Zeno Staub: «Wir lassen uns nicht drängen»

Zeno Staub, CEO Vontobel


Herr Staub, Vontobel hat im ersten Halbjahr 2016 die für 2017 gesteckten Ziele im Prinzip erreicht. Wäre es da nicht angebracht, die Mittelfristprognose zu erhöhen?

Es ist sicher angenehm, Ziele zu übertreffen. Wir führen alle drei Jahre einen fundierten Strategieprozess durch und davon wollen wir nicht abrücken. Deshalb sehen wir deshalb keinen Grund, gleich neue Ziele zu setzen.

Ein etwas schwächerer Punkt an den Vontobel-Halbjahreszahlen ist der Rückgang der Margen sowohl im Private Banking als auch im Asset Management. Ist dies eine einmalige Delle oder rechnen Sie damit, dass die Erosion anhält, wie dies in der Branche auch gespiegelt wird?

Die Margenrückgänge haben bei Vontobel verschiedene Gründe: Im Asset Management ist es eine Folge des veränderten Geschäftsportfolios nach den Ausflüssen in den höhermargigen Emerging-Market-Aktienprodukten.

In den Bereichen Multi-Asset-Class und Fixed Income, die nun stärker gewichtet sind, sind die Margen strukturell tiefer als im Aktienbereich. Tendenziell sind wir dem Margendruck weniger stark ausgesetzt als andere Anbieter, da wir uns voll auf das aktive Asset Management konzentrieren.

Und im Wealth Management?

Hier ist der Margenrückgang eher ein Branchentrend. Das aktuelle Tief- und Negativzinsumfeld kostet 3 bis 4 Basispunkte Marge, das lässt sich nicht ändern. Ein weiterer Grund sind die tendenziell zurückhaltenden und risikoaversen Kunden.

«Der Abgang von Rajiv Jain wirkte sich positiv auf die Cost-Income-Ratio aus.»

Zudem sind aufgrund der Umwälzungen im Schweizer Private Banking die durchschnittlichen Kundenportfolios grösser geworden. Auch dies kostet Marge. Die Herausforderung ist demnach, auf diesem tieferen Margenniveau profitabel zu bleiben. Das ist uns gelungen.

Im Asset Management haben Sie die Kosten deutlich gesenkt. Sind dies wiederkehrende Effekte?

Wir gehen davon aus, dass der grösste Teil wiederkehrend sind, da die Personalkosten gesunken sind. Im ersten Halbjahr wirkte sich zudem der Abgang von Rajiv Jain in der Quality Growth Boutique durch einen Einmaleffekt von 5 Millionen Franken positiv auf die Cost-Income-Ratio aus.

In der Folge des Abgangs von Jain erlitt das Asset Management Geldabflüsse von 11,8 Milliarden Franken. Sie bemühen sich sehr, die Wogen deswegen zu glätten. Die Frage ist nun: Folgen noch weitere Abflüsse?

Bei einem solchen Abgang sind Geldabflüsse nichts Ungewöhnliches, auch, weil ein Teil der Kunden aufgrund ihrer Anlagevorschriften die Geschäftsbeziehung kündigen muss. Diese Abflüsse haben stattgefunden.

Wichtig war uns, dass wir den CIO-Wechsel in der Quality Growth Boutique aus einer Kunden- wie auch aus der Aktionärsperspektive professionell geführt und transparent kommuniziert haben. Das heisst, wir haben gleichzeitig mit der Bekanntgabe von Jains Abgang eine glaubwürdige Nachfolgelösung präsentiert.

«Kontinuierliches Wachstum ist herausfordernd.»

Das Team unter der Führung von Matt Benkendorf ist stabil und alle Investmentprozesse sind unverändert institutionalisiert. Das ist die Voraussetzung für gute Investment-Ergebnisse und damit für zukünftiges Wachstum. Was unsere Aktionäre betrifft: Wir bleiben bezüglich der Profitabilität des Asset Managements sehr zuversichtlich und werden unserer Dividendenpolitik beibehalten.

Im Wealth Management treiben sie das organische Wachstum insbesondere durch die Rekrutierung neuer Kundenberater an. Sind Sie mit dem bisherigen Resultat bezüglich Nettoneugeld zufrieden?

Ja, wir möchten das angestrebte Wachstum von 5 Prozent Neugeld im Jahr beibehalten. Hier gilt zu beachten, dass ein kontinuierliches Wachstum bei den Kundengeldern zu erreichen, herausfordernd ist.

Das hat zwei Gründe: Erstens kann nicht jeder bestehende Kundenberater unbegrenzt Gelder akquirieren. Das liesse sich mit den Vontobel-Ansprüchen bezüglich Beratungs- und Servicequalität nicht vereinbaren.

Diese Wachstumskurve pro Kundenberater wird zwingendermassen also flacher. Zweitens wachsen bei neu angestellten Kundenberatern die Kundengelder und -erlöse naturgemäss erst in den nächsten sechs bis 24 Monaten an.

«Wir rücken von unseren Kriterien nicht ab.»

Um Kontinuität zu managen, liegt der Fokus demnach auf bestehenden Erlösen und Profitabilitätserhalt sowie auf der Rekrutierung neuer Talente. Diese sollen ihre Bücher aufbauen, um das angestrebte Wachstum von rund 5 Prozent Neugeld zu erreichen. In diesem Prozess gibt es naturgemäss kurzfirstige Schwankungen.

Sie haben erneut die Absicht geäussert, auch im Wealth Management akquisitorisch zu wachsen. Derweil zeigt sich ihre Konkurrenz im Konsolidierungsprozess viel aktiver. Das scheint sie aber nicht zu stören?

Nein, wir lassen uns nicht drängen.

Prüfen Sie denn laufend Kaufgelegenheiten?

Wir haben bezüglich Übernahmen ganz klare Kriterien, von denen wir nicht abrücken werden. Es ist zudem der Reputation Vontobels geschuldet, dass eine mögliche Übernahme partnerschaftlich und fair vollzogen wird. Wir fühlen uns demnach nicht unter Druck, aktiver zu werden, bleiben aber interessiert.

Ihre Kapitalposition ist relativ stark. Da könnte von Aktionären Druck entstehen, mit dem überschüssigen Kapital etwas anzufangen.

Unser Vorteil ist, dass unser Hauptaktionär, die Familie Vontobel, diesen Druck nicht spürt. Er überlässt uns bewusst viel Kapital, welches wir für Wachstum einsetzen können und der Stabilität der Bank dient.

Ihre letzte Übernahme, der Asset Manager Vescore, tätigten sie unter anderem auch, um das Nachhaltigkeitsangebot auszubauen. Gerade dieses sorgte aber bislang bei Vescore für viel zu hohe Kosten. Wie werden Sie mit diesem Kostenproblem umgehen?

Vontobel bearbeitet das Thema Nachhaltigkeit bereits seit Jahren – wir glauben an ein mittel- und langfristig steigendes Bedürfnis nach solchen Anlagestrategien, insbesondere von öffentlich-rechtlichen Investoren.

Vontobel ist zudem eine glaubwürdiger Anbieter für Nachhaltigkeitsinvestments. Unser Hauptaktionär hat 17,2 Prozent des Aktienkapitals in eine gemeinnützige Stiftung gelegt. Vontobel ist als Corporate Citizen sehr aktiv: Wir sind klimaneutral, engagieren uns gesellschaftlich und kulturell.

«Wir bleiben bei unseren Aussagen.»

Das Geschäft passt also zu uns. Raiffeisen hat nicht zuletzt für Vescore einen neuen Besitzer gesucht, der diese Produkte global vertreiben und damit Skaleneffekte nutzen kann. Bezüglich der Ziele mit Vescore bleiben wir bei unseren Aussagen: Bis 2018 wollen wir den Breakeven erreichen mit einmaligen Integrationskosten von 25 Millionen Franken. Zudem soll auch die angestrebte Eigenkapitalrendite von 10 Prozent deutlich überschritten werden.

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Der Hedgefonds-Anbieter Gottex hat die Publikation seiner Halbjahreszahlen verschoben. Offenbar verzögern sich die Verhandlungen um eine zweite Finanzierungsrunde.

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Die Grossbank UBS hat mit einer Zahlung von 15 Millionen Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC ein Verfahren um den Verkauf komplizierter Derivate an Privatkunden beigelegt.

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Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

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