Scheitern: Kein Problem bei der Asien-Konkurrentin der UBS und CS

John Hogue, Head Citi Innovation Lab

Im hart umkämpften asiatischen Private-Banking-Markt macht die Citigroup vieles richtig. Laut ihrem Fintech-Chef auch das, was sie falsch macht.

Citi Private Banking ist der zweitstärkste Wealth Manager in Asien mit rund 210 Milliarden Dollar verwalteten Vermögen. Der Abstand zur führenden UBS (284 Milliarden Dollar) ist für die US-Bank ohne eine grössere Übernahme zwar kaum zu überbrücken.

Gleiches gilt aber auch für die Credit Suisse (CS), mit 157 Milliarden die Nummer 3: Citi führt in sicherem Abstand und strotzt vor Selbstbewusstsein. So hat der Asien-CEO der Citi Private Bank, Bassam Salem, den Schweizer Banken unlängst attestiert, sie hätten keine Ahnung von den Besonderheiten des asiatischen Marktes.

Die Knacknuss des Bankings

Mit ähnlichem Selbstbewusstsein geht Citi die Ziele für ein Banking der Zukunft an. In ihrem Innovation Lab im Changi Business Park etwas ausserhalb der Finanzmetropole Singapurs arbeiten Citi-Entwickler an der grossen Knacknuss der Banker-Zunft: Wie lassen sich komplexe, anspruchsvolle und diskrete Finanzdienstleistungen und -beratungen so einfach an den Kunden bringen, wie dieser beispielsweise ein Uber-Taxi bestellen kann?

John Shannon Hogue ist Chef des Citi Innovation Labs sowie des Bereichs Fintech. Er leitet in Changi ein achtköpfiges Team und sagt bei einem Augenschein von finews.asia: «Wir fühlen uns hier sehr wohl, wenn wir Scheitern.»

Natürlich, Scheitern ist nicht das Ziel beim Knacken der Uber-Nuss. Aber Hogue meint es Ernst, wenn er das Scheitern als wichtigen Bestandteil der Innovationsstrategie im Citi-Fintech-Labor beschreibt.

«Wenn sich eine Idee nicht verwirklicht, lassen wir sie rasch durchfallen. Aber wir tun dies auf intelligente Art und Weise, um zu verstehen, warum sie sich nicht verwirklicht: War sie nicht ausgereift, genügte die Technologie nicht, wollten sie die Kunden einfach nicht haben?»

Wo sind die Disruptoren?

Hogue und sein Team haben sich ganz der Kundenfreundlichkeit verschrieben. Das Ziel ist, eine reibungslose und angenehme «customer experience» im digitalen Banking zu erschaffen.

Sowohl Citi als auch andere Banken schauen darum über die Grenzen ihrer Branchen hinaus auf jene digitalen Disruptoren, die es in ihrer Branche geschafft haben: Uber zum Beispiel.

Fieberhaftes Arbeiten an Kundenkommunikation

Denn der Innovationsdrang der Banken ist determiniert durch Tech-Giganten wie Google, Apple, Amazon oder Paypal. Strecken diese ihre Fühler ernsthaft in Richtung Finanzgeschäfte aus, kann es für unvorbereitete Banken existenziell werden.

Darum arbeiten Tech-Banker wie Hogue fieberhaft an einer verbesserten Kundenkommunikation. Das Credo des Amerikaners ist dabei: «Es darf nicht der Kunde sein, der seine digitalen Bedürfnisse an uns richtet. Wir bringen die Bedeutung und den Nutzen von 'digital' zum Kunden.»

Heikler Balance-Akt

Wobei 'digital' im Prinzip 'einfacher' bedeutet: Eine Vereinfachung der Bankdienstleistungen mit Hilfe von Apps. Für die Banken ist dies ein heikler Balance-Akt: Dienstleistungen in der Art einer Uber-App anzubieten und dennoch die Gewichtigkeit und das Vertrauen der Kunden nicht zu verlieren.

Woran sein Team effektiv arbeitet, verrät Hogue nicht. «Denken Sie an das Internet der Dinge, Kundenidentifikation oder die Vereinfachung von Schnittstellen – darauf legen wir einen Fokus, weil daran auch unsere Kunden interessiert sind,» sagt er vage.

Enormer Druck

In den USA ist die Citi bereits mit der TouchID im Markt, die es Bankkunden erlaubt, mittels Fingerabdruck auf dem Smartphone ihre Finanzen überprüfen zu können.

Der Druck auf Hogue und die Banken ist enorm, ihre digitalen Dienstleistungen ständig zu erneuern. Singapur hat diesen Bedarf erkannt und dank geschickter Anreize die Bankenmetropole zum Fintech-Hub erweitert.

«Changalore» in Singapur

In Changi tummeln sich tausende Programmierer und Entwickler, viele von ihnen sind indisch-stämmig. «Changalore» heisst das Geschäftsviertel bereits im Volksmund, in Anlehnung an die indische IT-Metropole Bangalore.

Kritische Beobachter sagen, all die Innovations- und Fintech-Labs von Citi, UBS, Credit Suisse und Co. hätten noch kein einziges Geschäftsmodell hervorgebracht, welches das Potenzial zum Disruptor habe.

Hogue ist dennoch optimistisch: «Auch wenn eine Idee scheitert: Teile von ihr können doch funktionieren und können auch zu etwas ganz Neuem führen.»

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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