Bankenbarometer 2016: Soll und Haben

Das neue Bankenbarometer zeichnet ein solides Bild der Finanzinstitute in der Schweiz. Manche Zahlen sind aber auch Warnsignale, findet Sindy Schmiegel von der Schweizerischen Bankiervereinigung.

Sindy Schmiegel 192 2Sindy Schmiegel ist Leiterin Kommunikation ‹Anglo-Saxon World› bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

Der Schweizer Bankensektor trägt traditionell stark zur Schweizer Wirtschaftsleistung bei. Im Jahr 2015 betrug sein Anteil knapp sechs Prozent der Wertschöpfung in der Schweiz. Der Schweizer Finanzplatz ist weiterhin Weltmarktführer in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung. Auch in widrigem wirtschaftlichen und politischen Umfeld weisen die Banken einen Erfolg aus, der in etwa auf Höhe der Vorjahre liegt – ein klares Plus auf der Haben-Seite.

Es gibt jedoch auch Anhaltspunkte, die zeigen, dass der vielfach angekündigte Strukturwandel tatsächlich stattfindet. Was steht auf der Soll- beziehungsweise Haben-Seite?

Weniger Banken in der Schweiz

Insgesamt ging die Zahl der Banken von 275 auf 266 zurück. Vor allem die ausländisch beherrschten Banken haben ihre Präsenz in der Schweiz reduziert, nämlich um 8 Banken. Dies deutet darauf hin, dass der hiesige Standort offenbar an Attraktivität eingebüsst hat.

Ein kleiner Trost ist, dass der Rückgang der Bankenzahl seit 2005 in anderen Ländern ähnlich hoch ist: in Deutschland -15,1 Prozent, in Grossbritannien -9,5 Prozent und in Frankreich gar -45,3 Prozent.

Ein besseres Standortmarketing zu Gunsten der Schweiz könnte hier Abhilfe schaffen, denn die Schweiz hat im internationalen Vergleich einiges zu bieten (die Stärken der Schweiz haben wir hier zusammengetragen). Unser Land sollte das aber besser herausstreichen.

Arbeitsplätze werden im Ausland aufgebaut

Das ist für mich die beunruhigendste Entwicklung: Wenn Schweizer Banken Stellen schaffen, dann tun sie das durchaus in der Schweiz. Der grösste Teil der Stellen wird jedoch vermehrt im Ausland aufgebaut.

Sicher sind Standortkosten ein Faktor, aber auch ein besserer Zugang zu Zielkunden wird hier eine Rolle spielen. Wenn schon die hiesigen Banken mit Investitionen in Arbeitsplätze in der Schweiz zurückhaltend sind, kann der Anreiz für ausländische Institute, in der Schweiz eine Dependance zu eröffnen, nur noch kleiner sein.

Wiederum ein kleiner Trost: Die Umfrage der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) zur Beschäftigung weist darauf hin, dass immer weniger Banken für dieses Jahr mit einem weiteren Rückgang der Stellen rechnen.

Weniger verwaltete Vermögen

Die in der Schweiz verwalteten Vermögen von ausländischen Kunden sind erstmals wieder rückläufig. Das ist per se kein Zeichen für die Schwäche der Banken, sondern eher ein Effekt, der auf den erstarkten Schweizer Franken zurückzuführen ist.

Gleichwohl zeigt sich, dass die aktuelle Währungspolitik der SNB eine nachteilige Wirkung auf den Bankensektor hat, denn die Erträge in der Vermögensverwaltung gehen damit ebenfalls zurück.

Digitalisierung quo vadis?

Noch wenig fassbar ist der Strukturwandel, der auf die Digitalisierung zurückzuführen ist. Die Schweiz ist eher von einer Kooperation zwischen Fintech-Anbietern und Banken als von gegenseitiger Konkurrenz gekennzeichnet – mit positivem Resultat für alle Beteiligten.

Der grösste Gewinner in diesem Bereich werden zweifelsohne die Kunden sein. Auf welcher Seite die Banken stehen werden, haben sie selbst in der Hand – zahlreiche Projekte in diesem Bereich (nachzulesen in lockerer Folge im Magazin «insight») stimmen jedenfalls optimistisch.

Die ausführliche Aufzählung der Chancen lasse ich hier weg – unsere Leser kennen sie bestens. Dafür folgt hier...

Die Bilanz

Resilienz, Solidität und viel Innovationskraft: Das lässt für die Zukunft hoffen. Strukturwandel heisst auch, Warnsignale zu erkennen, Gegensteuer zu geben und auch kurzfristig schmerzhafte Veränderungen zuzulassen. Ich wünsche es meiner Branche, dass sie und alle beteiligten Akteure rechtzeitig den Mut dazu haben.

  • Die wichtigsten Zahlen zu den Banken und zum gesamten Finanzplatz Schweiz finden Sie auf unserer Internetseite und im aktuellen Bankenbarometer.


 

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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