«Die grösste Bank der Schweiz muss beispielhaft sein»

Die Worte des legendären SBG-Präsidenten haben nichts an Gültigkeit eingebüsst, wie eine neue Biographie über Robert Holzach aufzeigt.

«Will die grösste Bank der Schweiz zugleich auch die bedeutendste sein, muss sie beispielhaft sein. Beispiel zu sein, Beispiel zu geben und Beispiel vorzuleben ist das Anspruchsvollste, das ich mir denken kann. Denn am Beispiel sollen sich ja Bankgewerbe, Wirtschaft und Öffentlichkeit orientieren können.»

Cover HLZ 169Diese Worte sprach Robert Holzach (Bild oben) 1988 an der Direktionskonferenz aus. Sie erhalten eine ungeahnte Brisanz vor dem heutigen Hintergrund, da die UBS in einen weiteren Skandal verwickelt ist, bei dem es um die Manipulation von Devisenkursen geht, und wofür sie fast eine Milliarde Franken an Bussen bezahlen muss.

Kein Vertrauen in der Bevölkerung

Das Fehlverhalten der grössten Bank der Schweiz hat weiter dazu beigetragen, dass ein Grossteil der Bevölkerung keinerlei Vertrauen mehr in jene Institutionen hat, die eine wichtige volkswirtschaftliche Aufgabe und Verantwortung übernehmen sollten – die Grossbanken.


Buchvernissage der Robert Holzach-Biographie


Doch das kommt nicht von ungefähr. Seit dem Ausbruch der Krise im Jahr 2007 versuchen die Bankoberen der Öffentlichkeit glaubhaft zu machen, dass ein Läuterungsprozess stattgefunden hat. Doch die ständigen neuen Skandale, sei das beim Libor, im Devisenhandel oder in der Vermögensverwaltung, beweisen genau das Gegenteil.

«Die Misere liegt tiefer», stellte auch Mark Dittli, der Chefredaktor der «Finanz und Wirtschaft», in seinem lesenswerten Kommentar vom vergangenen Wochenende fest. Tatsächlich liege die Ursache der Bankenskandale der vergangenen Jahre nicht bloss im Fehlverhalten einiger weniger Individuen. Nein, die Ursachen lägen in einer Kultur, die über Jahrzehnte gewachsen sei, und vor allem in den schädlichen Anreizen, sprich in der Bonuskultur.

Der Tanz um das Goldene Kalb des Casino-Kapitalismus' hat selbst in der Schweiz zu einem Selbstverständnis geführt, das sich unendlich weit von all dem entfernt hat, was einst den hiesigen Finanzplatz so unglaublich erfolgreich gemacht hat.

Sauberes Hemd statt weisse Weste

Es war nicht (nur) der komparative Vorteil des Bankgeheimnisses, der aus Sicht des Auslands Beihilfe zur Steuerhinterziehung ermöglichte, sondern der Erfolg des Swiss Banking beruht(e) vor allen Dingen auf der Integrität, Verlässlichkeit und Kompetenz der Bankangestellten – Tugenden, die mit dem sukzessiven Übergriff des angelsächsischen Banking ab Ende der achtziger Jahre zusehends in den Hintergrund gerieten – und was sich heute als fatale Fehlentwicklung herausstellt.

Und so klammern sich heute manche Bankchefs an Formalitäten und geben sich so der Illusion hin, überhaupt nichts falsch zu machen. So können sie dann behaupten: «Wir haben einen guten Job gemacht» oder «Persönlich haben wir eine weisse Weste». Das ist reinster Zynismus. Der Wahrheit näher war auch da Holzach, als er 1986 in sein Tagebuch notierte: «Wer ein sauberes Hemd hat, braucht keine weisse Weste.»

Elitäre Schnellaufsteiger

Robert Holzach (1922-2009), der fast 50 Jahre im Sold der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG, Vorgängerbank der UBS) gestanden hat, zuletzt als angesehener Verwaltungsrats- und Ehrenpräsident, warnte schon Anfang der achtziger Jahre vor der Megalomanie und dem Verhältnisblödsinn, wie die soeben im Verlag Neue Zürcher Zeitung erschienene Biographie von finews.ch-Mitgründer Claude Baumann zeigt.

Geradezu legendär sind seine Äusserungen von 1987, als er von den Harvard Absoluten in den USA sprach, die sich in nie gekannten Mengen dem Finanzzentrum Wallstreet zuwenden, um ihre elitäre Berufung als Schnellaufsteiger unter Beweis zu stellen. Sie tun es in einer Weise, dass sie ohne irgendwelche berufsethische Verpflichtung möglichst innert Monaten ein Millionen-Plansoll im persönlichen Dollareinkommen zu erreichen oder zu übertreffen versuchen», sagt Holzach anlässlich des 125-jährigen Bestehens der SBG (später UBS).

Brutale Ernüchterungen

Der Warner vor der Euphorie an den Finanzmärkten und der Kurzfristigkeit im Banking kündigte bereits im Frühjahr 1987 an, was sich im Herbst des selben Jahres erreignen sollte: «Es sind brutale Ernüchterungen für allzu eifrige Finanzalchimisten zu erwarten. (...) Wen wundert's, dass die Zahl der Finanzskandale zunimmt.» Wie erinnerlich kam es im Oktober 1987 zum legendären Black Monday, einem Tag, an dem die Börse in New York um mehr als 20 Prozent einbrach.

Black Monday 500

Holzach stellte seine Berufung zum Bankier stets in einen grösseren gesellschaftlichen Zusammenhang. Für ihn zählten noch Werte wie Glaubwürdigkeit, Integrität und vor allem auch Redlichkeit, die er selber vorlebte – was heute längst nicht mehr überall der Fall ist.

Wahnwitz und Megalomanie

In den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts war die SBG mit Abstand das erfolgreichste Finanzinstitut der Schweiz, das auch international ein grosses Ansehen genoss. Doch selbst vom grössten Erfolg liess sich der SBG-Präsident. An der Direktionskonferenz von 1985 sagte er: «Die Megalomanie, der Wahnwitz der unkontrollierbaren Grösse, hat schon immer ins Unglück geführt. Der kleine Kopf der riesenhaften Dinosaurier hat nicht ausgereicht, die Gattung vor dem Aussterben zu bewahren.»


Robert Holzach – Ein Schweizer Bankier und seine Zeit
Mit einem Vorwort von Henry Kissinger
350 Seiten | Verlag Neue Zürcher Zeitung | CHF 36.00

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