Zu Besuch im Genuss-Imperium des Schweizer Unternehmers und Sammlers: In Schottland präsentiert der Lalique-Hauptaktionär den neuen Aberturret-Gin und ein privates Gästehaus in Gehdistanz zu seiner Destillerie The Glenturret. Im Interview mit finews.ch erklärt er, warum die Whisky-Preise weiter steigen, und was er im Florhof in Zürich vorhat.

Der Frühling ist meteorologisch und kalendarisch schon ein paar Tage alt. Angekommen in Crieff, einer kleinen Stadt im Herzen Schottlands, ist er aber noch nicht. Die Temperaturen steigen kaum über acht Grad. In rascher Kadenz wechseln sich Sonne und Regen ab.

Die eindrücklichen Weiten der Landschaft sind noch vom Winter gezeichnet. Erst zaghaft gewinnt das Grün die Oberhand in der Natur. Geduldig trotzen die Schafe, die zu Hunderten den gut einstündigen Weg von Edinburgh nach Crieff säumen, den Kapriolen des Wetters. Am Horizont zeichnen sich die Hügel der Highlands ab. Crieff versteht sich als touristisches und kulturelles Tor zum schottischen Hochland.

Älteste Destillerie Schottlands

Willkommen im Reich des Schweizer Unternehmers Silvio Denz. Zusammen mit dem Medtech-Milliardär Hansjörg Wyss hat die Lalique Group, deren Mehrheitsaktionär Denz ist, vor ein paar Jahren die Destillerie The Glenturret gekauft. Es handelt sich um die älteste noch aktive Whisky-Produktionsstätte in Schottland.

Zielstrebig machte sich Denz in den letzten Jahren daran, sein Erfolgsrezept auf The Glenturret anzuwenden: Die Veredelung eines traditionellen Produktionsbetriebs auf höchstem Niveau durch ein Fine-Dining-Restaurant.

Im Bordeaux mit Michael Pieper

Erprobt hatte er dieses bereits im elsässischen Wingen-sur-Moder mit der Villa René Lalique nahe der Kristallmanufaktur Lalique, und im Bordeaux mit seinen drei Weingütern in Saint-Emilion sowie mit dem Château Lafaurie-Peyraguey, dem Nachbargut von Château d’Yquem, das er gemeinsam mit dem Industriellen Michael Pieper erworben hatte und wo er im Jahr 2018 das Hôtel & Restaurant Lalique eröffnete.

Denz’ Manufaktur in Wingen-sur-Moder, Elsass, wird flankiert vom Zweisterne-Restaurant in der Villa René Lalique. Im Bordeaux ziert das Restaurant & Hôtel Lalique (ebenfalls zwei Michelin-Sterne) sein Weingut Lafaurie-Peyraguey.

Sterneküche in rascher Kadenz

Und im vergangenen Februar verlieh der Guide Michelin auch dem dritten Gourmet-Lokal von Denz, dem The Glenturret Lalique Restaurant in Schottland, seinen zweiten Michelin-Stern. In der Küche wirbelt der erst 37-jährige Schotte Mark Donald, der unter Denz’ Ägide im Rekordtempo die Sterne abräumt.

In der Bar des The Glenturret Lalique Restaurant, das Denz behutsam in die bestehende Architektur seiner Destillerie eingearbeitet hat, sitzen wir dem aus dem Aargau stammenden Unternehmer gegenüber. Die Einrichtung stammt zum grössten Teil von Lalique aus dem Elsass.

Zwei Innovationen

Man merkt ihm nicht nur die Begeisterung für die von ihm geschaffenen Genusswelten und Produkte an, sondern auch den unternehmerischen Esprit, der offensichtlich jung hält: seine 67 Jahre würde man Silvio Denz nicht geben, wenn vor einem sitzt in Rollkragenpullover und Jeans.

Er ist nach Schottland gekommen, um zwei Innovationen einzuweihen: Unter dem Namen The Aberturret lanciert er einen neuen Gin. Und endlich ist das Gästehaus The Aberturret Estate House, wo früher die Witwen der verstorbenen Destillerie-Besitzer logierten, fertig restauriert. Dieses geschmackvolle private Gästehaus mit sechs Schlafzimmern für maximal zwölf Personen kann nun zur exklusiven Nutzung gemietet werden.

Herr Denz, die Lalique Group hat die Destillerie The Glenturret vor genau fünf Jahren, im März 2019, gemeinsam mit Hansjörg Wyss gekauft. Wie sind Sie auf Schottland gekommen?

Als ich Lalique im Jahr 2008 übernommen habe, war die Destillerie Macallan einer unserer wichtigen Kunden. Bereits fünf Jahre zuvor hatten wir für Macallan die ersten Kristallkaraffen hergestellt. Macallan – nach wie vor ein wichtiger Partner von Lalique – hat das sehr clever angestellt: Hätte man einen fünfzig- oder siebzigjährigen Whisky in eine normale Glasflasche abgefüllt, hätte man dafür maximal 2’000 Pfund verlangen können.


«Macallan ist nach wie vor ein wichtiger Partner von Lalique»


Der damalige Marketingchef, David Cox, suchte nach Wegen, um den Whisky zu veredeln. Seine Wahl fiel auf die Kristallkaraffen von Lalique – handgemacht und auf gut 400 Stück limitiert. Die erste solche Karaffe kam 2003 auf den Markt für einem Preis zwischen 3’000 und 4’000 US-Dollar.

Die hätte man kaufen müssen, damals…

Ja. Eine solche Karaffe wurde letztes Jahr vom Auktionshaus Bonhams für 140’000 US-Dollar versteigert. Das sind heute Sammlerstücke, die kaum noch auf den Markt kommen.

Wie ging es weiter?

Nach dem Erfolg der ersten Auflage hat Macallan dann alle zwei Jahre eine neue Spezialabfüllung in der Lalique-Kristallkaraffe gemacht. Jedes Mal ging der Preis weiter hinauf. Die sechste Auflage kostete bereits etwa 60'000 US-Dollar pro Flasche. Aber wer die vorigen fünf bereits gekauft hatte, wollte sie auch noch haben. Die komplette Kollektion aller sechs Abfüllungen erzielte vor sieben Jahren bei Sotheby’s in Hong Kong 990'000 US-Dollar.