Patrick Odier: «Wir sind keine Bank für Übernahmen»

Patrick Odier lässt sich durch das mittelmässige Semesterergebnis nicht aus der Ruhe bringen. Bei Lombard Odier zählten Sicherheit, Solidität und Liquidität, erklärt der geschäftsführende Teilhaber im Interview mit finews.ch. Wachsen will die Privatbank organisch.

Herr Odier, nach 218 Jahren hat Ihre Bank erstmals Geschäftszahlen publiziert. Was für ein Gefühl ist das?

Das ist nicht von heute auf morgen geschehen. Vielmehr war es uns seit einigen Jahren klar, dass auf Grund der wachsenden Transparenzansprüche und der weltweiten regulatorischen Ansprüche dieser Schritt kommen musste. Die Veröffentlichung der Zahlen gibt uns allerdings auch die Möglichkeit, die Solidität der Bank nach aussen zu zeigen.

Sie sind Sie zufrieden mit dem Resultat?

Wir bewegen uns in einem schwierigen Umfeld. Die Bankbranche macht derzeit einen enormen Konsolidierungsprozess durch, gleichzeitig sind die Zinsen tief und die Entwicklung an der Börse schwer abschätzbar. Sagen wir es so, es ist ein mittelmässiges, aber solides Resultat.

Sie weisen ein relativ hohes Kosten-Ertrags-Verhältnis von 80 Prozent aus. Sollte das nicht tiefer liegen?

Wir sind keine kotierte Bank, die in Quartalsschritten denkt. Insofern unterstreicht dieses Kennzahl die Investitionen in unsere drei Geschäftsbereiche, was wiederum ein gutes Signal nach aussen ist, um gute Mitarbeiter zu gewinnen. Als Bank, die von acht Partnern gehalten wird, stehen wir nicht unter dem Zwang, die Kosten permanent zu senken. Wir können langfristig denken, planen und investieren.

Sehen Sie auf Grund Ihrer neuen Rechtsstruktur nun auch Übernahmen von anderen Banken vor?

Nein. Wir waren noch nie eine Bank für Übernahmen. Wir wachsen organisch. An unserer Strategie wird sich in dieser Hinsicht nichts ändern.

Wie wollen Sie weiter wachsen?

Wir haben bereits vor ein paar Jahren mit dem Aufbau der drei Geschäftsbereiche (Privatkunden, Asset Management, Technologie- und Bankdienstleistungen) eine wichtige Weichenstellung vollzogen. Dadurch ist unser Geschäftsmodell breiter aufgestellt. Ein Ziel es dabei, ein Gleichgewicht zwischen den Erträgen aus dem Privatkundengeschäft und dem Asset Management zu erreichen.


«USA: Angemessene Rückstellungen getätigt»


Ausserdem streben wir mit unserer Technologie-Plattform weitere Partnerschaften an, wie wir sie zum Beispiel mit der Schweizer Valiant Bank, der belgischen Petercam oder der IST-Anlagestiftung haben. Wir haben zudem eine Absichtserklärung mit der luxemburgischen KBL-Gruppe unterzeichnet.

Lombard Odier figuriert im US-Steuerprogamm in der Kategorie 2. Inwiefern belastet sie dieser Rechtsfall?

Die Zahlen, die wir heute präsentiert haben, sind nach Rückstellungen für das US-Verfahren. Mit anderen Worten: Wir haben die Risiken sorgfältig geprüft, angemessene Rückstellungen getätigt und warten nun die weitere Entwicklung ab.

Wie hoch sind diese Rückstellungen respektive mit welcher Bussenhöhe rechnen Sie?

Es ist in der Branche nicht üblich Rückstellungen offenzulegen. Was ich sagen kann ist, dass das Thema uns in keiner Weise in der strategischen Weiterentwicklung der Gruppe behindert.


«Die Transparenz wird noch zunehmen»


 

Trifft es zu, dass auch frühere Partner der Bank für allfällige Forderungen aus den USA aufkommen müssen?

Nochmals, wir wissen nicht, wie hoch eine allfällige Zahlungen ausfallen könnte. Insofern können wir uns auch mit ehemaligen Partnern der Bank nicht darüber unterhalten.

Was sind Ihre nächsten Schritte als nun «transparente» Bank?

An unserer Strategie ändert sich grundlegend nichts. Aber wir gehen von fünf Trends im Bankenumfeld aus: Erstens, die Forderung nach mehr Transparenz wird weiter zunehmen. Zweitens wird sich der regulatorische Druck noch verschärfen. Drittens wird künftig eine grössere Nähe zu den Kunden nötig sein – man wird onshore präsent sein müssen.


«Sicher, solid und liquid»


Viertens wird die Performance in den Portfolios viel wichtiger werden, und fünftens wird der Faktor Technologie ein wesentlicher Treiber für die weitere Entwicklung jeder Bank sein.

Sie haben sich jahrhundertelang als inhabergeführte Partnerbank profilieren können. Was tun Sie jetzt?

Ein Blick auf unsere Bilanz zeigt klar, dass wir auch in Zukunft höchst konservativ investiert sind und mit einer Kernkapitalquote von 23,8 Prozent zu den am besten kapitalisierten Banken der Welt gehören. Diese starke Kapitalisierung ist und bleibt eines der Fundamente, auf dem das Vertrauen der Kunden in unser Unternehmen gründet. Wir werden auch in Zukunft eine absolut sichere, solide und liquide Privatbank sein.

 

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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