Jürg Zeltners Kalkül

Es ist wie verhext: Die Börsen steigen und steigen, trotzdem verharren selbst reiche Bankkunden an der Seitenlinie. Nun will UBS-Vermögenserwaltungschef Jürg Zeltner das definitiv ändern.

«Risk on» ist ein Begriff, den nicht nur Investment-, sondern auch Privatbanker mögen. Denn in der Vermögensverwaltung bedeutet er: Kunden sind bereit, ihre Gelder vermehrt in Aktien und andere Anlage mit höheren Renditechancen zu investieren. Und das bedeutet: Banken können mit ihren Kunden respektive mit den daraus gewonnenen Gebühren Geld verdienen.

«Risk on» seien Kunden derzeit aber nicht, konstatierte Jürg Zeltner (Bild), Leiter Wealth Management der UBS, zu Wochenbeginn am «Reuters Global Wealth Management Summit» in Genf. Wenn Kunden hörten, die Börsenbewertungen seien hoch, Chinas Wachstum verlangsame sich, und in den USA stiegen die Inflationsbefürchtungen, dann seien sie auch nicht bereit, weitere Risiken zu nehmen, sagte der Top-Shot der UBS.

Cash-Portfolios bringen kein Geld

Seit die Finanzkrise selbst den sehr wohlhabenden Kunden massive Verluste verursacht hat, halten sie noch immer bis zu 30 Prozent Cash. Und mit Cash-Portfolios kann auch eine UBS nicht viel Geld verdienen.

Die Situation werde durch das regulatorische Umfeld weiter erschwert, sagt Zeltner. «Tausende Regulierungsmassnahmen, die umgesetzt werden müssen, bedeuten nur eines: Dass die Kosten im Geschäft mit unseren Kunden steigen».

Hilfe suchende Kunden

Privatbanken müssen also mit teureren Kunden umgehen können, die aus Verlustangst mit der Bank eigentlich weniger Geschäfte machen wollen – mangels Vertrauen, oder weil sie die Lage an den Märkten nicht genügend einzuschätzen vermögen.

Und hier sieht Zeltner die Chance für die UBS: «Diese Kunden brauchen Hilfe, sie brauchen Rat». Die Gelegenheit für die UBS sei nie grösser gewesen als jetzt, die erste Anlaufstelle für jene Kunden zu sein, die differenzierte Beratungen suchten.

Besserer Rat, mehr Risikonahme

Besser beratene Kunden würden wieder vermehrt punktuelle Risiken nehmen, so das Kalkül Zeltners. Tatsächlich ist die UBS bereits daran, das Modell umzusetzen. Sie setzt verstärkt auf Einnahmen aus dem Beratungsgeschäft und kompensiert so die Ausfälle der Handels- und Transaktionsgebühren.

Aber die so besser beratene Klientel ist noch immer nicht «risk on»: Laut Zeltner gibt es zwar unter den sehr vermögenden Kunden durchaus solche, die eine aktivere Rolle bei langfristigen Investments wie Private Equity einnähmen. Aber die meisten verharrten weiterhin in der «Komfortzone» – mit Cash.

Asien soll es richten

Der Hoffnungsschimmer leuchtet – einmal mehr – in Asien: Dortige Anleger zeigten erstmals Bereitschaft, auch ausserhalb ihrer Region zu investieren, sagt Zeltner. Da ist die UBS mit Rat zur Stelle.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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