«Geschützte Werkstatt für Lebensversicherer»

Die Versicherungen verwalten 20 Prozent des Schweizer Vorsorgevermögens und erzielen Gewinne. Versicherte ernten hingegen Minizinsen und tiefe Renten.

Herbert.Braendli.quadratHerbert Brändli ist Geschäftsführer der Firma B+B Vorsorge. Er schreibt regelmässig für finews.ch

Der Staat hat mit dem BVG den Lebensversicherungen eine geschützte Werkstatt eingerichtet. Per Gesetz wurde ihnen 1985 mit den Klein- und Mittelbetrieben (KMU) ein massgeblicher Bereich der Schweizerischen Vorsorgelandschaft zugehalten.

Zahlreiche Unternehmen und ihre Mitarbeiter wissen auch heute noch nicht, dass ihnen mit unabhängigen Sammelstiftungen viel Erfolg versprechendere Alternativen zur Verfügung stehen.

Entgegen den Existenz sichernden Grundsätzen der Risikodiversifikation dürfen Vorsorgeeinrichtungen ihr gesamtes Vermögen bei einem einzigen Versicherer anlegen. Damit gehen sie ausserordentliche Gegenparteirisiken ein.

Am Abgrund vorbeigeschrammt

Wir erinnern uns an die Finanzmarktkrise 2001/2002, als die drei grossen Schweizer Lebensversicherer allesamt knapp am finanziellen Abgrund vorbeischrammten. Die kürzliche Finanzmarktkrise haben nicht nur Banken, sondern auch der weltgrösste Lebensversicherer nicht mehr überstanden.

In der 2. Säule haben die Versicherer leichtes Spiel. Mit der so genannten Legal Quote sind sie direkt am Umsatz beteiligt. Damit ist ihnen der Erfolg gesichert, egal ob sie die anvertrauten Gelder auch erfolgreich anlegen.

Beschränkter Anlagehorizont

Wegen dem auf ein Jahr beschränkten Anlagehorizont ist ihr Anlageuniversum mehr oder weniger auf vermeintlich mündelsichere, so genannt risikoarme Investitionen beschränkt. Das typische Versicherungsportfolio umfasst darum vor allem festverzinsliche Wertpapiere und sehr wenig Substanz. Entsprechend sind die Versicherer immer ertragsarm unterwegs.

Nach Abzug der Kosten für ihre teilweise veralteten Verwaltungsapparate verbleiben den Auftraggebern nur noch Minierträge für Zinsgutschriften an die Versicherten.

Viel kürzere Spiesse

Ihre Rechnung ist einfach: Die Altersrente resultiert aus den eigenen Sparbeiträgen, die mit Zinsgutschriften der Pensionskasse vermehrt werden. Ein Prozent Mehrzins lässt die Altersrente um 20 bis 30 Prozent ansteigen.

Schon vor Jahren hat ein profunder Kenner der Versicherer vorgerechnet, dass diese in der beruflichen Vorsorge mit viel kürzeren Spiessen als unabhängige Pensionskassen kämpfen. Ihre eigenen, speziellen Anlagevorschriften, der Sicherungsfonds, die Nominalwertgarantie, die Ansprüche von Management und Shareholdern sowie Fix- und Akquisitionskosten verschlingen mindestens 2,3 Prozent der verwalteten Vermögen. Um diesen Betrag liegen darum die Netto-erträge mindestens unter denen von Pensionskassen.

Im besten Fall die Hälfte

Zählt man die Grundkosten hinzu und stellt das beschränkte Ertragspotenzial gegenüber, bleibt in der Tat wenig für den Leistungsaufbau der Vorsorgenehmer. Viel zu wenig, wenn man bedenkt, dass die Vermögenserträge rund zwei Drittel der Altersrente finanzieren sollen.

Im besten Fall erhalten Versicherte die Hälfte der möglichen Altersrente, wenn ihr Sparbatzen von einer Versicherungsgesellschaft verwaltet wird. Der für die betriebliche Altersvorsorge wichtige und entscheidende dritte Beitragszahler in Form von marktgerechten Erträgen fällt praktisch weg und das pensionskassenspezifische Kapitaldeckungsverfahren mutiert zum Umlageverfahren.

Willfähriger Bundesrat

Wegen dieser misslichen Ausgangslage gaben die Bundesrichter den Versicherungsgesellschaften schon vor langer Zeit das Plazet, im Bedarfsfall die gesetzlich geforderten Zinsgutschriften von den Versicherten direkt mittels «Risikobeiträgen» finanzieren zu lassen. Damit haben sie das gesetzliche Soll unter Wahrung des Geschäftsmodells der Versicherer sichergestellt.

Dennoch haben sich einzelne Versicherer vom Markt zurückgezogen, andere hoffen weiter auf staatliche Gehhilfen. Willfährig bittet der Bundesrat mit fragwürdigen Leistungssenkungen (Zinsgutschriften, Umwandlungssatz) diejenigen Versicherten nochmals zur Kasse, die bislang mit überhöhten Beiträgen die Verunsicherungsgesellschaften im Vorsorgegeschäft gehalten haben.

Pensionskassen ertrinken

Dieser ungebührliche Eingriff in marktwirtschaftliche Regeln löst keine Probleme. Mit der staatlichen Ordnung geht es mit der Effizienz in der 2. Säule unaufhaltsam bergab. Schwache und ineffiziente Marktteilnehmer werden geschützt und gleichzeitig ertrinken die Pensionskassen in steuerlichen und administrativen Auflagen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
  • Veganer wegen Geldschein auf den Barrikaden
  • Was Banken gar nicht mögen: Weibliche Whistleblower
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

So werden Sie ein guter Chef

Ausgezeichnete Fachkenntnisse reichen nicht. Diese sieben Punkte sind genauso wichtig.

Selection

Die spektakulärsten Bankgebäude der Welt

Die spektakulärsten Bankgebäude der Welt

Eine Expertenjury hat die weltweit 15 beeindruckendsten Firmensitze gekürt.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

weitere News