Martin Scholl: «Das werden wir nie tun»

Martin Scholl, CEO Zürcher Kantonalbank

Martin Scholl, CEO Zürcher Kantonalbank

Martin Scholl hat klare Vorstellungen hinsichtlich Outsourcing ins Ausland. Ob der Chef der Zürcher Kantonalbank sein Versprechen aber halten kann, ist ungewiss.

«Eine Universalbank aus Überzeugung!», so lautete der Titel von Martin Scholls Rede an der diesjährigen Retail-Banking-Konferenz, organisiert vom Institut für Finanzdienstleistung Zug (IFZ) und der Hochschule Luzern.

Dieser Titel ist eigentlich irreführend für eine Konferenz, die – wie der Titel ankündigt – für Retailbanken gedacht ist. Doch die Organisatoren um Professor Andreas Dietrich haben jeweils auch die Angewohnheit, «Exoten» einzuladen. So geschehen am (gestrigen) Donnerstagnachmittag in Zug.

Mit dem Volk verbunden

Trotz des «universalen» Anspruchs der – gemessen an ihrer Bilanzsumme – viertgrössten Bank der Schweiz, sind die Beziehungen zum Kanton Zürich nach wie vor eng. Schliesslich ist die ZKB ein staatliches Institut mit einem klaren Leistungsauftrag, die finanziellen Bedürfnisse der Bevölkerung zu erfüllen.

Die Nähe zum Volk statuiert die Bank denn auch in ihrem Slogan «Die nahe Bank» – ein Motto, das nach den Worten Scholls nicht nur Schall und Rauch ist, sondern fest in der Kultur und in der «Denke» der Geschäftsleitung verankert ist.

Gerade vor diesem Hintergrund schliesst Scholl auch Auslagerungen ins Ausland aus. Wörtlich sagte er mit einiger Überzeugung: «Wir werden nie Aktivitäten ins Ausland outsourcen.»

An sich eine löbliche Haltung

Personalwesen, die IT oder das Callcenter werden somit immer in der Schweiz angesiedelt sein und nicht nach Polen, den USA oder nach Indien gezügelt, wie das andere Finanzinstitute bereits getan haben. Die UBS und die Credit Suisse haben diverse Bereiche etwa nach Breslau oder nach Nashville umgesiedelt – letztlich aus Kostengründen, wie auch finews.ch berichtete.

Auf den ersten Blick ist die Haltung der ZKB durchaus löblich. Doch sich gegen die Gesetze des Marktes, sprich der Effizienz und Effektivität zu stellen, ist in den seltesten Fällen auf Dauer eine gute Idee. Das weiss auch Scholl – auch er muss auf die Kosten achten.

Doch er hat einen entscheidenden Vorteil – die Staatsgarantie. Sollte die ZKB in arge Schwierigkeiten geraten, dann wird ihm der Kanton Zürich zu Hilfe eilen. Schliesslich will der Kanton eine Kantonalbank, und deshalb wird er sie auch retten wollen beziehungsweise müssen, sollte der – laut Scholl – sehr unwahrscheinliche Fall eintreten.

Schwieriges Umfeld

Doch Scholl verstösst gegen eine zentrale Regel, die lautet: «Sag niemals nie.» Die Schweiz und noch mehr Zürich sind ein teures Pflaster. Und in Anbetracht, dass die Zinsmarge auf Grund der kellertiefen Zinsen und der Konkurrenz stetig schmilzt – bei der ZKB beträgt sie gemäss der IFZ Retail Banking-Studie 2015 (kostenpflichtig) 0,69 Prozent –, könnte selbst die ZKB über kurz oder lang ins Schleudern geraten – schliesslich macht das Zinsgeschäft 50 Prozent der Erträge aus.

Und dem Versuch, andere Ertragssäulen wie das Handelsgeschäft zu stärken, sind der ZKB laut Scholl Grenzen gesetzt. «Mehr als 500 Millionen an Ertrag im Handelsgeschäft liegt nicht drin», so der CEO, und er ergänzt: «Sonst hätten wir ein Kommunikationsproblem.»

Klar ist, dass eine Bank mit einem Staatsauftrag primär für die finanziellen Bedürfnisse des «normalen» Mannes da sein muss, also zum Beispiel für die Finanzierung von Wohneigentum und für Spekulationen an den Finanzmärkten. 

Trügerische Sicherheit

Trotzdem ist Scholls Ansage gewagt. Denn wer weiss schon, wie die Bankenwelt in fünf oder zehn Jahren aussehen wird. Womöglich ist die Zürcher Staatsbank dann gezwungen, noch stärker auf die Kostenbremse zu treten und Geschäftsaktivitäten analog der UBS und Credit Suisse doch ins Ausland zu verlagern.

Wer Aussagen mit den Worten «absolut sicher» oder «nie» ergänzt, wiegt sich möglicherweise in einer trügerischen Sicherheit, die in diesem Fall auf der Staatsgarantie beruht. Doch selbst bei einem Worst-Case-Szenario müsste am Ende jemand die Zeche bezahlen. Das wäre dann der Steuerzahler.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • RBS: Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
mehr

SELECTION

Selection

Warum Warren Buffett Gold hasst

Der Ausnahme-Investor liest den Goldanlegern die Leviten.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

weitere News