Die stille Wunderbank von Basel

25,7 Milliarden Franken verwaltete Vermögen, eine Bilanzsumme von 2,5 Milliarden Franken, ein Jahresgewinn von 40 Millionen: Mit diesen Dimensionen gehören Dreyfus Söhne & Cie. zu den wichtigeren Privatbanken des Landes. Und doch: Kaum jemand kennt das Haus in Basel, das 1813 gegründet wurde und seither ununterbrochen in Familienhand war.

Das scheint «by design». Auf Fragen von finews zu Neugeldstrategie, Kundschaft und den Prioritäten des neuen CEOs liess die Bank knapp ausrichten: «Wir kommunizieren ausschliesslich über den Geschäftsbericht und unsere Website.» Weitergehende Stellungnahmen gebe man nicht ab. Und so bleibt der publizierte Jahresabschluss 2025 die einzige Quelle.

Gewinn trotz Gegenwind

Das Jahr 2025 war für Privatbanken kein einfaches: Der Dollar schwächelte, das Zinsumfeld in der Schweiz blieb tief. Dreyfus hat dennoch einen Konzerngewinn von 40 Millionen Franken erzielt, was einer Steigerung von rund 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Dass der Nettozinsertrag von 34,5 auf 30,6 Millionen Franken sank, wurde durch ein kräftig gewachsenes Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft mehr als kompensiert: Es stieg von 118 auf 128 Millionen Franken.

Die Kennzahl, die auffällt

Besonders ins Auge sticht die Cost-Income-Ratio von 64,9 Prozent. Im Branchenvergleich ist das aussergewöhnlich. Viele Schweizer Privatbanken kämpfen mit Werten von 75 bis 80 Prozent oder mehr.

Was ebenfalls ins Auge sticht: Dreyfus hat diese Effizienz bei gleichzeitigem Personalaufbau gehalten – von 216 Vollzeitstellen im Jahr 2022 auf 266 im vergangenen Jahr. Das Geschäftsmodell ist bewusst schlank: fokussiertes Privatbanking, offensichtlich sehr effizient geführt.

Eine Festung an Kapital

Was Dreyfus ebenfalls von zahlreichen Konkurrenten abhebt, ist die Kapitalisierung. Die Kernkapitalquote beträgt 38,46 Prozent – mehr als das Dreifache dessen, was regulatorisch gefordert wird.

Die Mindestliquiditätsquote LCR lag im vierten Quartal bei 435 Prozent. Das Eigenkapital beläuft sich auf 691 Millionen Franken. Diese Zahlen machen Dreyfus zu einer der bestkapitalisierten Banken der Schweiz.

Negatives Netto-Neugeld

Wäre Dreyfus Banquiers eine Privatbank wie jede andere, müsste sie sich vermutlich Fragen zum Nettoneugeld anhören. Aber nach über 200 Jahren sieht man das Thema vielleicht entspannt.

Trotz gewachsener Assets under Management (AuM) verzeichnete die Bank, wie bereits im Vorjahr, einen Netto-Geldabfluss – diesmal von 223 Millionen Franken auf Konzernebene.

Die Bank schweigt

Das AuM-Wachstum kam laut Geschäftsbericht primär durch Marktperformance zustande, sowie erstmals durch die Einrechnung von Kreditprodukten im Umfang von rund 890 Millionen Franken – eine Methodenänderung, die im Bericht transparent ausgewiesen wird, den Vergleich mit früheren Jahren aber erschwert.

Ob der Abfluss ein strukturelles Phänomen ist – etwa eine alternde, abtretende Kundschaft – oder verstärkte Selektion? Die Bank schweigt.

Basel, Zürich, Luxemburg, Tel Aviv

Der geografische Fussabdruck der Bank: Neben dem Hauptsitz an der Aeschenvorstadt in Basel unterhält Dreyfus Büros in Zürich, Lausanne, Lugano und Delémont sowie eine Repräsentanz in Tel Aviv.

Seit 2022 hält die Bank zudem eine Mehrheitsbeteiligung an Midas Wealth Management in Luxemburg, einem auf Family-Office-Strukturen spezialisierten Vermögensverwalter mit Zweigstelle in Paris.

Generationenwechsel in geordneter Manier

Intern hat sich bei Dreyfus einiges getan. Per April 2025 hat Nicolas Wyss den CEO-Posten von Stefan Knöpfel übernommen, der nach elf Jahren an der Spitze in den Verwaltungsrat wechselte.

Gleichzeitig trat Felix Dreyfus – Sohn von Pierre Dreyfus – als Vertreter der nächsten Familiengeneration ebenfalls in den Verwaltungsrat ein. Diesem gehört auch die ehemalige Nationalrätin Corina Eichenberger-Walther an.

Ein Bild, das man selten sieht: ein sorgfältig orchestrierter Dreifach-Wechsel.

Gemeinnützige Stiftung

Die Aktien liegen bis heute vollständig in den Händen der Familie Dreyfus-Bernheim, den Erben des Firmengründers Isaac Dreyfus-Bernheim.

Ein Teil des Gewinns geht jährlich an die gemeinnützige Isaac Dreyfus-Bernheim Stiftung, die aus Anlass des 200-jährigen Firmenjubiläums im Jahr 2013 gegründet wurde.

«Einzigartig aufgehoben»

Im Berichtsjahr hat die Bank auch ein neues Markenversprechen eingeführt: «Einzigartig aufgehoben.»

Diesen Anspruch, den man bei anderen Banken vielleicht als etwas plakativ und generisch empfinden würde, kann man Dreyfus Banquiers schwer absprechen.