«Unser Finanzplatz muss sich nicht verstecken»

Der Zugang zu Bankkrediten ist für Unternehmer schwieriger geworden. Das bietet Firmen wie Wineus Chancen, sagt CEO Yves Cheridito gegenüber finews.ch.

Herr Cheridito, was ist unter ‹Entrepreneurial Finance› zu verstehen?

Mit dem Wort «Finance» werden die drei Haupt-Geschäftstätigkeiten M&A-Transaktionen, Finanzierungen und Investitionsberatung von Wineus beschrieben. Unter dem Ausdruck «Enterpreneurial» verstehen wir dreierlei: Erstens arbeiten wir vor allem für Unternehmer. Zweitens arbeiten wir selber unternehmerisch. Das heisst, dass wir als kleinere, spezialisierte M&A-Boutique in der Lage sind, für jeden einzelnen Kunden massgeschneiderte Lösungen zu kreieren.

Überdies lassen wir uns in den meisten Projekten unternehmerisch entschädigen. Wir verdienen nur dann etwas, wenn der Kunde zu «seinem» Erfolg gelangt. Und drittens ist Wineus selber vollständig im Besitz seiner leitenden Angestellten, weshalb wir die Anliegen von Unternehmern aus eigener Erfahrung kennen und verstehen.


«Billiges Geld treibt das M&A-Geschäft an»


Wie hat sich das M&A-Geschäft in den letzten Monaten entwickelt?

Das M&A-Geschäft, das wir vor allem in der Schweiz und im nahen Ausland bestens kennen, hat in den letzten Monaten wieder leicht zugenommen. Dies allerdings von einem relativ tiefem Niveau ausgehend.

Welches sind die Treiber in Ihrem Geschäft?

Einerseits die weiter zunehmende Konsolidierung in vielen Branchen. In bestimmten Sektoren gibt es zwischen den Giganten wieder Platz für Nischenplayer mit innovativen Geschäftsmodellen. Man denke beispielsweise an die vielen kleinen Medtech- und Biotech-Gesellschaften. Haben diese Erfolg, werden sie häufig durch grosse Player gekauft.

Andererseits wird das M&A-Geschäft auch immer noch getrieben durch das relativ billige Geld von Finanzierungspartnern und den teilweise hohen Liquiditätsbeständen grosser Firmen, die als Käufer auftreten. Dies zunehmend auch von Käuferschaften aus dem Osten, sei dies aus dem arabischen Raum oder aus China.


 «Wir müssen die Sprache des Kunden übersetzen»


Und welche Rolle spielt da der Zugang zu den Finanzierungen?

Haupttreiber bei Finanzierungsprojekten sind der schwierigere direkte Zugang von unseren Kunden zu den klassischen Finanzierungspartnern wie Banken. Auf Grund einer stetig steigenden Professionalität auf der Analyse-Seite der Finanzierungspartner sowie dem ebenfalls dauernden Anstieg von regulatorischen Anforderungen für Banken, wie beispielsweise Eigenmittelanforderungen, wird ein Kreditgesuch heute nicht mehr einfach «durchgewinkt», sondern muss seriös vorbereitet, dokumentiert und den hohen Anforderungen von Banken genügend aufbereitet werden.

Häufig geht es für uns auch darum, die Sprache eines Kunden, er spricht beispielsweise von Innovationsschritten, grossen Projekten in Indien und strategischen Partnerschaften, in die Sprache des Kreditgebers zu übersetzen. Dieser will wissen, wie sich diese Strategien in einem sauberen Business-Plan auf die Erfolgsrechnung, die Bilanz und das Cashflow-Statement auswirken.

Und da haben die Unternehmer trotzdem noch Zeit, über Anlagemöglichkeiten ausserhalb ihres Stammgeschäfts nachzudenken?

Ja, sogar zunehmend. Der Haupttreiber beim Investitionsberatungsgeschäft ist, dass viele vermögenden Kunden heute wieder etwas «Realeres» in ihrem Portefeuille haben wollen als ein Index-Derivat, ein ETF-Fondspapier oder ein anderes, schwer fassbares Finanzinstrument.

Wir sehen zunehmend wieder eine Begeisterung, sich an Gesellschaften aktiv zu beteiligen, sich auch über eine gewisse Berater- oder Verwaltungsratstätigkeit in diesen Gesellschaften einzubringen und damit am Schluss auch zu wissen, wo das Geld investiert ist und was damit passiert.


«Der Risikoappetit ist deutlich unter dem Niveau von vor der Krise»


Welche Art von Investments werden von Unternehmen zurzeit am meisten gesucht?

Das hängt stark vom Unternehmen ab, das sucht, und von der Branche. Grundsätzlich ist der Risikoappetit immer noch deutlich unter dem Niveau von vor der Krise. Damit kommen Unternehmen mit einem reduzierten Risikoprofil – ansprechender Cashflow, stabiles erfahrenes Management, innovative und/oder patentgeschützte Produkte oder Dienstleistungen – sicherlich immer noch sehr gut an bei Firmen, die auf der Buyside stehen.

In welcher Grössenordnung bewegen sich die Deals, in denen Wineus eine zentrale Rolle spielt?

Typischerweise im Bereich von 5 Millionen Franken bis 100 Millionen Franken Equity Value.


«Die Weissgeldstrategie wird einiges verändern»


Wie präsentiert sich die Situation in der Finanzbranche?

Auch da wird der Konsolidierungstrend weitergehen. Zudem ist das Umfeld für viele Akteure in der Finanzbranche aus verschiedenen Gründen härter geworden. Das zwingt Schwächere unter die Flügel von Stärkeren. Die klassische Vermögensverwaltung, die gerade im Ausland immer mit einer Schwarzgeld-Strategie in Verbindung gebracht wird, dürfte diese Verschärfung wohl noch am meisten spüren. Die zunehmende Regulierung der Branche wird diesen Wandel zusätzlich beschleunigen.

Erwarten Sie, dass die von der Schweiz verfolgte Weissgeldstrategie die Strukturen auf dem hiesigen Bankenplatz verändern wird?

Natürlich wird sie die Strukturen verändern. Alte Geschäftsmodelle werden teilweise nicht mehr funktionieren.


«Wir machen uns selber fertig»


Welche Massnahmen sind nötig, damit der Schweizer Finanzplatz seine Bedeutung im internationalen Geschäft bewahren oder gar stärken kann?

Das Schweizer Banking ist eines der effizientesten der Welt. Das Know-how in der Branche ist enorm. Man muss sich dessen nur wieder bewusster werden und die Leistungen, die Effizienz und die Professionalität der Schweizer Finanzdienstleister auch mit Gesellschaften im Ausland vergleichen.

Wir haben in der Schweiz häufig eine zu stark nach innen gerichtete Mentalität, so dass wir uns auf Grund unserer Probleme selber fertig machen, anstatt unsere Stärken hervorzuheben. Wenn Sie je ein Bankkonto in Italien oder in Spanien aufmachen wollten, dann wissen Sie, dass sich der Schweizer Finanzplatz überhaupt nicht verstecken muss.


«Ich sehe grosses Unternehmertum im Hintergrund»


Wie schätzen Sie das Unternehmertum in der Schweizer Finanzbranche ein?

Es stehen nicht mehr viele Unternehmer hinter den grossen Firmen in der Schweizer Finanzbranche. Dies ist aber vor allem auch auf die Grösse der bekannten Finanzkonzerne zurückzuführen. Wenige Privatpersonen könnten sich ein substanzielles Aktienpaket an einer grossen Bank oder Versicherung in der Schweiz überhaupt leisten. So sind diese grossen Player nun heute halt eher «Manager-geführt», und keine grossen starken Aktionäre amten mehr als Kontrollorgane der Führungsriege.

Bei vielen kleinen, teilweise sehr innovativen Gesellschaften in der Finanzbranche sehen wir jedoch häufig grosses Unternehmertum im Hintergrund am Wirken.

Worauf beruht das Geschäftsmodell der bislang eher wenig bekannten Wineus?

Sicherlich auf unserem Verständnis der ‹Enterpreneurial Finance›: Der Anspruch, jeden Kunden mit einer massgeschneiderten Lösung zu bedienen und nicht nachzugeben, bis der Kunde das erreicht hat, was er will. Und dann auf unserer Entschädigungsstruktur, die mit dem Erfolg des Kunden synchronisiert ist.

Der Erfolg beruht aber insbesondere auch auf einem Team von Mitarbeitern, die alle sehr gut ausgebildet sind und ein starkes Netzwerk haben. Das alles zusammen führt zu zufriedenen Kunden. Das ist aus unserer Sicht die effizienteste und nachhaltigste Werbung für Wineus.


Cheridito_Yves_klDer 40-jährige Yves Cheridito hat an der Universität Zürich Wirtschaft studiert. Für seine Arbeit «Valuation of Brands» wurde er mit dem Doktortitel ausgezeichnet. Daneben ist er auch Inhaber des Chartered Financial Analyst (CFA) Diploms.

Im April 1999 trat er in das Wirtschafts- und Beratungsunternehmen PwC in Zürich ein, wo er im Bereich Corporate Finance & Valuations in verschiedenen Positionen, zuletzt als Direktor, als Berater fungierte. Zwischendurch, von Juli 2004 bis Februar 2006, sammelte er als Senior Manager Erfahrungen in der PwC-Niederlassung in Sydney, Australien.

Im August 2008 wechselte Yves Cheridito zu Wineus, einer in Zürich ansässigen Unternehmensboutique mit Aktivitäten in den Bereichen Mergers & Acquisitions, Finanzierungsprojekten und Investment Advisory. 

 

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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