Responsible Investment: UBS Asset Management steigt ab
Wie nachhaltig investieren Asset Manager und wie gut bilden sie dies gleichzeitig in der Marke ab? Dieser Frage stellt der Responsible Investment Brand Index (RIBI), der heute in seiner achten Ausgabe veröffentlicht wurde und 632 Asset Manager weltweit bewertet.
Der Index misst zwei Dimensionen:
- Erstens das «Commitment»: das tatsächliche Engagement für verantwortungsvolles Investieren, gemessen anhand der Transparenzberichte der Principles for Responsible Investment (PRI), mit bis zu 300 Parametern in fünf Kategorien, von der Organisationsstrategie über ESG-Integration bis zu Stewardship.
- Zweitens das «Brand»: die Fähigkeit, dieses Engagement im Markenauftritt zu verankern, etwa durch einen klar formulierten Unternehmenszweck, ein kohärentes Wertesystem und eine konsistente Positionierung. Aus der Kombination beider Dimensionen entstehen vier Kategorien: Avant-Gardists, Traditionalists, Aspirants und Laggards.
ESG unter Beschuss
Die achte Ausgabe erscheint in einem schwierigen Umfeld. Performance-Enttäuschungen, regulatorische Verwirrung rund um Rahmenwerke wie SFDR 2.0 und ein zunehmend politisierter Diskurs, vor allem in den USA, haben die Branche unter Druck gesetzt. Die Autoren konstatieren, dass Nachhaltigkeit, einst Quelle branchenweiter Dynamik, zur Bruchlinie geworden sei.
Der RIBI positioniert sich dabei bewusst jenseits der normativen Debatte. Er bewertet nicht, ob ESG wirksam ist, sondern misst die Konsistenz zwischen Überzeugung und Kommunikation.

Die Schweiz: Gut im Commitment, weniger gut im Brand Rating. (Bild: zVg)
Schweiz: Stark in der Substanz, schwach in der Sprache
Mit einem Commitment-Wert von 3,40 zählt die Schweiz zu den führenden Ländern Europas. Der globale Durchschnitt liegt bei 2,31. Beim Brand-Wert von 1,95 liegt sie knapp über dem Durchschnitt von 1,76, ein respektables, aber kein herausragendes Ergebnis.
Der RIBI fasst das Schweizer Kapitel knapp zusammen: «Sie könnten die Marken besser zu ihrem Vorteil nutzen.» 50 Prozent der Schweizer Häuser werden als Traditionalists eingestuft, also als Firmen, die intern vorbildlich arbeiten, nach aussen aber zu wenig davon zeigen.
Verlagerungen bei UBS Asset Management
Die Verschiebungen im Schweizer Top-10-Ranking zwischen 2025 und 2026 illustrieren das anschaulich:
| Rang | RIBI 2025 | Kategorie | RIBI 2026 | Kategorie |
| 1 | Pictet Asset Management | Avant Gardist | Pictet Asset Management | Avant Gardist |
| 2 | UBS Asset Management | Avant Gardist | Mirabaud Asset Management | Avant Gardist |
| 3 | Mirabaud Asset Management | Avant Gardist | Partners Group | Avant Gardist |
| 4 | Partners Group | Avant Gardist | Vontobel | Avant Gardist |
| 5 | Zürcher Kantonalbank | Avant Gardist | Zürcher Kantonalbank | Avant Gardist |
| 6 | Vontobel | Avant Gardist | GAM Holding AG | Avant Gardist |
| 7 | Zurich Invest | Traditionalist | UBS Asset Management | Traditionalist |
| 8 | GAM Holding AG | Avant Gardist | Banque Cantonale Vaudoise | Avant Gardist |
| 9 | Banque Cantonale Vaudoise | Avant Gardist | Zurich Invest | Traditionalist |
| 10 | Lombard Odier Investment Managers | Traditionalist | LGT Capital Partners | Traditionalist |
Quelle: Responsible Investment Brand Index |
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Der auffälligste Wechsel: UBS Asset Management fällt von Rang 2 auf Rang 7 zurück und verliert den Avant-Gardist-Status. War das Haus vor zwei Jahren noch die Schweizer Nummer eins, trägt es nun das Label «Traditionalist». Verloren hat UBS also weniger bei der Überzeugung als bei der Fähigkeit, diese nach draussen zu tragen.
Neu in der Top 10 ist LGT Capital Partners, das Lombard Odier Investment Managers verdrängt.
Frankreich überholt Japan
Weltweit führt DPAM das Gesamtranking an, gefolgt von Pictet Asset Management und Candriam, zwei Häusern, die seit der ersten RIBI-Ausgabe 2018 ununterbrochen unter den globalen Top 10 rangieren.
Auf Länderebene überholt Frankreich erstmals Japan als weltweit führende Nation, mit einem Avant-Gardist-Anteil von 52 Prozent. Südeuropa verzeichnet mit plus 17 Prozent den stärksten Scoreanstieg aller Regionen. Die USA bleiben mit einem Commitment-Wert von 1,53 das schwächste Industrieland.
«Tragfähige Kultur»
Jean-François Hirschel, Co-Gründer des RIBI und CEO von H-Ideas, zieht folgendes Fazit: «Eine gut definierte Marke ist kein Marketinginstrument. Sie ist ein Versprechen, und das wertvollste, das ein Asset Manager abgeben kann.»
Und der zweite Co-Autor Markus Kramer sagt: «Wer weiss, wofür er steht, und es überzeugend vermittelt, baut eine tragfähige Kultur auf, zieht die richtigen Talente an und verdient sich das Vertrauen, das kein Preiskampf ersetzen kann.»

Gründer des RIBI: Jean-François Hirschel (links), Markus Kramer. (Bild: zVg)
Lobenswert, aber nicht ohne Schwächen
Der RIBI füllt eine echte Lücke und liefert über acht Jahrgänge hinweg direktional wertvolle Trends.
Allerdings basiert der Commitment-Score basiert ausschliesslich auf PRI-Transparenzberichten. Wer den PRI nicht unterzeichnet hat, erhält automatisch eine Nullbewertung, unabhängig davon, wie ernsthaft das Haus tatsächlich nachhaltig investiert. Das setzt PRI-Mitgliedschaft implizit als Qualitätsmerkmal – ein Vorzeichen, über das sich streiten lässt.
Wertvolle Orientierung
Auch der Brand-Score orientiert sich an sehr formalisierten Kriterien: ob ein Purpose kurz ist, mit einem Verb beginnt, gesellschaftliche Ambitionen ausdrückt.
Faute de mieux bleibt der RIBI ein einzigartiges quantitatives Instrument und liefert wertvolle Orientierung. Finews hatte bereits über die Ausgabe 2025 berichtet.














