«Service und Performance immer wichtiger»

Julius-Bär-CEO Boris Collardi will keine Bank mit mehrheitlich italienischen Kundengeldern kaufen. In der Schweiz sind Akquisitionen aber eine Option.

Boris Collardi hofft, dass die EU und die Schweiz im Verlauf der nächsten zwei bis drei Jahre eine Abgeltungssteuer aushandeln, die dann für fünf bis zehn Jahre hält. Kommt eine solche Vereinbarung zustande, könnte das Schweizer Bankgeheimnis als Schutz der Privatsphäre bewahrt werden.

Allerdings kämen dem Service und vor allem der Performance künftig viel mehr Bedeutung zu. Dies sagte Boris Collardi an einer Investorenkonferenz des Brokerage- und Research-Unternehmens Helvea in Bad Ragaz.

ING-Gelder mehrheitlich aussereuropäisch

Eine Abgeltungssteuer hält Helvea-Analyst Peter Thorne für «optimistisch». Er schliesst eine solche «kurzfristige und pragmatische» Lösung allerdings nicht aus, doch nur «auf dem Weg zu einem europaweiten Informationstausch». Dies würde jedoch die Schweiz um einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil bringen.

Wie auch immer die Lösung in den nächsten Jahren ausfalle, Julius Bär werde weiter investieren müssen, und der «Newsflow» rund um die Bankgeheimnis-Debatte werde kurzfristig wenig förderlich sein für die Entwicklung der Julius-Bär-Aktie, so Thorne.

Im Zuge der europaweiten Konsolidierung im Private Banking übernahm Julius Bär im vergangenen Jahr ING (Schweiz). Nun gab Boris Collardi bekannt, dass mehr als die Hälfte der Kundengelder bei dieser Bank von ausserhalb Europa kämen, namentlich aus dem Nahen Osten, Lateinamerika und Osteuropa. Wären die Assets zu 70 Prozent aus Belgien gekommen, hätte Julius Bär den Kauf nicht getätigt.

Gewinnschwelle erst in Singapur erreicht

Mit Blick auf den asiatischen Wachstumsmarkt hofft Collardi, dass die Kundengelder aus dieser Region in drei bis fünf Jahren einen Anteil von 30 Prozent am Gesamtvolumen machen werden. Gemessen an den gesamten verwalteten Vermögen von Julius Bär machen die asiatischen Depots derzeit erst 12 Prozent aus.

Wie weiter zu erfahren war, ist für Julius Bär die Region Asien erst im grössten Markt, nämlich in Singapur, «break-even». Auch hier sind weitere Investionen nötig, um die Marke noch bekannter zu machen und die Profitabilität zu steigern, beurteilt Peter Thorne. Doch kurzfristig sei dies kaum zu bewerkstelligen.

Anspielung auf BSI?

Akquisitionen in der Schweiz schliesst Collardi ebenfalls nicht aus, zumal es dauernd Opportunitäten gebe. Allerdings würde er eine Bank mit einer Kundenbasis, die zu 80 Prozent italienischer Herkunft wäre, auf keinen Fall kaufen. Diese Aussage dürfte im Zusammenhang stehen mit den kürzlichen Gerüchten, wonach die Generali-Tochter BSI zum Verkauf stehe.

Helvea bewertet die Aktie derzeit mit «neutral» und hat ein Kursziel von 40.80 Franken; aktuell notiert der Titel bei 37.69 Franken.

Offene Stellen bei der Bank Julius Bär finden sich unter diesem Link.

 

 

 

 

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

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Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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