Lombard Odier versucht sich in Japan

Auf dem Papier ist Japan einer der aufregendsten Private-Banking-Märkte überhaupt. Die Realität ist allerdings eine andere. Zahlreiche ausländische Banken sind unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Lombard Odier dagegen hat Expansionspläne.

Lombard Odier gehört zu den Instituten, die sich im japanischen Private-Banking-Markt offenbar zurechtfinden: Genfs älteste Privatbank hat etwa 30 Kundenberater und Anlagespezialisten in Tokyo stationiert. Die japanische Niederlassung war bereits 1992 gegründet worden.

Lombard Odier will aus Japans Private-Banking-Markt nun mehr herausholen, wie der lokale Chef Keiichi Hirano der Nachrichtenagentur «Bloomberg» verriet. Die Anzahl Angestellte solle auf rund 40 erhöht werden. Die Bank plane eine Verdoppelung der japanischen verwalteten Vermögen bis 2017.

Japan ist nicht wie Asien

Wie hoch die verwalteten Vermögen derzeit sind, ist nicht bekannt. Lombard Odier zählt in Asien rund 8 Milliarden Franken an Kundengeldern, mehrheitlich wohl in den etablierteren Märkten Hongkong und Singapur.

Doch Japan ist ein ganz anderer Markt als das boomende Südostasien. Einer, der «sehr viel Geduld» braucht, wie es einst Wolfgang Humbert-Droz, Chef von Julius Bär in Tokyo, ausdrückte.

Auf dem Papier eine Goldgrube

Auf dem Papier ist Japan allerdings eine Goldgrube: Die Millionärs-Bevölkerung ist die zweitgrösste nach den USA. Und die Anzahl von Dollar-Millionären wuchs im vergangenen Jahr um 5 Prozent, wie aus dem World Wealth Report von vergangenem Juni zu entnehmen ist.

Und nicht nur das: Gemäss Statistik der Bank of Japan verfügen die japanischen Haushalte über 14,3 Billionen Dollar an Vermögen – und 52 Prozent davon ist Bargeld. Hirano von Lombard Odier glaubt, dass Japaner vermehrt Dienstleistungen einer Privatbank suchen würden.

Alte und neue Prognosen

«Sie sind stärker darauf fokussiert, ihre Vermögen zu schützen», sagte er zu «Bloomberg». Japans wirtschaftliche Lage, drohende Defizite, fallende Geburtsraten und Überalterung der Gesellschaft schürten Ängste, so der Private Banker.

Ähnliche Prognosen hört man allenthalben aus dem Mund von Schweizer Private-Banking-Strategen. Auch Walter Berchtold verwies auf die vorteilhaften Strukturen in Japans Bevölkerung, als er 2009 – damals noch Private-Banking-Chef – den Einstieg der Credit Suisse (CS) ins Geschäft mit wohlhabenden japanischen Privatkunden erklärte.

Schweizer Banken bleiben

Wie es um den Erfolg in Japan steht, ist nicht weiter bekannt. Ende 2011 übernahm die Schweizer Bank das japanische Private Banking von der HSBC, etwas später auch von Standard Chartered. Die CS glaubt auch, dass Japans Reiche «underbanked» sind und spezifische Dienstleistungen auf eine Nachfrage stossen.

Neben der CS, Lombard Odier und Julius Bär ist auch die UBS in Japan im Private Banking tätig – sie ist wohl der stärkste ausländische Wealth Manager im Land der aufgehenden Sonne.

Warum für Beratungen zahlen?

Aber auch die UBS tut sich – wie die anderen Banken – wohl schwerer als im restlichen Asien. Die Gründe haben sich auch in den vergangenen 17 Jahren, seit Banken den Anlegern Produkte verkaufen dürfen, kaum verändert. Japans Bankkunden gelten als äusserst konservativ, was ihr Interesse an Finanzprodukten und Portfolio-Lösungen betrifft.

Über Cash-Konten und japanische Staatsanleihen gehen die Wünsche selten hinaus. Wenn Japaner an den Börsen investieren, nutzen sie lieber Broker-Services als eine Privatbank.

Es ist den serviceverwöhnten Japanern kaum verständlich, dass sie einer Bank für reine Beratungsdienstleistungen Gebühren zahlen sollen.

Netz von Partnerbanken

Lombard Odier hat den Weg über Kooperationen gewählt: So arbeitet sie unter anderem mit der Bank of Ryukyus, Kagawa Securities, der Chiba Bank und der Shizuoka Bank zusammen. Diese sollen dem Genfer Institut Kunden zuschanzen, die Beratungen wünschen und einen globalen Ansatz für ihre Anlagen wünschen.

Wie erfolgreich diese Strategie bislang gewesen ist, machte Lombard Odier bislang nicht öffentlich. Aber das Netz mit Kooperationspartner solle nochmals erweitert werden, sagte Hirano.

Eine harte Nuss

Ausländische Privatbanken müssen es mit den lokalen Bankriesen Mitsubishi UFJ, Sumitomo Mitsui Trust sowie Sumitomo Mitsui Financial Group aufnehmen, die über ein weitaus stärkeres Filial- und Vertriebsnetz verfügen.

Schon manche Bank hat in Japan angesichts der hohen Hürden die Segel gestrichen. Neben den erwähnten HSBC und Standard Chartered waren dies in der jüngeren Vergangenheit auch Merrill Lynch und Société Générale, die ihr Geschäft an die japanische Konkurrenten verkauften.

Wie sagte doch Julius-Bär-Manager Humbert-Droz: «Der japanische Markt ist nicht einfach zu knacken.»

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NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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