Generationenwechsel bei Bellecapital
Der Generationenwechsel gilt bei unabhängigen Vermögensverwaltern in der Schweiz als Achillesferse: Den Gründern, oftmals gemeinsam mit ihren Kunden in den goldenen Zeiten des Wealth Management gross geworden, fällt es vielfach schwer, Verantwortung in neue Hände zu übergeben. Und die wenigsten – zumindest unter den kleineren Häusern – bauen eine weniger personenabhängige Struktur mit zentralisierten Funktionen und eigener Marke.
Ein Gegenbeispiel zu diesem allgemeinen Trend ist Bellecapital. Der Vermögensverwalter mit Sitz am Zürcher Bellevue gehört mit rund 6 Milliarden Franken und rund 70 Mitarbeitern aber auch zu den grösseren Akteuren der Branche.
Rückzug von Bass und Eberle in den VR
Wie finews erfahren hat, haben sich die beiden Gründungspartner Beat Bass und Mark Eberle aus der operativen Geschäftsleitung zurückgezogen und sind in den Verwaltungsrat gewechselt.
Die operative Verantwortung liegt nun ganz bei Tobias Faes, der im vergangenen Jahr zum CEO avancierte, und einer neu zusammengesetzten Geschäftsleitung.
Erfolgsfaktoren der Übergabe
Auf die Frage nach den Erfolgsfaktoren nennt Faes zwei. Zunächst brauchte es Zeit, «eine vorausschauende und langfristig geplante Übergangsphase, in welcher sukzessiv Verantwortungen und Aufgaben an die neue Generation übergeben wurden.» Interne wie externe Partner hätten sich so an die neue Konstellation gewöhnen können.
Entscheidend sei aber, was danach passiere. «Ausserdem ist es aus unserer Sicht sehr wichtig, dass sich nach dem Generationenwechsel alle auch an ihre neuen Rollen halten, zum Beispiel nicht mehr ins operative Management einzugreifen, wenn man sich in den VR zurückgezogen hat», sagt Faes. Bei Bellecapital habe das «bestens funktioniert».
Was geschieht mit den Kunden der Gründer?
In der Praxis ist dies bei vielen Firmen schwierig. Der Gründer, der aus dem Verwaltungsrat heraus weiter das Tagesgeschäft zu dirigieren versucht, ist ein verbreitetes Muster.
Bleibt die heikelste Frage: Was geschieht mit den Kunden der Gründergeneration? Im Falle von Bellecapital stelle sich diese Frage weniger, weil die Gründer ihre Kundenverantwortung nicht abgeben. Aber künftig werde zwischen dem Management des Unternehmens und der Kundenberatung getrennt.
Neue Aufgaben für die Gründer
Beat Bass ist dafür das Anschauungsbeispiel: Er hat die Firma über 17 Jahre mit aufgebaut und geführt, war daneben aber stets ein erfolgreicher Kundenberater. Künftig kann er sich neben dem Verwaltungsratsmandat wieder stärker auf sein Kundenbuch konzentrieren. Das erlaube nicht nur ihm mehr Freiheiten, sondern wirke sich «auch für die Kunden positiv aus», so Faes.
Auch bei Mark Eberle verschiebt sich der Schwerpunkt seiner Tätigkeit: Er wird sich künftig noch gezielter auf seine strategischen Aufgaben konzentrieren und damit die langfristige Entwicklung von Bellecapital weiter prägen. Im Zentrum stehen die strategische Ausrichtung des Unternehmens sowie der weitere Ausbau des UK-Geschäfts. England soll dabei in den kommenden Jahren zu einem wichtigen Wachstumsmarkt für Bellecapital werden.
Übernächste Generation von Relationship Managers
Parallel dazu hat Bellecapital nach eigenen Angaben Strukturen aufgebaut, um die Übergabe von Kundenbeziehungen systematisch zu organisieren: Jüngere Berater werden über Jahre in die Beziehungen der älteren eingeführt. Bewusst habe man auch sehr junge Kundenberater mit wenigen Jahren Erfahrung eingestellt, um sie im eigenen Haus auszubilden, als «quasi ‹übernächste Generation›».
Damit adressiert Bellecapital ein Problem, das viele unabhängige Vermögensverwalter vor sich herschieben: Nicht der CEO-Wechsel kostet Assets, sondern der Ruhestand des Beraters, der die Beziehung über Jahrzehnte gepflegt hat.
Eigentümerverhältnisse bleiben bestehen
Bei der Eigentümerstruktur ändert sich vorderhand nichts: Bellecapital gehört vollständig einer Gruppe aktiver Mitarbeitender, wobei zwei der Gründer zusammen die Mehrheit halten. Ein Verkauf an einen Finanzinvestor oder eine grössere Gruppe – ein vermeintlich bequemerer Ausweg aus der Nachfolgefrage – stand hier offenbar nicht zur Debatte.
«Wir als neues Führungsteam sind uns der Verantwortung sowie der Erwartungen bewusst, welche unsere Kunden, Aktionäre wie auch Mitarbeitende an uns stellen», sagt Faes. Ziel sei es, Bellecapital «weiterhin nachhaltig und profitabel» zu entwickeln, ohne Firmengeschichte und Kultur aus den Augen zu verlieren.














