Loyalität reicht nicht mehr: Warum Schweizer Banken um Kunden kämpfen müssen
In dieser Rubrik nehmen Autorinnen und Autoren Stellung zu Wirtschafts- und Finanzthemen.
Schweizer Banken wirken auf den ersten Blick bemerkenswert stabil. Laut der Accenture Banking Consumer Study Switzerland 2025 bleiben 70 Prozent der Kunden seit mehr als sieben Jahren ihrer Hauptbank treu.
Doch diese Stabilität ist trügerisch. Das Verhalten der Bankkundschaft verändert sich rasant, angetrieben durch demografischen Wandel: Vertrauen verliert zunehmend an Bedeutung, während spezialisierte Spitzenangebote, Einfachheit, Individualisierung und digitale Geschwindigkeit in den Vordergrund rücken.
«Anbieter wie Revolut, Yuh oder Neon müssen die Hauptbank gar nicht unmittelbar verdrängen, um den Markt zu verändern.»
Bereits 63 Prozent der Schweizer Bankkunden nutzen heute mehrere Bankverbindungen, und 45 Prozent haben in den vergangenen zwölf Monaten ein Finanzprodukt bei einem neuen Anbieter abgeschlossen. Anbieter wie Revolut, Yuh oder Neon müssen die Hauptbank also gar nicht unmittelbar verdrängen, um den Markt zu verändern. Es genügt, wenn sie einzelne Bedürfnisse besser bedienen und damit die Erwartungen an Banking neu definieren.
Hauptbank verliert an Exklusivität
Gerade für etablierte Banken ist das strategisch relevant. Denn die Hauptbank bleibt zwar oft bestehen, verliert aber an Exklusivität. Die Gefahr liegt weniger im Verlust von Kund:innen als darin, dass die Beziehung nach und nach an Wert verliert.
In einem Umfeld, in dem klassische Ertragstreiber wie Zinsmarge und transaktionsbasierte Gebühren ohnehin unter Druck stehen, wird die Qualität der Kundenbeziehung vom weichen Thema zum harten Wachstumsfaktor.
Multi-Banking ist der Normalzustand
Der Schweizer Markt ist damit in einer neuen Phase angekommen. Multi-Banking ist heute der Normalzustand. Für Banken heisst das, Kunden bleiben oft, nutzen ihre Angebote aber flexibler als früher. Auch der Wettbewerb hat sich verschoben und richtet sich stärker darauf im entscheidenden Moment tatsächlich gewählt zu werden.
Für Banken hat das unmittelbare geschäftliche Konsequenzen. Wenn Kunden ihre Finanzbeziehung auf mehrere Anbieter verteilen, reicht es nicht mehr, die Hauptbankverbindung zu halten. Entscheidend wird, den Anteil an der gesamten Kundenbeziehung aktiv zu sichern und auszubauen.
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