Muss man das Schweizer Gold wirklich retten?

Die Schweiz ist ein kleines Land mit acht Millionen Einwohnern. Und doch könnte dies ausreichen, um das Leben von sieben Milliarden Personen durch ein potenziell neues Gesetz enorm zu beeinflussen.

Laurent Bakhtiari, Marktanalyst bei der IG Bank

Die Schweizer werden am 30. November 2014 über die «Rettet unser Schweizer Gold» genannte Volksinitiative abstimmen. Dieser Vorstoss, der von der SVP stammt, besteht aus drei Punkten. Zum einen sollen die Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) unverkäuflich sein; zweitens sollen diese in der der Schweiz gelagert werden und zu guter Letzt darf der Goldanteil der SNB die Marke von zwanzig Prozent nicht unterschreiten.

Diese Massnahmen scheinen sehr strikt. So strikt, dass die SNB selbst, die sich in der Regel eher diskret gegenüber öffentlichen Anliegen gibt, ihr Schweigen gebrochen hat, um für ein Nein zu plädieren.

Währungspolitische Probleme

Zunächst ist der Titel der Initiative überraschend: Man soll «das Schweizer Gold retten». Aber ist das Gold der SNB wirklich in solcher Gefahr, dass es gerettet werden muss? Seit 2009 hat sich der Goldanteil der SNB kaum im absoluten Wert (von 38.2 Milliarden Franken auf 38.8 Milliarden Franken im September) verändert.

In der Zwischenzeit haben der Wechselkurs und der Preis der Feinunze sich kaum verändert. Ausserdem wirft der von den Initianten geforderte 20-prozentige Goldanteil in der SNB-Bilanz einige währungspolitische Probleme auf: So hat beispielsweise der Goldanteil in den vergangenen Jahren von 18 Prozent auf 8 Prozent der Aktiva abgenommen.

Drohender Dominoeffekt

Dies geschah nach der Einführung des Mindestkurses von 1.20 Franken pro Euro. Wäre dieses Gesetz schon damals in Kraft gewesen, hätte man nicht weniger als 2'000 Tonnen Gold kaufen müssen. Das hätte allerdings erhebliche Störungen im weltweiten Goldmarkt zur Folge gehabt. Und das mit einem gehörigen Dominoeffekt: Denn mit dem Wissen, dass das Gold in Dollar notiert, hätte man mit Franken Dollar kaufen müssen, um das Gold zu erwerben. 

Würde sich die Kaufkraft des Dollar jedoch schmälern, würde das in Franken bewertete Gold Schaden nehmen. Und der Goldanteil der SNB würde sich somit senken. Somit wäre es am Ende auch notwendig, einen Mindestkurs pro Dollar einzuführen. Schliesslich könnten die Spekulanten genau auf diesen Punkt wetten.

Faktor Unverkäuflichkeit

Wenn der Goldkurs nämlich einbrechen sollte, würden Anleger wissen, dass das 20-prozentige Niveau bricht, und die SNB diesen Level per Gesetz halten muss. Der Markt würde also einen Mindestkurs pro Gold kreieren, ohne Begründung irgendwelcher wirtschaftlicher Aspekte. Die SNB würde sich einmal mehr im Mittelpunkt des Geschehens befinden.

Wenn wir dieser Situation den Faktor der Unverkäuflichkeit hinzufügen, werden die Dinge noch komplexer. In einem Markt mit einer grossen Volatilität wäre die SNB gezwungen ihre Goldbestände kontinuierlich anzupassen, um das vorgeschriebene Niveau von 20 Prozent zu halten. In einem Szenario fallender Preisen wäre die SNB also gezwungen, weiteres Gold nachzukaufen.

Keine Dividende, kein Zins

Würde im weiteren Verlauf der Goldpreis wieder steigen, hätte dies zur Folge, dass die Goldbestände der SNB 20 Prozent der Bilanzsumme gingen. Je nachdem wie stark ein Preisverfall des Goldes und eine darauffolgende Erholung ausfallen würden, könnte dies dazu führen, dass die SNB einen Goldanteil von 30, 50 ,70 oder sogar 90 Prozent halten würde!

Ausserdem bringt Gold keine Dividende und auch keinen Zins. Zudem gibt die SNB den Bilanzgewinn, der die Dividendenausschüttung übersteigt, an die Kantone weiter. Also wäre es komplizierter für die SNB einen Profit zu erzielen und somit würde die gesamte Schweiz verlieren.

Währungsstabilität nicht mehr garantiert

Zusätzlich dazu kommen noch die Schwierigkeiten der Lagerung und der daraus resultierenden Kosten. Zum Schluss steht noch die Problematik der Anpassungen der Aktiva der Bilanz der Notenbank aus. Wie könnte die SNB eine effektive Währungspolitik betreiben, um die notwendige Stabilität zu garantieren, wenn keine Anpassungen möglich wären?

Wenn man Gold nicht bedarfsmässig kaufen und wieder verkaufen kann, wie sollte man dies dann als Fluchtwährung nutzen können? Es würde nur zwei Lösungen geben: entweder die SNB verzehnfacht seine Bilanz, oder sie könnte die Währungsstabilität nicht mehr garantieren.

Die Lagerung in der Schweiz ist ein sehr überraschender Punkt, weil das gebundene Risiko höher ist, wenn die Aktiva an einem einzigen Ort gelagert sind. Um dieses Risiko zu veranschaulichen, sollte man sich einen Milliardär vorstellen, der sein gesamtes Vermögen in einer Bank hält.

Rein politische Initiative

Die SNB hat vor kurzem die Liste ihrer Goldbestände ausserhalb der Schweiz veröffentlicht. Sie hält 20 Prozent ihres Goldes bei der kanadischen und 10 Prozent bei der englischen Notenbank. Die zwei Länder sind extrem stabil und sicher. Der Rest bleibt in der Schweiz.

Diese Initiative ist also eine rein politische, da es aus ökonomischer Sicht ein Desaster wäre, diese anzunehmen. Ironie der Geschichte: Ende 2013 hatte die Mehrheit der Kantone vorhergesehen, dass die SNB eine Dividende auszahlen würde. Jedoch erzielte die Notenbank nicht genug Profit, wegen... eines Rückgangs des Goldpreises.

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MARKTANALYSEN - AUTOREN

Andreas Ruhlmann

Andreas Ruhlmann sammelte nach seinem Finanzstudium in Kanada zunächst berufliche Erfahrung bei der Saxo Bank und der National Bank of Canada, bevor er 2014 zur IG Bank wechselte. In der Schweiz verstärkt er nun mit seiner Expertise, speziell in den Forex- und Aktienmärkten, das Team für die Kundenbetreuung. Zusätzlich verfasst er Marktkommentare sowie makroökonomische Einschätzungen und bietet Ausbildungsseminare rund um die Themen Handel, technische Analyse und Handelspsychologie an. Twitter @ARuhlmann_IG


Laurent Bakhtiari

Laurent Bakhtiari verfügt über einen Masterabschluss in Finanzen von Audencia Nantes und einen Masterabschluss in quantitativer Mathematik des Imperial College London. In den vergangenen acht Jahren arbeitete er in den Handelsräumen von Merrill Lynch und der Credit Suisse. Von April 2014 bis Juli 2016 war er bei der IG Bank als Marktexperte und Premium Client Manager tätig.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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