Sind im Zweifelsfall die Kundenberater verantwortlich?

Die Weissgeldstrategie der Schweiz wird auch das Private Banking Geschäft mit Lateinamerika einholen, sagt Ex-Banker Bernardo P. Brunschwiler. Den Kundenberatern droht Ungemach.


 Bernardo P.  Brunschwiler ist Lateinamerika-Spezialist und betreibt eine Consultingfirma in Zug


 An die 80 Prozent der in der Schweiz verwalteten Vermögen aus Lateinamerika sind wohl nicht korrekt versteuert.

Die beiden Schweizer Grossbanken unternehmen erste Schritte, um das Vermögensverwaltungsgeschäft sachte an die neue Situation und kommende Regulierungen anzupassen – auch in Lateinamerika.

Die UBS verlangt seit Anfang dieses Jahres, dass der Kundenberater den Kunden bei einer Neueröffnung mündlich fragt, ob die Gelder deklariert sind. Sagt der Neukunde nein, kann das Konto nicht eröffnet werden. Sagt er ja, hält dies der Kundenberater im Kundendossier fest. Der Neukunde muss aber kein diesbezügliches Dokument unterschreiben.

Unklarheiten

Bei bestehenden Lateinamerika-Kunden der UBS muss ebenfalls dieselbe Frage gestellt werden, wenn der Kunde innerhalb eines Jahres eine Million Dollar Neugeld überweist. Dieses Geld muss theoretisch abgewiesen werden, wenn der Kunde nicht mündlich bestätigt, dass es versteuert ist. Was in einem solchen Fall mit dem bereits existierenden Vermögen des Kunden passiert, ist anscheinend nicht ganz klar.  Auch hier muss der Kunde kein Dokument unterzeichnen, der Berater hält die mündliche Antwort des Kunden im Dossier fest.

Die Credit Suisse ist offensichtlich (noch) nicht ganz soweit. Dafür hat die Bank bekanntlich ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) auf den 1. Januar 2014 angepasst.  Artikel 14 hält fest: «Der Kunde ist für die Einhaltung  der auf ihn anwendbaren gesetzlichen Vorschriften (einschliesslich Steuergesetze) verantwortlich und er hält solche gesetzlichen Vorschriften jederzeit ein.»

Tücken in der Information

Diese AGB werden bekanntlich dem Kunden per Post zugestellt. Allerdings landet im Falle Lateinamerikas eine sehr grosse Zahl dieser AGB-Post im «retained Mail» der Bank (banklagernd), da die meisten Kunden keine Bankauszüge und Korrespondenz an ihrem Wohnsitz erhalten möchten. Und jene Kunden, die die AGB effektiv erhalten, lesen diese – dies zeigt die Erfahrung – in der Regel nicht oder nur oberflächlich.

Dies lässt stark vermuten, dass der Kunde von dieser wesentlichen AGB-Änderung nur erfährt, wenn er aktiv vom Kundenberater informiert wird. Der Kunde, der sein Geld in seinem Domizilland also nicht korrekt deklariert, weiss also unter Umständen gar nicht, dass er bei Credit Suisse nur noch versteuertes Vermögen halten dürfte.

Wenn man dann noch Artikel 16 der neuen  AGB der Credit Suisse liest («Der Kunde entbindet hiermit die Bank von ihrer Geheimhaltungspflicht und verzichtet auf das Bankkundengeheimnis, soweit dies der Wahrung berechtigter Interessen der Bank notwendig ist»), dann steht der Kunden effektiv vor einer ganz neuen Rechtslage. Ist dies dem Kunden auch klar? Muss der Kundenberater den Kunden informieren?

Halbherzig

Die eingeleiteten Schritte von UBS und CS wirken einerseits etwas halbherzig und sind anderseits dem Kunden gegenüber nicht gerade vorbildlich transparent. Die Verantwortung liegt vorwiegend beim Kundenberater, zu wissen, ob der Kunde nun seine Vermögenswerte und -erträge sauber deklariert oder nicht. Ein Unterfangen, welches auch in Lateinamerika ohne Zweifel extrem komplex ist.

Es bleibt also das schale Gefühl, dass man irgendwann den Kundenberater zur Rechenschaft zieht, falls etwas «schief läuft». Die wesentliche Frage lautet demnach: Wieso lässt man den Kunden nicht persönlich unterschreiben, dass er «für die Einhaltung der Steuergesetze verantwortlich ist» und stellt dafür einen formell sauberen, transparenten Prozess auf?

Zudem bleibt die Tatsache, dass auch die Kundenberater der Grossbanken weiterhin mit hohen Neugeld-Zielen konfrontiert sind, die sie Jahr um Jahr erreichen müssen. Ob die Geschäftsleitungen der Banken den Aspekt «Weissgeldpolitik» bei der Setzung dieser Ziele umfassend berücksichtigen, ist eine absolut berechtigte Frage!

 

 

 

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