London: «Wo sich Terrorfinanzierung und Geldwäscherei überlagern»

London©Shutterstock

Nur zu gerne nehmen angelsächsische Medien den Schweizer Finanzplatz als Fluchtburg für schmutziges Geld aufs Korn. Ein offizieller Bericht zeigt nun, dass «in Grossbritannien mehrere Milliarden Pfund aus illegalen Aktivitäten gewaschen werden».

Es sind deutliche Worte, welche die Spezialisten des britischen Innen- und Finanzministeriums zu den Vorgängen am grössten Bankenplatz der Welt finden. «Die Grösse und Komplexität des britischen Finanzsektors führen dazu, dass er durch kriminelle Machenschaften stärker gefährdet ist als viele andere Finanzplätze weltweit», stellen sie fest.

Und: Das Vorgehen der britischen Polizei insbesondere gegen Geldwäscherei sei «schwach».

Unter den Tisch gekehrt

Zu diesen harschen Schlüssen kommen die Behörden im Rahmen der ersten landesweiten Untersuchung zu den Risiken der Geldwäscherei und der Terrorfinanzierung. Die Erkenntnisse jenes «National Risk Assessment» (NRA) sind in einem Grundlagen-Papier erfasst und kürzlich veröffentlicht worden.

Damit gerät ins Rampenlicht, was angelsächsische Finanzakteure und nicht zuletzt die dortigen Medien gerne unter den Tisch kehren: Dass auch die britische Finanzbranche äusserst verwundbar für illegale Aktivitäten ist, namentlich der White-Collar-Kriminalität.

Milliarden gewaschen

Die Spezialisten des Finanzministerien schätzen, dass «mehrere Milliarden Pfund aus illegalen Aktivitäten in Grossbritannien gewaschen werden». Das bereitet dem Staat insbesondere bei der Bekämpfung von Terroristen einiges Kopfzerbrechen.

Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) schätzen den Umfang der Geldwäscherei im Vereinigten Königreich auf bis zu 57 Milliarden Pfund, umgerechnet 84 Milliarden Franken. Letzten März prangerte etwa die Organisation Transparency International den Londoner Immobilienmarkt als «Heimat des korrupten Geldes» an.

Klare Hinweise auf Terrorfinanzierung

«Geldwäscherei und Terrorfinanzierung überlagern sich in bedeutendem Ausmass», mahnt der Bericht. Es gebe klare Hinweise auf Terrorfinanzierung in Grossbritannien, was eine «ernsthafte Bedrohung» für die nationale Sicherheit darstelle.

Die Untersuchung deckte dabei «bedeutende Wissenslücken» auf Behördenseite auf insbesondere was die «High-End-Geldwäsche» betreffe. Diese sei im Bereich von Korruption und grossen Betrugsdelikten verbreitet, die inkriminierten Gelder würden dabei über Konti, Immobilien und Investments geschleust.

Trusts unter der Lupe

Die britische Polizei ist nun offenbar bemüht, die «blinden Flecken» zu tilgen. Sie will mehr über die Rolle der Banken, Anwälte, Buchhalter und der Anbieter von Trust-Dienstleistungen wissen, stellt der Bericht fest. Die Behörden gingen davon aus, dass die Risiken in diesem Sektor beträchtlich seien. Entsprechend brauche es die Fähigkeit, jene Gefahren besser einzuschätzen.

Das bedeutet nichts anderes, als dass sich britische Finanzdienstleister bald unter verstärkte Beobachtung geraten werden. Der Untersuchungsbericht hat dazu bereits Vorschläge parat.

Kontroverse in der «City»

So sollen insbesondere die Schwachstellen bei der Verfolgung der «High-End-Geldwäscherei» geschlossen werden. Dazu sei nicht nur die behördliche Ermittlung auszubauen, sondern auch die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor zu verstärken, empfiehlt das Papier.

In der Londoner «City» hat das Papier bereits allerhand Kontroversen ausgelöst. Einzelne Branchenvertreter stellten sich dort auf den Standpunkt, dass die Geldwäscherei-Gesetze in Grossbritannien zu den strengsten überhaupt gehörten. Eine Argumentation, die man aus Schweizer Geldwäscherei-Skandalen bestens kennt.

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Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

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UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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