Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz: Herzstillstand wegen UBS

Hans-Rudolf Merz am 19. September 2008

Die Rettung der UBS im Jahr 2008 war eine der Herkulesaufgaben des damaligen Finanzministers Hans-Rudolf Merz. Dass sie ihn beinahe das Leben kostete, macht der Alt-Bundesrat jetzt publik.

Es war mitunter die stürmischste Zeit im Schweizer Banking: Der Ausbruch der Immobilien- und Finanzkrise riss in die Bilanz der UBS immer grössere Löcher. Die Bank hatte sich in den Boomjahren mit faulen Krediten und hypothekenbesicherte Anleihen eingedeckt – Anlagen, die sich mit dem Platzen der Blase als «Giftmüll» entpuppten.

Zu Beginn des Herbstes 2008 ging die US-Investmentbank Lehman Brothers pleite – es schien nun nur noch eine Frage der Zeit zu sein, dass der Staat mit Steuergeldern der UBS unter die Arme greifen muss, um die Bank – und damit wohl auch die Schweizer Wirtschaft – vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Koma, sechs Wochen später wieder im Amt

Am 20. September brach aber der damalige Finanzminister und für die Causa UBS zuständige Bundesrat Hans-Rudolf Merz zu Hause in Herisau zusammen – Herzstillstand. Merz lag einige Tage im Koma, sechs Wochen später war er wieder im Amt.

In der Zwischenzeit war die UBS von der Schweizerischen Nationalbank rekapitalisiert von ihrem «Giftmüll» befreit worden.

In einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» rekapituliert Merz nun die Ereignisse. Der Herzstillstand sei wohl eine Folge der Überlastung wegen der UBS-Rettung gewesen.

«Das hat mich umgehauen.»

Er erzählt: «An dem Tag, als es passierte, erfuhr ich, dass die Schweizerische Nationalbank und dahinter der Bund schlimmstenfalls für 60 Milliarden Franken Garantien würden bringen müssen – 60 Milliarden! Dreimal so viel, wie wir Schulden abgebaut hatten!»

Zwar sei er auf eine Rettung vorbereitet gewesen, doch mit dieser immensen Summe habe er nicht gerechnet. «Das hat mich schlicht umgehauen,» so der Alt-Bundesrat.

Halt den Antrag gestellt

Im Interview wird er auch an seine berühmt-berüchtigte Aussage erinnert, dass sich das Ausland am Bankgeheimnis die Zähne ausbeissen werde. Nur kurze Zeit danach, im März 2009, beantragte Merz dem Bundesrat, dass die Schweiz die erleichterte Amtshilfe in Steuersachen übernehme.

Zu jener Zeit hätten sich die Ereignisse einfach überschlagen, so Merz. Ihm sei unter anderem vom britischen Premierminister Gordon Brown, «mit dem ich es gut konnte», klar gemacht worden, dass eine gewisse Lockerung des Bankgeheimnisses unumgänglich sei. «Dann habe ich halt den Antrag gestellt.»

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Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

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Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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