Die Crème der Deutschschweizer Bankiers

Die reichsten Privatbankiers der Schweiz werden weniger: Unter den grossen Privatbanken ist nur noch die Zürcher Vontobel-Gruppe fest in Familienhand.

Zu den Privatvermögen der traditionsreichsten Bankiers in Genf, von Pictet & Cie, Lombard Odier & Cie, Mirabaud & Cie und Bordier& Cie, macht die «Bilanz» in ihrer «300 Reichsten»-Ausgabe keine Angaben.

In ihrer Liste der reichsten Bankiers in der Deutschschweiz sticht derweil die Familie Vontobel hervor. Sie scheint – etwa im Unterschied zur Familie Bär oder Sarasin – fest entschlossen, ihre Bank fest in Familienhand zu halten und nicht ausländischen Grossinvestoren Platz zu machen.

Familie Vontobel (800-900 Millionen)

Die Vontobels besitzen über einen Pool rund 67 Prozent der Stimmen und die Mehrheit am Kapital der Zürcher Bank (verwaltete Vermögen: 140 Milliarden Franken).

Für die Familie Sarasin endet dagegen 2012 die Bankiers-Geschichte. Die Basler Privatbank gehört nun der Familie Safra aus Brasilien. «Wir haben Safra die rund zehn Prozent, welche die Familie Sarasin noch besessen hat, angedient», bestätigt Eric Sarasin gegenüber der «Bilanz» (gedruckte Ausgabe). «Wir sind nicht mehr an der Bank beteiligt.» Nun dekotieren die Safras die Bank Sarasin, wodurch diese wieder zu einer echten Privatbank wird.

Familie Sarasin (700-800 Millionen)

Als bloss noch reiche Familie läuft die Familie Sarasin in der Stadt Basel neben den Chemie- und Pharmadynastien nur mehr unter ferner liefen. Eric Sarasin bleibt derweil bis auf Weiteres in der Bank Sarasin tätig, wo er sich für die nächsten fünf Jahre als Leiter des Private Banking verpflichtete. Sein Cousin Yves Sarasin übernimmt die Leitung des Zentral- und Osteuropa-Geschäfts.

Eric Sarasin hat sein Vermögen heute vor allem in Private Equity, Immobilien, eine Kosmetikfirma und einen chinesischen Holzverarbeiter investiert.

Familie Bär (400-500 Millionen)

Raymond Bär (53) ist im Frühling 2012 vom Präsidium sowie aus dem Verwaltungsrat der Privatbank Julius Bär zurückgetreten. Damit verabschiedet sich der letzte Familienvertreter aus der Bank. Der Einfluss der Familie war bereits mit Einführung der Einheitsaktie 2005 massiv reduziert worden. Inzwischen befinden sich weniger als 3 Prozent des Bankkapitals in Familienhänden.

Dem Urkenkel des Gründers, Raymond Bär, bleibt die Aufgabe, eine Altlast zu bereinigen. Als Vorsitzender eines Special Committee arbeitet er weiterhin an einer Lösung für die nach wie vor unvesteuerten Vermögen amerikanischer Kunden.

Konrad Hummler, Otto Bruderer, Steffen Tolle & Co. (300-400 Millionen)

Die älteste Privatbank der Schweiz, Wegelin & Co., wurde Anfang 2012 zerschlagen und ging zum grossen Teil an die Raiffeisenbanken.

Wieviel den ehemaligen Teilhabern der notverkauften Bank von ihrem Erlös bleibt, hängt stark vom Ausgang des Strafverfahrens in den USA ab. Alle Beteilgten haben Stillschweigen vereinbart, an das sich auch der scharfzüngige Konrad Hummler bislang hält. Als VR-Präsident der NZZ-Gruppe trat er zurück.

Familien Frank und Martin Bodmer (300-400 Millionen)

Nach dem Handwechsel der Bank Wegelin ist die Rahn-&-Bodmer-Bank die älteste Privatbank der Schweiz. Das Geldhaus wurde vor 262 Jahren gegründet und verwaltet 12,5 Milliarden Franken an Vermögen. Es gehört zu je einem Drittel den Zürcher Familien Rahn, Bodmer und Bidermann. Derzeit leitet André Bodmer (51) als persönlich haftender Partner die Bank. Die Beteiligung der bankiersfamilie Bodmer, jene am Maschinenbauunternehmen Reishauer in Wallisellen entwickelt sich dynamischer.

Karl und Christof Reichmuth (100-200 Millionen)

Nach dem Rückzug der Bank Wegelin gehören die Reichmuths zu den letzten noch unbeschränkt haftenden Eigentümern einer Privatbank in der Deutschschweiz. Vater Karl und Sohn Christof Reichmuth sind froh, das ihr junges Geldhaus von der Steuerproblematik kaum betroffen zu sein. Mit 100 Angestellten verwaltet ihre Bank über 8 Milliarden Franken an Kundenvermögen. Die bankadministration hat sie ausgelagert.

Familien Guth, Dreyfus (300-400 Millionen)

Auch bei der edlen Privatbank Dreyfus Söhne & Cie aus Basel spürt man, dass im Banking härtere Zeiten angebrochen sind. Die Vermögen und der Gewinn des Traditionshauses gingen 2012 zurück. Als Verwaltungsratspräsident der 1813 gegründeten Bank amtet Andreas Guth.

Familie Hottinger (200-300 Millionen)

Die Privatbank Hottinger gibt es seit 225 Jahren, 2010 wurde sie in einer Aktiengesellschaft umgewandelt. Sie wird in der siebten Generation von Baron Henry Hottinger (77) und seinem Sohn Frédéric (51) geführt und konnte die verwalteten Vermögen 2012 bei rund 3,2 Milliarden Franken halten.

Familie Syz-Abegg (300-400 Millionen)

Hans Syz, Präsident der Zürcher Privatbank Maerki Baumann, darf mit der Entwicklung seiner Bank und seinem Filmproduzenten Turnus Film zufrieden sein. Unter dem neuen Chef Urs Imholz haben sich die Managementwirren gelegt, die Kundenvermögen nahmen wieder zu. Turnus drehte den Fernsehfilm «Dinu» und will sich an die Verfilmung des Überfalls auf die Zürcher Fraumünsterpost von 1997 machen.

Eric Syz (400-500 Millionen)

Eric Syz gründete die Banque Syz & Co. 1996 zusammen mit Alfredo Piacentini und Paolo Luban. Er ist einer von drei Managing Partners und Hauptaktionär mit einer Beteiligung von rund 66 Prozent.

Christian Stucki (300-400 Millionen)

Für die Vermögensvewaltungsfirma Notz Stucki in Genf folgte auf einen steilen Aufstieg ein tiefer Fall. Die Finanzkrise und das Madoff-Debakel setzen ihr stark zu: Die verwalteten Vermögen schmolzen von 35 Milliarden (2006) auf etwa 6 Milliarden Franken ab. Der Pionier unter den Vertreibern von alternativen Anlagen expandiert heute in Bahrain und Madrid.

Familie Cornaro (700-800 Millionen)

Die Tessiner Cornèr Bank sucht ihr Glück schon lange auch jenseits des reinen Privatbankings, unter anderem im Kreditkartengeschäft. Die von der Familie Cornaro kontrollierte Bank mit Sitz in Lugano akquirierte 2012 das Kreditkartengeschäft (BonusCard.ch) und verwaltet heute 1,4 Millionen Karten. Sie konnte ihre Talfahrt 2012 verlangsamen. Ihre Kundenvermögen erhöhten sich um 8 Prozent auf 3,3 Milliarden.

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