Boni-Steuer? «Nichtstun fördert den Finanzplatz»

Trotz neu aufgeflammter Neiddiskussion um die Boni der Banker findet Franz-Josef Lerdo, dass überstürzter Aktivismus nun fehl am Platz sei.

lerdo_franz_josefFranz-Josef Lerdo ist Deutscher und war lange Jahre CEO der Dresdner Bank in der Schweiz. Heute arbeitet er als Berater für verschiedene Finanzinstitute und Family Offices. Mit seinem eigenen Multi Family Office betreut er Privatkunden bei der Überwachung und Steuerung ihres Vermögens.

Ausgehend von Überlegungen in den USA wollen Grossbritannien und Frankreich die Führungskräfte der Banken über eine Sondersteuer auf ihre Jahresboni an den Kosten der Finanzkrise beteiligen.

Der Vorschlag ist auf den ersten Blick – wie auch Bundeskanzlerin Merkel für Deutschland feststellt – eine «charmante Idee». Sie räumt jedoch ein, dass sie den Ansatz in Deutschland für verfassungswidrig hält.

Die Verfechter einer Steuer auf Boni führen zwei Argumente auf:

  1. Es soll vermieden werden, dass die Banken riskante Geschäfte betreiben, die dann auch noch über Boni «belohnt» werden.
  2. Das Eigenkapital der Banken soll durch keine resp. geringere Bonuszahlungen gestärkt werden.


Wie lässt sich eine Sondersteuer für eine bestimmte Berufsgruppe rechtfertigen? Eine Besteuerung sollte nach der Leistungsfähigkeit erfolgen. Je höher diese ist, umso eher kann sich der Staat via Steuern eine entsprechende Scheibe davon abschneiden. Ist aber ein Investment Banker mit einem steuerbaren Einkommen von beispielsweise einer Million Franken inklusive Bonus leistungsfähiger als sein Nachbar aus der Pharmaindustrie, der ebenfalls inklusive Bonus eine Million Franken Einkünfte erzielt?

Vielfältige Umgehungsmöglichkeiten

Was ist mit dem Aktionär, der Aktien eines Unternehmens erwirbt, dessen Manager Mehrwert schaffen, was zu steigenden Aktienkursen führt, die der Aktionär beim Verkauf zu steuerfreien Kursgewinnen (wie in der Schweiz) oder nur mit 25 Prozent Abgeltungssteuer belegten Kapitalerträgen (wie in Deutschland) nutzen kann?

Auch die Umgehungsmöglichkeiten der Finanzindustrie könnten vielfältig sein. So hat Josef Ackermann für die Deutsche Bank bereits von einer Umlage der Steuerbelastung «seiner» Investment Banker in London durch die gesamte Sparte resp. die Aktionäre der Deutschen Bank gesprochen. Es sollte gemäss seinen Überlegungen eine Ungleichbehandlung der Banker in London gegenüber anderen Standorten im Konzern vermieden werden.

Sondervergütungen denkbar

Vorstellbar ist ferner, dass Sondervergütungen in anderer Form, wie beispielsweise höheren Grundgehältern oder zinsgünstigen, nicht rückzahlbaren Krediten, eingeräumt werden. Der Phantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt. Insofern wird die «Abschreckung», keine beziehungsweisegeringere Boni zu zahlen, kaum gelingen. Stattdessen sind Alternativen einer Bonusbesteuerung zu prüfen.

Der einzige Weg ist, die Voraussetzungen für Bonuszahlungen klar zu regeln. Hierzu sind in der Schweiz und in Deutschland die Weichen bereits gestellt worden. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht hat entsprechende Regeln vorgeschlagen, die per 1. Januar 2010 in Kraft getreten sind. Die Banken-Boni sollen sich künftig langfristig und nachhaltig am Gewinn ausrichten und sämtliche Kosten für alle eingegangenen Risiken berücksichtigen.

Auf Sperrkonti gebucht

Zudem wird der Verwaltungsrat, der die Vergütungspolitik beschliesst, stärker in die Pflicht genommen. Boni werden darüber hinaus nur noch verzögert ausgezahlt, indem sie auf Sperrkonti gebucht werden. Gesperrte Boni verfallen, wenn der wirtschaftliche Erfolg ausbleibt.

Diese neue Regelung ist zwar nur für die sieben grössten Banken und fünf grössten Versicherungen in der Schweiz verbindlich, aber das erscheint pragmatisch hinsichtlich der Bedeutung dieser Finanzinstitute für den Finanzplatz und den möglichen Risiken aus Fehlverhalten. Auch mittlere und kleinere Banken unterliegen unverändert den jährlichen Prüfungen durch ihre Wirtschaftsprüfer, deren Berichte wiederum an die Aufsicht gehen. Hier dürfte zukünftig dem Bonusthema ein noch grösserer Stellenwert zukommen als in der Vergangenheit.

Dass die Kirche im Dorf bleibt

In Deutschland haben Banken und Versicherer bereits für 2009 eine freiwillige Selbstbeschränkung beschlossen. Die Vergütungsstrukturen sollen sich stärker am nachhaltigen Erfolg ausrichten und auch stärker Risiken berücksichtigen. Grundlage dabei sind die Beschlüsse der G-20.

Damit treten deren Bestimmungen bereits ein Jahr früher in Kraft. Die Selbstverpflichtung der Finanzbranche soll möglichst schnell durch Rundschreiben des BaFin ergänzt werden, bevor die für Frühjahr 2010 geplanten gesetzlichen Massnahmen greifen.

Private_Cover_1Es ist erfreulich, dass sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz trotz aufgeflammter Neiddiskussion um die Bonussteuer «die Kirche im Dorf» bleiben dürfte. Egal, was London oder Paris beschliessen. In diesem Fall gilt (ausnahmsweise): Nichtstun fördert den Finanzplatz.

Dieser Beitrag wurde erstmals publiziert in PRIVATE Ausgabe 1/2010 – Das Magazin für private und institutionelle Investoren.

 

 

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

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Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

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Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

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Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

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Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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