Prominente Ex-CS-Banker lancieren Robo-Advisor mit Sex-Appeal

Bastian Lossen, CEO Werthstein

Ehemalige Top-Banker der Credit Suisse lancieren einen digitalen Vermögens-Verwalter, wie Recherchen von finews.ch ergaben. Das Geschäftsmodell ist untypisch und – für einmal – tatsächlich innovativ.

An der Zürcher Beethovenstrasse hat ein neuer Robo-Advisor seinen Sitz bezogen: Er heisst Werthstein, und die Macher dahinter sind wohlbekannt, wie Recherchen von finews.ch zeigen.

Mitgründer und Chef ist Bastian Lossen, bis vor kurzem noch Marketingchef der Credit Suisse (CS). Im Verwaltungsrat ist auch Giles Keating, der diesen Juni nach über 30 Jahren als Researchleiter bei der CS seinen Abschied gab. Zu den Gründern gehört zudem Felix Röscheisen, der bis Juni Head Sales Management Retail Banking und Private Banking bei der Hypovereinsbank war.

Auch Walter Berchtold mit dabei

Im Advisory Board von Werthstein sitzt Walter Berchtold, der frühere Private-Banking-Chef der CS. An Bord ist zudem Michael Stemmle, einer der führenden Schweizer Fintech-Unternehmer und als Mitgründer und Chef der Firma Additiv mit der CS schon lange Jahre verbunden.

Mit Werthstein sei tatsächlich ein neuer digitaler Wealth Manager am Markt, bestätigte Lossen entsprechende Recherchen gegenüber finews.ch. Der effektive Start erfolge in wenigen Wochen – und zwar in Deutschland. Zu einem späteren Zeitpunkt will Werthstein auch in der Schweiz loslegen.

«Economist» mit Tradingbutton

Hinter dem robusten Namen Werthstein versteckt sich ein im digitalen Wealth Management neuer Ansatz: Er verbindet eine Multimedia-Pplattform mit Portfolio-Management und macht den Roboter in der Vermögensverwaltung erlebbar.

«Die Anfangsidee war: Wir machen einen ‚Economist‘ mit Tradingbutton», sagt Lossen. Ein Robo-Advisor also, der den intellektuellen Sex-Appeal eines renommierten Nachrichtenmagazins ausstrahlt.

Ideen werden in Anlagen gegossen

Robo-Advisors sind für Kunden eigentlich langweilig: Ein gesichtloser Algorithmus berechnet gemäss dem Kundenprofil risikoadjustierte Portfolios, kauft und verkauft Anlagen je nach Auftrag und Marktbewegungen und bildet dies im Idealfall grafisch auf einem Bildschirm ab. Robo-Advisor sind unsichtbar, alle Investmententscheide sind es auch.

Werthstein mobile

Werthstein geht einen anderen Weg: Das Marketing ist ein integraler Bestandteil der Plattform, indem von Investmentprofis ausgewählte und multimedial präsentierte Ideen in Anlagelösungen gegossen werden, die der Kunde per Knopfdruck wählen kann. «Unsere Kunden sollen über eine Story investieren, nicht über Finanz-Kennzahlen», so Lossen.

Wie in einer Casting-Show

Hier kommt Giles Keating (Bild) ins Spiel: Als Chef des so genannten Werthstein Institutes stellt er zusammen mit weiteren Marktexperten und Ökonomen jeweils Investmentideen vor. Darunter sind zum Beispiel die ehemalige Research-Chefin der HSBC, Bronwyn Curtis, oder der deutsche Börsenjournalist Stefan Risse.

Giles Keating

In der Gesprächsrunde werden die Pros und Contras beurteilt, und am Schluss entscheiden die Experten wie in einer Casting-Show per Abstimmung, welche Idee das Rennen macht.

Mobiles Onboarding

Der Kunde kann diese Videos auf seinem Smartphone anschauen und mit einem Knopfdruck entscheiden, ob er die Anlageidee in sein Portfolio integrieren möchte. Der digitale Portfolio-Manager, diesen stellt Additiv mit der Digital Finance Suite, übernimmt von da an und adjustiert das Depot entsprechend.

Es den Kunden so einfach wie möglich zu machen und sie zu engagieren, ist die Absicht von Werthstein. Das Onboarding geht via Smartphone, eine Kontoeröffnung dauert lediglich Minuten. In Deutschland arbeitet Werthstein mit der Baader Bank als Custodian zusammen. Ansonsten ist der Vermögensverwalter unabhängig.

Die Vermögensverwaltung ist gratis

Einen völlig neuen Weg beschreitet Werthstein auch mit seinem Geschäftsmodell. Sämtliche Vermögensverwaltungs-Dienstleistungen sind umsonst. Ein Kunde bezahlt für den medialen Content von Werthstein, er ist insofern Abonnent. Die Kosten eines solchen Abonnements liegen im Bereich von einigen hundert Franken im Jahr.

Entsprechend ist Werthstein auch nicht an Partnerschaften in der Finanzgemeinde interessiert, sondern in den Medien. Anlage-TV ist eine Mediengattung für sich, wie die Beispiele «CNBC» oder «n-tv» zeigen.

Werthstein sieht gemäss Lossen gute Chancen für entsprechende Kooperationen mit grossen Medienhäusern. Damit könnte Werthstein einen erheblichen Marketinghebel in Bewegung setzen.

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NEWS GANZ KURZ

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

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