Vermögensverwalter gehen in die Defensive

(Bild: Shutterstock)

Seit den weltweiten Börsenturbulenzen von Anfang Jahr hat sich die Stimmung unter den unabhängigen Vermögensverwaltern in der Schweiz verschlechtert. So wirkt sich das auf die Anlagestrategie aus.

Trotz weiterer geldpolitischer Lockerungsmassnahmen in Europa erwarten viele Fachleute keine kurz- oder gar mittelfristige Erholung mehr. Entsprechend richten die unabhängigen Vermögensverwalter ihre Portefeuilles wieder defensiver aus.  

Dies geht aus dem neusten Aquila Vermögensverwalter Index (AVI) hervor, den die Schweizer Aquila-Gruppe alle drei Monate in Zusammenarbeit mit finews.ch publiziert. Der Index fasst verschiedene Prognosen von unabhängigen Vermögensverwaltern in der Schweiz zusammen. An der jüngsten Umfrage beteiligten sich 160 Personen.

Die Zahl der Vermögensverwalter, die eine deutlich schlechtere Börsenstimmung erwarten, hat sich signifikant erhöht. So gehen beim Swiss Market Index (SMI) nun 39 Prozent der Befragten von fallenden Kursen aus, während es vor drei Monaten erst 15 Prozent gewesen waren.

Umgekehrt rechnen nur noch 43 Prozent der Umfrageteilnehmer mit steigenden Börsen; vor drei Monaten waren es noch 66 Prozent gewesen.

Fallende Notierungen

Auch beim EuroStoxx50, der von den geldpolitischen Massnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) am meisten profitiert, rechnen 44 Prozent der Befragten mit fallenden Notierungen im zweiten Quartal 2016; vor drei Monaten waren es erst 23 Prozent gewesen.

Mit höheren Kursen rechnen bloss noch 35 der Umfrageteilnehmer; in der vorangegangenen Periode waren es noch 52 Prozent gewesen.

Vorsichtige Amerikaner

Selbst in den USA, wo die wirtschaftliche Entwicklung klar besser ist als in Europa, sind die Erwartungen negativ: Beim S&P500 gehen inzwischen 41 Prozent der Befragten von rückläufigen Kursen aus. Vor drei Monaten waren es erst 17 Prozent gewesen (vgl. nachfolgende Grafik).

SP500 500 kopie

Mit Blick auf die Zinsentwicklung gehen 54 Prozent der Befragten von gleichbleibenden Zinsen bei den 10-jährigen US-Staatsanleihen aus, während es vor drei Monaten noch 63 Prozent gewesen waren.

Demgegenüber hat sich mit Blick auf Deutschland die Zahl jener Personen erhöht, die sinkende Zinsen bei den 10-jährigen Staatsobligationen erwarten; es sind 33 Prozent gegenüber 25 Prozent im Vorquartal.

Schweizer Zinsen zweitrangig

Mehr oder weniger unverändert präsentiert sich demgegenüber die Situation in der Schweiz: 61 Prozent der Befragten erwarten diesbezüglich keine Änderung; im ersten Quartal 2016 waren es 69 Prozent gewesen. Viele unabhängige Vermögensverwalter orientieren sich an der Entwicklung in der Euro-Zone sowie in den USA (vgl. nachfolgende Grafik).

Zinsen Schweiz 500

Euro im Aufwind

Bei den Währungen erwarten die befragten Vermögensverwalter einen stabileren Euro gegenüber dem Dollar, eine Abwertung des «Greenback» gegenüber dem Franken sowie einen leicht stärkeren Euro im Vergleich zur Schweizer Währung (vgl. nachfolgende Grafik).

Wahrungen 500

Defensivere Portfolio-Zusammensetzung

Allokation 500

Vor dem Hintergrund der eingetrübten Stimmung haben viele unabhängige Vermögensverwalter ihre Portefeuilles defensiver ausgerichtet. Das äussert sich vor allem in einer tieferen Aktien- wie auch Obligationen-Quote und im Halten von entsprechend mehr Liquidität.

Konkret präsentiert sich die Zusammensetzung wie folgt: Der Anteil an Aktien beträgt nun 40 Prozent (Vorquartal: 45 Prozent), derjenige der Obligationen 25 Prozent (Vorquartal: 26 Prozent), während die Liquidität nun 20 Prozent (Vorquartal: 17 Prozent) ausmacht.

Unverändert rund 10 Prozent machen Alternative Anlagen aus, und ebenfalls 5 Prozent entfallen nach wie vor auf Gold sowie andere Edelmetalle, wie der AVI-Umfrage weiter zu entnehmen ist (vgl. obige Grafik).

Noch ein Blick in die nahe Zukunft

Bis in drei Monaten rechnen die unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz mit einem SMI knapp über 8'000 (Vorquartal: 9'000), einem Goldpreis bei gut 1'200 Franken die Unze (Vorquartal: 1'100 Franken), einer Parität beim Währungspaar Dollar/Franken (unverändert) sowie mit einem Wechselkurs von 1.10 Franken je Euro (Vorquartal: 1.07 Franken).

• Der nächste AVI erscheint Anfang Juli 2016.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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