Früherer UBS-Mann: Luxus-Weinclub statt Anti-Money-Laundering

Es ist ein Gespräch in einem Café unweit der Stockerstrasse. Wir treffen den Mann, der gerade dabei ist, sein berufliches Leben neu zu sortieren. Martin Zuan hat acht Jahre bei PwC gearbeitet, davor als Compliance Officer unter anderem bei der UBS – im selben Gebäude, in dem er schon bald als Gastgeber eines weinseligen Privatclubs auftreten wird: Am 12. Juni soll die «WineBank Zürich» eröffnet werden.

In dem neuen Business liege «mehr Passion als in der Wirtschaftsprüfung», sagt er zu Beginn des Gesprächs. Der radikale Rollenwechsel ist geplant und durchdacht.

Vom Regulator zum Gastgeber

Zuan kennt die Finanzbranche von innen: Geldwäschereiprüfungen, regulatorische Aufsicht, Spezialistenteams. Er sitzt bis heute in Aufsichtsgremien der Anti-Money-Laundering-Zunft und gehört dort dem richterlichen Gremium an.

Die Idee des ursprünglich aus Deutschland stammenden Franchise-Konzepts «WineBank»: ein Private Members Club, der Weinlagerung, Begegnung und Gastronomie miteinander verbindet. Und sicherlich auch ein wenig Business. Der Zugang bleibt exklusiv, die Mitgliedschaft ist Voraussetzung.

27759 WineBank EG Lay 10 S1 2
Über zwei Millionen Investment, Eröffnung ist am 12. Juni. (Bild: WineBank Zürich)

Dass er ausgerechnet an die Stockerstrasse 64 zurückkehrt, hat eine fast zirkuläre biografische Note. «2010 war ich hier im selben Tower als Compliance Officer tätig», sagt er. Heute lässt er dort auf über 1’000 Quadratmetern eine neue Welt entstehen.

Clubcharakter im Zentrum

Die «WineBank Zürich» verteilt sich auf mehrere Ebenen: Rund 600 Quadratmeter Clubfläche treffen auf einen rund 400 Quadratmeter grossen Tresorbereich im Untergeschoss. Letzterer ist als Lager mit 24/7-Zugang lizenziert.

Doch Zuan denkt bewusst über das vor allem bei deutschen «WineBanks» gepflegte Storage-Modell hinaus. «Wir wollen weg vom reinen Lagergedanken», sagt er. Stattdessen sollen Lounge, Sitzungszimmer und Events den Ort beleben – mit stimmungsvollen Sitzungszimmern für vier oder acht Personen, Kaffeemaschinen, kuratierten Tastings und anderen Events.

Die Trennung von Lager und Aufenthaltsbereich ist dabei zentral. Wer hier ein Fach mietet, kauft sich nicht nur Stauraum, sondern Zugang zu einem sozialen Gefüge.

5'000 Franken Eintritt

Die Zahlen sind bewusst klar strukturiert: Ein einmaliger Mitgliedsbeitrag von 5’000 Franken – aktuell mit einem Weingutschein versüsst – bildet die Eintrittsschwelle. Dazu kommen monatliche Gebühren, je nach Fachgrösse zwischen 250 und 1’700 Franken.

Martin Zuan Anna Amanatidou
Gastgeber Anna Amanatidou (r) und Martin Zuan. (Bild: WineBank Zürich)

Das kleinste Fach fasst rund 60 Flaschen. Die grösseren Varianten richten sich explizit an Sammler oder an Kunden, die den Ort auch geschäftlich nutzen wollen, inklusive Partnerkarten.

Seit wenigen Wochen läuft der Verkauf, rund 30 Mitglieder haben bereits unterschrieben. Das Ziel liegt bei rund 300. «Die Finanzbranche wird einen wesentlicher Teil davon ausmachen», sagt Zuan.

Sieben Tonnen für eine neue Welt

Noch ist vieles im Entstehen. Drei Jahre dauerte allein die Baubewilligungsphase – eine klassische Zürcher Umnutzungsgeschichte. Aus ehemaligen UBS-Büroräumen entsteht nun ein Club mit hochwertigen Materialien, Holzböden und bewusst gesetzter Intimität.

«Über 7 Tonnen Material wurden für die direkte Verbindung zwischen den Lounge-Flächen im Erd- und Untergeschoss aus dem Gebäude geholt», sagt Zuan. Treppen wurden neu gelegt, Räume geöffnet. Das Investment dürfte deutlich über zwei Millionen Franken liegen. In diesem Kontext lobt Zuan die gute Zusammenarbeit mit Swiss Life als Eigentümerin. «Sie sind enorm weitsichtige Immobilienbewirtschafter, die den Wert des Konzepts verstanden haben», sagt er über den Partner. 

Wein als Kultur

Nach seinen persönlichen Weinleidenschaften gefragt, antwortet Zuan: Schweizer Weine spielen eine zentrale Rolle, ebenso New-World-Regionen wie Oregon oder Patagonien. Aber auch dem Klassiker Bordeaux steht er offen gegenüber: «Nicht jeden Tag, da leider immer noch oft auf prohibitivem Preisniveau.»

Wichtiger ist ihm ein anderer Trend: bewusster Konsum. Events sollen Produzenten und Konsumenten zusammenbringen, etwa in Form von «Meet the Winemaker»-Abenden.

1 UG S3
Privater Weintresor mit Clubcharakter. (Bild: WineBank Zürich)

Rund um die Eröffnung am 12. Juni sind bereits rund zehn Veranstaltungen geplant. Deutschland wird als Gastland auftreten, ergänzt durch zahlreiche Schweizer Winzer. Partner ist unter anderem Terra Vigna.

Einige Tage vor der Eröffnung hat sich zudem eine Privatbank eingemietet.

Neuland im Bankenviertel

Das Konzept «WineBank» ist in der Schweiz nicht völlig neu, wie auch finews bereits berichtete. Die Berner Franchise ist bereits ausgebucht und wird erweitert. In Zürich hingegen betritt Zuan Neuland.

Ein privater Weintresor mit Clubcharakter, im Herzen des Finanzplatzes, adressiert genau jene Zielgruppe, die hier arbeitet: vermögende, international vernetzte Kunden mit Affinität zu Genuss, aber auch zu Diskretion.

Angesprochen auf den eher rückläufigen Weinkonsum, antwortet Zuan, dass seine «WineBank» sich durchaus auch als Botschafterin sehe, um diesem Trend Paroli zu bieten: «Bei uns trinkt man pro Monat vielleicht die zusätzlichen vier Flaschen Wein, die man im Restaurant nicht mehr bestellt..»

Es ist die Essenz des Modells: Die «WineBank» verkauft zwar auch Wein. In erster Linie aber den Raum, ihn zu besitzen, zu lagern und mit den richtigen Menschen zu teilen.