Fintech: Der Hype weicht der Ernüchterung

Bezahl-App Twint

Bezahl-App Twint

An der Digitalisierung führt im Banking kein Weg vorbei – könnte man meinen. Doch erstaunlicherweise treibt der Trend die Schweizer Banken weniger um als noch vor zwei Jahren. Und das ist noch nicht alles.

Vor gut einem Jahr schrieb finews.ch, die Fintech-Bewegung in der Schweiz zeige Anzeichen eines Hypes. Und man würde nicht vermuten, dass die Hektik um die Digitalisierung des Finanzgeschäfts seither abgeklungen ist. So sind eine branchenweite Bezahl-App, virtuelle Filialen und eine auf Fintech-Angebote zugeschnittene Regulierung inzwischen Realität.

Das Swiss Banking, so scheint es, bewegt sich. Oder?

E-foresight, ein Think Tank für digitales Banking des Schweizer Telekomanbieters Swisscom, sowie Forscher des Kompetenzzentrums CC Sourcing der Universitäten Leipzig und St. Gallen (HSG) sind in einer Neuauflage der Studie «Fintech Services im Retailbanking» just dieser Frage nachgegangen.

Sie haben dazu 16 Retail-, Universal- und Privatbanken in der Schweiz befragt – und sind gegenüber den Antworten aus dem Jahr 2014 zu verblüffenden Erkenntnissen gelangt.

Weniger relevant

So stellten sie – anders als es zu erwarten gewesen wäre – keinen massiven Bedeutungszuwachs der Digitalisierung bei den Banken fest. Im Gegenteil.

Der Studie zufolge ist Relevanz des Themas bei den Instituten gegenüber 2014 eher noch gesunken. Ebenfalls haben die Schweizer Retailbanken die letzten zwei Jahre kaum genutzt, um angedachte Innovationen umzusetzen. «Der Umsetzungsgrad hinkt der Relevanz-Einschätzung in vielen Themen hinterher», stellen die Studienautoren lakonisch fest (siehe Grafik unten).

Stecken die Banker angesichts der enormen Umwälzungen einfach den Kopf in den Sand? Oder hat sie der pausenlose Fintech-Hype abgestumpft?

Eforesight Grafik 500

Heisse Bezahl-Apps

Falk Kohlmann, der in der Fintech-Szene bestens bekannte Leiter Banking Trends und Innovation bei der Swisscom, ist selber überrascht vom Studienresultat. Dennoch relativiert er: «Die Banken haben bezüglich des Trends einen stärkeren Realitätssinn entwickelt – sie wissen jetzt besser, was wichtig für sie sein könnte.»

Laut der Studie reagieren die Institute tatsächlich differenziert auf die Verheissungen von Fintech. Mobiles kontaktloses Bezahlen (die Branche stellt sich hinter die helvetische App Twint), Robo-Advisor, digitales Onboarding und Online-Hypotheken werden als sehr wichtig für die Zukunft eingeschätzt.

Social Trading und digitale Marktplätze fallen bei den Instituten hingegen durch.

Wichtige Trends aus dem Ausland geraten teils noch nicht mal auf den Radar, wie Experte Kohlmann feststellt. «Die Bedeutung des Messenger Based Payment, welches in China enorm verbreitet ist, wird hierzulande noch kaum erkannt», sagt er.

Halt bei der Filiale

Ebenso fällt auf, wie zögerlich die hiesigen Retailhäuser bei der Digitalisierung ihres «Gesichts» vorgehen – den Filialen.

Lediglich 26 Prozent der befragten Institute haben einen Entwurf für die Neuausrichtung ihres Filialnetzes erarbeitet, um dem Einfluss digitaler Technologien Rechnung zu tragen, so die Studie. Und ganze 78 Prozent der Banken haben nicht vor, vollständig zu digitalisieren und das physische Front-Office abzuschaffen.

«Das mag politische Gründe haben, aber auch daran liegen, dass die Schweizer Kundschaft noch nicht so weit ist», schätzt Kohlmann.

Die Rechnung geht nicht auf

Zudem können die meisten Banker gut rechnen. Und erkennen dabei rasch einmal, dass die Gleichung mit der Digitalisierung für sie vorerst nicht aufgeht. Denn der Aufbau von Fintech-Diensten fordert Investitionen, während auch im traditionellen Geschäft die Kosten tendenziell steigen.

Da wiegt folgender Studien-Befund schwer: Lediglich 26 Prozent gaben an, dass sie höhere Umsätze mit Kunden generieren, die sowohl Online- als auch Offline-Kanäle nutzen als mit solchen, die mit nur Offline mit der Bank agieren.

Der Kunde befiehlt

Das alles mahnt Banker zur Vorsicht. Allerdings können sie sich dem Wandel auch nicht einfach entziehen, wie die Studie feststellt. Hierzulande waren die Banken lange durch ihr Geschäftsmodell und die geringe Grösse des Marktes vor branchenfremder Konkurrenz geschützt. Doch diese Schranken erodieren in der virtuellen Welt zunehmend – und am Ende machen die Kunden Druck.

Die Studienautoren schreiben wohl ganz richtig: «Durch den Komfort fortgeschrittener Digitalisierung und eines einheitlichen Kundenerlebnisses in einigen Industrien erwarten die Kunden dasselbe Niveau
 auch von anderen Branchen – die Bankenindustrie mit eingeschlossen.»

Webinar: Am Montag, 26. September von 12.00 bis 13.00 Uhr fassen die Studienautoren von E-foresight und CC Sourcing die wichtigsten Erkenntnisse in einem Webinar zusammen. Hier geht’s zur Anmeldung.

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NEWS GANZ KURZ

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

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