Für Sarasin kommt es noch dicker

Eine Anwaltskanzlei in Deutschland sucht per Zeitungsinserat nach weiteren Sarasin-Geschädigten, um die Klagen zu bündeln. Hinter dem Aufruf stehen Prominente, die Millionen verloren haben.

Das Inserat ist am Mittwoch in zahlreichen deutschen und Schweizer Zeitungen erschienen. Mit der Überschrift «Geschädigt durch die Bank Safra Sarasin?» ruft die Leipziger Kanzlei Bruse & Jacob «Betroffene» auf, sich bei ihr zu melden.

«Wir wollen dadurch erreichen, dass eine möglichst grosse Gruppe gleichermassen Betroffener einheitlich und abgestimmt vorgeht», heisst es in dem Inserat weiter. So könne eine optimale Vertretung organisiert und ein «ebensolches Ergebnis erreicht werden».

Mehr und mehr Kläger treten an die Öffentlichkeit

Worum es in dem Aufruf geht, wollte Anwalt Andreas Bruse auf Anfrage von «finews.ch» nicht präzisieren. «Aber sie können es sich ja vorstellen», ergänzte er. Die Bank Safra Sarasin steht momentan unter Beschuss von zahlreichen geprellten Anlegern, die mit einem speziellen, von der Bank vertriebenen Fonds, zig Millionen Euro verloren haben. Am (gestrigen) Dienstag wurde bekannt, dass auch der portugiesische Milliardär Americo Amorim eine Klage vorbereitet.

In Deutschland sind es namentlich der frühere AWD-Mitgründer Carsten Maschmeyer sowie Drogerie-König Erwin Müller, die sich von Sarasin hintergangen fühlen. Maschmeyer soll die Bank auf vorsätzliche Täuschung und Verletzung des Bankgeheimnisses verklagt haben.

Der jetzige Aufruf an andere Geschädigte via Zeitungsinserat kommt wohl von Maschmeyer. Im deutschen «Handelsblatt» sagte er am Mittwoch, Anwälte und Geschädigte würden nun zusammenarbeiten und Dokumente austauschen. Eine Sprecherin von Maschmeyer dementierte gegenüber «finews.ch», dass der Aufruf von ihm stamme.

Geballte Kraft von Geschädigten

Bruse & Jacob sind jedenfalls von «Prominenten» beauftragt worden, auf diesem Wege weitere Sarasin-Geschädigte zu sammeln. Anwalt Bruse wollte auch dazu nichts weiter sagen: «Wir haben unseren Auftraggebern strenge Diskretion zugesichert».

Die Taktik hinter dem Aufruf: Mit der geballten Kraft einer ganzen Anzahl von Geschädigten, die alle dasselbe Anliegen haben, kann Safra Sarasin stärker unter Druck gesetzt werden, als wenn einzelne, der Öffentlichkeit vor allem durch ihren Reichtum bekannte Persönlichkeiten ihr Recht einfordern.

Der Fall sieht in der Lesart einer bereits sensibilisierten deutschen Öffentlichkeit vielversprechend aus: Schweizer Bank legt Kunden Anlagevehikel ins Portfolio, welche den deutschen Steuerzahler übervorteilen – und legt auch ihre Kunden rein.

Steuerlücke wurde 2012 gestopft

Denn darum geht es: Die Verluste für die Sarasin-Kunden fielen auf einem Fonds an, der eine Lücke im deutschen Steuergesetz ausnützte. Der Trick war, dass sich das Anlagevehikel um den Dividendestichtag mit geliehenen Aktien einmal gezahlte Steuern mehrfach zurückerstatten liess. Das funktioninierte ein paar Jahre sehr gut. 2012 stopfte der deutsche Fiskus die Steuerlücke und die Fonds sackten in die Verlustzone.

Allein Maschmeyer hatte über 40 Millionen Euro investiert und darauf einen Verlust von 19 Millionen Euro erlitten. Gemäss anderen Klägeranwälten haben Anleger des von Sarasin vertriebenen Fonds namens Sheridan Solutions Equity Arbitrage bis zu 90 Prozent der Investition verloren.

Sarasin soll für den Fonds über eine Viertel Milliarde Euro Kundengelder akquiriert haben. Der Fonds sei dann Kunden ins Portfolio gelegt worden, die der Bank ein Vermögensverwaltungsmandat übertragen haben. Sie wollen also nicht gewusst haben, wie der Fonds funktioniert. Unter deutschen Geschädigten sind auch der Prominentenanwalt Matthias Prinz der Fussball-Manager Clemens Tönnies und der mit Maschmeyer befreundete Fussballtrainer Mirko Slomka.

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