Fintech: Warum die Schweiz das grosse B fürchten muss

Berliner Standortförderung in London

Berliner Standortförderung in London

Berlin nutzt den Brexit zu aggressivem Standortmarketing unter Jungfirmen in London. finews.ch-Recherchen zeigen, warum Schweizer Finanzplatz-Strategen dies genau beobachten sollten.

«Dear start-ups, keep calm and move to Berlin.» So lautete die Botschaft, welche deutsche Standortförderer kürzlich auf einem riesigen Plakat durch London karrten. Die Absicht dahinter ist glasklar – so viele vom «Brexit» aufgeschreckte Jungfirmen wie möglich von der Themse an die Spree zu locken.

Das wird vor Ort durchaus ernst genommen. So schrieb das Sprachrohr der Londoner «City», die «Financial Times», wie sich die deutsche Hauptstadt ins Zeug lege, um die Themsestadt als Fintech-Hub abzulösen.

Allianzen schmieden

Dass der Schweizer Finanzplatz im Londoner Fintech-Mekka derart marktschreierisch auftreten würde, ist hingegen undenkbar. Tatsächlich blieb es um die Frage, wie die Schweiz von einem möglichen Brexit-Exodus profitieren könnte, auffällig still. Die offizielle Haltung zeigt gar in die Gegenrichtung. So sucht die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) nach Wegen, mit London und Singapur eine neue Allianz der Finanzplätze zu schmieden.

Doch möglicherweise blicken die Schweizer Finanzplatz-Strategen in die falsche Richtung. So haben nicht nur London, sondern auch Zürich, Zug und Genf als hiesige Fintech-Zentren die Sogwirkung des «Grosse B» Berlin zu fürchten. Erst recht, wenn die deutsche Haupstadt durch die Brexit-Fliehkräfte noch an Masse gewinnt.

Deklassiertes Cryptovalley

Augenscheinlich ist dies im Zuger «Cryptovalley», das sich in den letzten Jahren zum internationalen Zentrum für die als bahnbrechend geltende Blockchain-Technologie gemausert hat.

Das stellt der ehemalige Banker Daniel Gasteiger fest, der mit Nexussquared in der Schweiz den ersten Blockchain-Inkubator aufbaute und kürzlich das erste Förderprogramm abschloss. «Für Blockchain-Startups sehen wir einen Trend Richtung Berlin», sagt Gasteiger gegenüber finews.ch. Mittlerweile gebe es dort doppelt so viele Blockchain-Jungfirmen wie im «Cryptovalley».

Den besten Kryptographen nahe

Der Trend zeigt sich nicht zuletzt bei der Vorzeige-Blockchain-Schmiede Ethereum. Diese fuhr zuletzt in Zug den Personalbestand zurück. Schnell wächst hingegen das Berliner Entwicklungszentrum der Jungfirma.

«Die Nähe zu Osteuropa, wo die besten Kryptographen zu Hause sind, kombiniert mit den tiefen Lebenshaltungskosten, sind klare Pull-Faktoren für Berlin», erklärt Gasteiger. Zudem gebe eine gewisse libertäre Grundhaltung vor Ort, welche rein ideologisch wunderbar zum Thema Blockchain passe.

Auf dem Sprung

Die Blockchain-Inkubatorin Nexussquared selber ist auf dem Sprung. «Wir planen, ab September ein Büro in Deutschland einzurichten – voraussichtlich in Berlin oder München», so Gasteiger.

Auch bei der Schweizer Fintech-Vereinigung Swiss Finance Startups (SFS) werden die Zeichen erkannt, die an der Wand stehen. London habe sich bereits vor Jahren zu Fintech bekannt und massiv investiert, sagt SFS-Mitgründer Urs Häusler auf Anfrage. «Mit dem Brexit eröffnen sich nun neue Chancen für Nachzügler wie die Schweiz.»

Zeit für Marketing

Dies würden aber auch andere Standorte erkennen und reagierten teilweise schneller, so Häusler, der selber das Startup Dealmarket führt. Was Fintech angeht, so habe die Schweiz mit der traditionsreichen Finanzindustrie im Rücken einen riesigen Vorteil. «Diesen Vorteil nicht zu nutzen, wäre nicht nur eine verschenkte Chance, es wäre auf lange Sicht auch ein Abschied vom Finanzplatz Schweiz», mahnt der Fintech-Aktivist.

Darum wäre jetzt der genau richtige Zeitpunkt, schnell und koordiniert Standort-Marketing zu betreiben, schliesst Häusler.

Immer mehr Hürden

Demgegenüber, stellt der SFS-Verteter fest, würden in der Schweiz immer mehr administrative Hürden aufgebaut. Was nicht gerade helfe, die vorhandenen Stärken des Standorts auszuspielen. Besonders zu reden gab zuletzt das Zürcher Steuermodell, das von erfolgreichen Fintech-Entrepreneuren relativ zügig Vermögenssteuern einfordert.

Dies zwingt erfolgreiche Startups geradezu zum Abwandern, so der Konsens in der Fintech-Szene an der Limmatstadt.

Zu den Kritikern solcher Hürden gehört etwa Dennis Just, der CEO der Vorzeige-Fintechfirma Knip. Das als digitaler Versicherungsbroker auftretende Startup hat sein Hauptquartier immer noch in der Schweiz. Doch die Mehrzahl der Angestellten sitzt im Ausland. In Berlin.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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