EU: Nun droht auch Schweizer Tochterbanken der Boni-Deckel

Europäische Bankenaufsicht (EBA)

Europäische Bankenaufsicht (EBA)

Noch ein Jahr, dann müssen neue Vergütungsrichtlinien für Banker im EU-Raum umgesetzt sein. Das droht für die Niederlassungen Schweizer Institute enorm teuer zu werden.

Als vor zwei Jahren die Diskussion um die Umsetzung so genannter «Boni-Deckel» in der EU begann, war wohl manch hiesiger Banker froh, seinen Lohn in Franken ausbezahlt zu erhalten. Doch wie sich nun zeigt, kommen zumindest die Schweizer Banken in der Sache nicht ungeschoren davon.

Denn ab 2017 gelten für deren europäische Niederlassungen ebenfalls die von der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) kürzlich veröffentlichten Richtlinen zur Handhabung der Vergütungspraxis bei Banken und Finanzdienstleistern, basierend auf auf der EU-Richtlinie CRD IV.

Ein Super-GAU?

Was kryptisch klingt, hat handfeste Folgen. Die auf Vergütung spezialisierte hkp group geht von einem mehrstelligen Millionen-Euro-Betrag aus, der mit der Umsetzung auf die innerhalb der EU operierenden Auslandsbanken zukommt. «Wenn die Regierungen der EU-Mitgliedsländer in der nationalen Umsetzung nicht Augenmass und Sachverstand walten lassen, steht die jeweilige Finanzwirtschaft vor dem regulatorischen Super-GAU», warnt Martin Pfändler, Senior Partner der hkp in der Schweiz.

Bisher, sagt Pfändler im Gespräch mit finews.ch, hätten die Bonus-Deckel für die Niederlassungen von Schweizer Banken nicht gegolten. Mit der jetzigen Verschärfung und vor allem deutlichen Ausweitung der Richtlinien habe sich das nun grundlegend geändert – und zahlreiche neue Regeln kämen hinzu.

«Der Kreis betroffener Institute vergrössert sich dramatisch und schliesst jetzt auch Niederlassungen Schweizer Finanzinstitute in der EU ein», so Pfändler.

Erhebliche Verschärfungen

Konkret sehen die neuen «guidelines on sound remuneration policies and disclosures» der EBA eine deutliche Ausweitung des von der Regulierung betroffenen Kreises an Banken und Finanzdienstleistern sowie der dort tätigen Mitarbeitergruppen vor. Alle Institute in EU-Ländern müssen Risikoträger identifizieren und für diese komplexe Mindestanforderungen an Vergütung erfüllen.

So gilt neu:

  • Mindestens 40 Prozent der variablen Vergütung müssen aufgeschoben und dürfen nicht direkt ausbezahlt werden.
  • Der Aufschub muss mindestens drei Jahre betragen, und eine Auszahlung darf erst am Ende nach einer Malus-Prüfung erfolgen.
  • Mindestens 50 Prozent der gesamten variablen Vergütung muss in einer detailliert geregelten Nachhaltigkeits-Komponente begeben werden.
  • Alle variablen Vergütungen – auch Kleinstbeträge – sind betroffen.

Eine weitere Verschärfung ist die Vorschrift, variable Bezüge von Geschäfts- und Bereichsleitern in einem grösseren Anteil von nachhaltigen Vergütungs-Instrumenten zu gewähren. Dazu zählen aktienbasierte, aktienähnliche sowie schuldbasierte Instrumente. Auch diese Anforderungen seien extrem komplex in der Umsetzung, so die Beratungsfirma hkp.

Wen es trifft

Schweizer Banken mit Niederlassungen in der EU sehen sich die neue Richtlinie denn auch genau an. So hat sich etwa Julius Bär bereits mit dem Thema auseinandergesetzt, wie die Zürcher Privatbank auf Anfrage von finews.ch ausrichten lässt. Ein spezielles Augenmerk richte man auf die Ausweitung des Kreises betroffener Institute, heisst es dort. 

Bei der Zürcher und St.Galler Kantonalbanken klingt es ähnlich. Man prüfe derzeit die Auswirkungen der EU-Richtlinie auf die Geschäftsstellen im EU-Raum. Aus heutiger Sicht geht das St.Galler Institut nicht davon aus, dass sich für sie die Rekrutierung qualifizierter Arbeitskräfte erschweren werde, so die SGKB. 

Auch die Lobby in Deutschland tastet sich erst an das Thema heran. «Derzeit ist die Beurteilung schwierig, welche Konsequenzen die neue Richtlinie in Deutschland und insbesondere bei den Auslandsbanken hier hat», heisst es beim Verband der Auslandsbanken (VAB) in Deutschland.

Risiken und Nebenwirkungen

Dennoch wird es interessant zu beobachten sein, welche Fliehbewegungen die neuen Regeln bei den EU-Filialen von Schweizer Banken auslösen. Laut Pfändler wäre etwa denkbar, dass die von den Regeln betroffenen Führungs-Positionen in andere Jurisdiktionen ausgelagert werden – und dass die Banken ihre EU-Filialen von dort aus lenken.

Die Einführung von Bonus-Deckeln für gewisse europäische Banken hatte seinerzeit schon zu von den Regulatoren unbeabsichtigten Reaktionen geführt. Wie etwa die Schweizer «NZZ» im Jahr 2014 berichtete, antworteten die Banken in der EU mit höheren Obergrenzen für die variablen Vergütungen. Ausserdem heben sie die Fixlöhne von Mitarbeitern an – und führten die Deckel so ad absurdum.

 

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NEWS GANZ KURZ

Banque Profil de Gestion

Die Genfer Privatbank hat im ersten Halbjahr 2016 wiederum einen kleinen Gewinn erzielt: Nach 100'000 Franken im Vorjahr waren es diesmal 30'000 Franken mehr. Operativ gab es ein Plus von 260'000 Franken nach einem Verlust ein Jahr davor. Vor allem das Zins- und das Handelsergebnis legten deutlich zu, derweil das Kommissionsergebnis stagnierte.

Thurgauer Kantonalbank

Die Thurgauer Kantonalbank (TKB) hat das US-Steuerprogramm abgeschlossen, ohne eine Zahlung leisten zu müssen. Die TKB war in der Kategorie 3 des Programms. Sie hat nun vom amerikanischen Justizdepartement (DoJ) einen Non-Target Letter erhalten, womit das Programm abgeschlossen ist.

Walliser Kantonalbank

Das Staatsinstitut hat im ersten Halbjahr 2016 sowohl ein leicht höheres operatives Ergebnis als auch etwas mehr Gewinn verzeichnet. Im wichtigen Zinsen-Geschäft stieg der Bruttoerfolg um 1,8 Prozent auf rund 80 Millionen Franken. Für das Gesamtjahr erwartet die Kantonalbank weiterhin einen Gewinn auf der Höhe des Vorjahres.

VP Bank

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat das «A–»-Rating für die VP Bank bestätigt und erhöht den Ausblick von «Negative» auf «Stable». Damit würden die operativen Fortschritte der VP Bank und die Bewirtschaftung der Risiken sowie die starke Kapitalausstattung und die erfolgreiche Integration der Centrum Bank berücksichtigt, hiess es.

Clientis Bank im Thal

Die Regionalbank hat den Halbjahresgewinn im Vergleich zum Vorjahr deutlich um über 30 Prozent auf 385'000 Franken gesteigert. Dazu beigetragen hat das gute Zinsengeschäft mit einem Plus von 11,4 Prozent auf 2,1 Millionen Franken.

Crealogix

Das Bankenberatungszentrum St. Gallen und Crealogix haben eine Partnerschaft für die betriebliche Aus- und Weiterbildung im Finanzbereich beschlossen: Mit der Lösung «I know! Banking» bieten die beiden Unternehmen eine Cloud-Lösung mit digitalen Lerninhalten zu den wichtigsten Themen im Banking an.

Compagnie Financière Tradition

Das Lausanner Brokerhaus hat im ersten Semester 2016 einen stabilen Ertrag von 425 Millionen Franken erzielt. Zu konstanten Wechselkursen entspricht dies allerdings einem Rückgang um 1,6 Prozent.

Urner Kantonalbank

Das Finanzinstitut hat im ersten Halbjahr 2016 trotz besserem Geschäftsgang weniger Gewinn gemacht. Dieser sank um 7,5 Prozent auf 8,5 Millionen Franken. In der Vorjahresperiode hatte die Bank ausserordentlich vom Verkauf ihrer Swisscanto-Beteiligung profitiert. Im Zinsengeschäft gab es ein Plus von 13,8 Prozent auf knapp 17 Millionen Franken. Per Ende Jahr erwartet das Management ein Ergebnis über Vorjahr.

UBS

Die Grossbank UBS ist noch vor dem IT-Riesen Google der beliebteste Arbeitgeber für Schweizer Hochschul-Absolventen, wie das Beratungsunternehmen Trendence berichtete. Die Banken bleiben die beliebteste Branche der Wirtschafts-Wissenschaftler: Neben der UBS befinden sich die Credit Suisse, die Schweizerische Nationalbank und Julius Bär unter den Top 20 der gesuchtesten Arbeitsadressen.

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