Gefährliche Kombination: Italien und der Euro

Wer auf Google nach «faul» und «Südländer» sucht, findet rund 240'000 Ergebnisse. Was ist an dieser Feststellung dran, fragt sich Raphael Vannoni.

Raphael_Vannoni_119x178Raphael Vannoni ist Leiter Economic Analysis bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

Geht es gewissen Staaten tatsächlich schlecht, weil sie faul sind oder liegt die Ursache in anderen Faktoren begründet?

Als italienischer Staatsbürger habe ich einen zugegebenermassen einen etwas patriotischen Blogbeitrag verfasst. Anhand einer Kurzanalyse möchte ich die Auswirkungen der Euro-Einführung auf die italienische Volkswirtschaft darlegen.

Strukturelle Probleme in Italien

Der in vielen Staaten verwendete Begriff «Teuro» hat im Kontext mit Italien seine Richtigkeit, denn für die Bürger wurden viele Produkte und Dienstleistungen ausserordentlich teuer (dazu ein Artikel aus der «NZZ»).

Neben sicherlich auch anderen – teils strukturellen Problemen in Italien – war der Euro meines Erachtens einer der Faktoren, der die italienische Volkswirtschaft an den Rand des Ruins gebracht hat.

Staatsverschuldung gesunken

Entgegen anderen Beispielen der PIIGS-Staaten profitierte Italien nicht in diesem Masse von tieferen Finanzierungskonditionen durch die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung.

Zwar sanken die Renditen auch für die italienischen 10-jährigen Staatsanleihen von 1995 bis 2002 massiv, doch die Staatsverschuldung nahm nach Einführung des Euro nicht zu, sondern sank sogar leicht, wie in untenstehender Grafik ersichtlich ist.

bruttoschulden-bip

Während dem Zeitraum von 1971 bis 1998 stieg das reale pro-Kopf Einkommen um durchschnittlich 2,4 Prozent pro Jahr. Nach Einführung des Euro als Buchgeld im Jahre 1999 stagnierte dieses im Zeitraum von 1999 bis 2009 (+0,1 Prozent).

Ohne Berücksichtigung der beiden Krisenjahre 2008 und 2009 beträgt das jahresdurchschnittliche Wachstum in diesem Zeitraum bescheidene 1 Prozent. Diese Tatsache kann in drei Faktoren begründet sein:

  • 1. Durch eine angestiegene Inflation: Da die durchschnittliche jährliche Inflation im Zeitraum von 1971 bis 1998 mit 9,6 Prozent über sieben Prozentpunkte höher lag als von 1999 bis 2009 kann die erhöhte Inflation als Ursache ausgeschlossen werden.
  • 2. Durch eine angestiegene Bevölkerung: In der Tat ist das Bevölkerungswachstum ab 1999 stärker angestiegen als zwischen 1971 bis 1998 (+0,5 Prozent vs. +0,05 Prozent). Insofern kann dies einen Teil des geringeren Wachstums des realen pro-Kopf Einkommens erklären.
  • 3. Durch ein weniger stark gestiegenes Bruttoinlandprodukt: Im Zeitraum von 1971 bis 1998 wuchs das reale BIP mit einer jährlichen Wachstumsrate von 2,4 Prozent. Nach Einführung des Euro als Buchgeld bis 2009 betrug das Wachstum nur noch 0,12 Prozent. Aufgrund der grossen Differenz kann ein grosser Teil des geringeren Wachstums auf diesen Faktor zurückgeführt werden.

Somit lässt sich das geringere Wohlstandswachstum nach Einführung des Euro durch zwei Faktoren erklären. Erstens durch das gestiegene Bevölkerungswachstum und zweitens durch ein geringeres Wachstum des realen BIP.

Differenzierte Sichtweise

Ich wage deshalb die folgende These aufzustellen: Die Einführung des Euro hat der italienischen Volkswirtschaft keinen zusätzlichen Wohlstand gebracht, sondern eher geschadet. Insbesondere deren Bürger leiden unter dem stagnierenden Pro-Kopf Einkommen.

Wenn nun also von «faulen Südländern» gesprochen wird, bedarf dies einer doch etwas differenzierteren Sichtweise.

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Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

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Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

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Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

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