Versicherte übrigens auch vertraglich verpflichtet. So können wir uns rasch ein Bild der Haftungssituation machen. Wir streben aber keineswegs immer einen Vergleich an. Wir prüfen den Schaden und beurteilen zunächst einmal die Haftungssituation.

Wieso kommen dann so oft Vergleiche zustande?

Das ist tatsächlich in vier von fünf Fällen so. Die Sachverhalte sind in der Regel komplex und richtungsweisende Urteile fehlen oft. Das Führen eines Prozesses ist in solchen Fällen immer ein Risiko mit ungewissem Ausgang. Das erhöht die Bereitschaft der Beteiligten, einem Vergleich zuzustimmen.


«Kein Freibrief für kriminelle Handlungen»


Als wie streitsüchtig nehmen Sie denn Ihre Schweizer Klientel wahr?

Schweizer streiten nicht gern. Aber es gibt auch handfeste juristische Gründe. Anders als beispielsweise in den USA trägt in der Schweiz der Kläger die finanziellen Folgen eines verlorenen Prozesses selbst. Da überlegt man sich zwei Mal, ob man aufs Ganze gehen will.

Besonders heikel wird es, wenn der Schaden durch einen Manager mutwillig herbeigeführt wurde. Schlägt sich dann der Versicherer auf die Seite der Kläger?

Nein, das dürften wir schon aufgrund unserer vertraglichen Treue- und Schutzpflichten gegenüber den versicherten Personen nicht tun. Aber es kommt vor, dass der Versicherer nach sorgfältiger Beurteilung des Sachverhalts eine Deckung ablehnt. Vorsätzlich begangene Taten dürfen nicht versichert sein. Das wäre ein völlig falscher Anreiz und weder im Interesse des Versicherers noch unserer Gesellschaft. Eine D&O-Versicherung ist kein Freibrief für kriminelle Handlungen.

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NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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