Mövenpick kauft Spezialisten für Wein-Investments
Die Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) schätzt, dass der weltweite Weinkonsum 2024 erneut um gut 3 Prozent zurückgegangen und auf den niedrigsten Stand seit 1961 gesunken ist. In der Schweiz gab es einen noch grösseren Rückgang von knapp 8 Prozent. Das Bundesamt für Landwirtschaft bezeichnet den Rückgang als «besorgniserregend».
Bei Mövenpick spricht man von «dynamischen Veränderungen im Weinhandel». Unter CEO Nikolas von Haugwitz richtet sich das Unternehmen strategisch neu aus, wie es Ende Januar hiess. Michél Weber wurde neuer Geschäftsführer von Mövenpick Wein Deutschland. In der Schweiz verstärkt Samuel Schawalder seither als Leiter Ontrade und Offtrade die Geschäftsleitung. Nikolaus Eggers übernahm den neu geschaffenen Bereich Geschäftsentwicklung.
Anlegen statt Trinken
Mit der Übernahme des deutschen Wein-Investment-Anbieters Liquid Grape treibe Mövenpick Wein den Umbau seines Geschäftsmodells weiter voran, heisst es nun. Liquid Grape wurde 2019 gegründet und hat sich auf den Erwerb, die Verwaltung und den Handel von Fine Wines als Anlageform spezialisiert. Kundinnen und Kunden können über die Anwendungen ihre Weinsammlungen verwalten und die Wertentwicklung ihrer Wein-Portfolios verfolgen. Ergänzt wird das Angebot durch persönliche Beratung, strukturierte Investmentpakete sowie Handels- und Rückkaufoptionen.
Ziel sei es, physische Präsenz an über 40 Standorten in der Schweiz und Deutschland mit digitalen Services wie Portfolio-Monitoring, Investment-Reporting und Online-Beratung zu verknüpfen.
Gründer bleiben dabei
Die Gründer von Liquid Grape, Annie Dörfelt und Henrik Maass, bleiben an Bord und sind weiterhin für die strategische Weiterentwicklung der Plattform verantwortlich. «Hochwertige Weine sind Sachwerte mit stabiler Entwicklung und können im Vergleich zu klassischen Anlageklassen attraktive Ergebnisse erzielen», sagt Mövenpick-Chef Nikolas von Haugwitz. «Wein bietet als Sachwert aufgrund begrenzter Verfügbarkeiten, sinkendem Angebot durch Konsum und wachsender globaler Nachfrage eine solide Basis für langfristige Investments».
Überangebot und mangelnde Nachfrage
Der «Liv-ex Fine Wine 100 Index» der London International Vintners Exchange gilt als der wichtigste Massstab für die Wertentwicklung bei den edlen Weinen. Der Index für die hundert gefragtesten Luxusweine aus aller Welt stieg nach Corona von 325 auf 425 Punkte. Seit Ende 2023 geht es wieder deutlich nach unten. In den vergangenen zwei Jahren ist er um knapp 10 Prozent gesunken. Noch schlechter sieht es bei edlen Flaschen aus Frankreich aus. Die 500 wichtigsten Bordeaux-Weine etwa verzeichnen einen Wertverlust von gut 17 Prozent in den vergangenen zwei Jahren. Die Topweine aus dem Burgund liegen bei einem Minus von 19 Prozent, die aus Kalifornien bei minus 15 Prozent und die aus Italien bei minus 8 Prozent.
Kurzfristig drücken unter anderem die US-Zölle auf die Nachfrage. Laut Liv-ex kauften Amerikaner vergangenes Jahr 44 Prozent weniger dieser Topweine. Mit einem total Konsum von gut 32 Millionen Hektolitern ist die USA nach wie vor der klar wichtigste Weinmarkt und (noch) mehr als sechs Mal so gross wie der chinesische Markt.















