Zwei Sonderfaktoren schmälern Gewinn der Bank von Roll

Vor wenigen Tagen hat die Bank von Roll bekanntgegeben, dass sie Michael Schnetzer (der schon bisher für die Zürcher Privatbank tätig war) und Philippe Würmli (der bisher für Bergos tätig war) in die Geschäftsleitung berufen hat. Schon etwas früher, nämlich Ende März, hat das Finanzinstitut, ganz ohne begleitendes Communiqué, still und leise den Geschäftsbericht 2025 auf der Website aufgeschaltet.

Auffällig ist das starke Bilanzwachstum. Die Bilanzsumme legte von 194,5 Millionen Franken (Ende 2024) auf 247,7 Millionen Franken (Ende 2025) zu. Auf der Aktivseite sind die flüssigen Mittel (von 31,9 auf 54,8 Millionen) und die Forderungen gegenüber Banken (von 67,7 auf 96,1 Millionen) kräftig gestiegen, auf der Passivseite die Verpflichtungen aus Kundeneinlagen (von 151,8 auf 189,3 Millionen).

Ausweitung der Bilanz und zugleich restriktive Kreditpolitik

finews wollte in Erfahrung bringen, weshalb die Bilanz so stark gewachsen ist und erhielt von Hans-Peter Schmid, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung der Bank von Roll, folgende Antwort. Bei den Verpflichtungen aus Kundeneinlagen hätten v.a. diejenigen in Kontokorrentform zugenommen. Schmid hält zudem fest, dass die Zuflüsse nicht genutzt wurden, um mehr Kredite zu vergeben. Tatsächlich deutet der Rückgang der Forderungen gegenüber Kunden von 10 Millionen Franken auf 67,3 Millionen auf eine noch selektivere Darlehenspraxis hin.

Auf den ersten Blick weniger massiv fallen die Veränderungen in der Erfolgsrechnung aus. Aufgrund des widrigen Zinsumfelds rapportiert die Bank im Zinsgeschäft einen Rückgang des Nettoerfolgs um 26,1 Prozent auf 3,2 Millionen Franken. Dagegen konnte der Erfolg im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft um 14,9 Prozent auf 9,2 Millionen Franken gesteigert werden. Und auch im Handelsgeschäft lief es rund, hier betrug die Zunahme gar 57,7 Prozent (auf 5,8 Millionen).

Personelle Stärkung hat ihren Preis

Deutlich zugenommen hat der Geschäftsaufwand, auf 12,2 Millionen Franken (+11,1 Prozent). Die Bank führt dies «auf höhere Personalkosten mit Zusammenhang mit einer personellen Stärkung des Bereichs Private Banking sowie auf erhöhte Aufwendungen für IT, Marketing und Kommunikation» zurück. Der Personalbestand erhöhte sich innert Jahresfrist um 28 Prozent auf 32 Mitarbeiter (28,8 Vollzeitstellen).

Der Gewinn wird durch zwei Sonderfaktoren geschmälert. So hat die Bank zum einen «für erwartete Aufwendungen im Zusammenhang mit einer internen Untersuchung sowie externer Rechtsberatung» eine Rückstellung in Höhe von 750’000 Franken gebildet. «Es geht dabei um die juristische Aufarbeitung einer Kundengruppe mit regulatorischem Hintergrund», präzisiert Schmid.

Bereinigung einer Altlast aus der Gründungszeit

Zum anderen verbucht sie 1 Million Franken als ausserordentlichen Aufwand. Dieser Posten stehe im Zusammenhang mit einem Besserungsrecht aus einem Forderungsverzicht aus dem Jahre 2013, wird im Geschäftsbericht ausgeführt. Der Verwaltungsrat habe entschieden, das Besserungsrecht zu begleichen und den Besserungsschein als ausserordentlichen Aufwand zu verbuchen, heisst es dazu weiter. Schmid wird noch konkreter: Der Besserungsschein sei seinerzeit im Zusammenhang mit der Gründung bzw. dem Aufbau der Bank dem Hauptaktionär für seinen Forderungsverzicht ausgestellt worden.

Der Reingewinn liegt damit im Geschäftsjahr 2025 mit 3,1 Millionen Franken 22,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Wie im Vorjahr bewegt sich die Cost-Income-Ratio um 67 Prozent, und die Eigenkapitalrendite liegt über 14 Prozent.

Hoher Goldanteil und die Sache mit dem Rebalancing

Die verwalteten Vermögen erhöhten sich innert Jahresfrist von 1'326 auf 1'515 Millionen Franken. Die Zunahme ist auf die Performance von 196,3 Millionen zurückführen, bei den Neugeldern war ein Abfluss von 7,2 Millionen Franken zu verzeichnen. CEO Schmid führt dies darauf zurück, dass «eine Kundengruppe eine grössere Adjustierung im Rahmen der Asset Allokation unter dem Banken-Depotnetzwerk vorgenommen hat».

Das Finanzinstitut empfiehlt seinen Kunden seit längerem einen relativ hohen Goldanteil. Aufgrund der Hausse hat der wertmässige Anteil des Edelmetalls in einigen Kundenportfolios markant zugenommen. Die Bank hat deshalb im März eine in ihrem Auftrag von Professor Thorsten Hens und Alvin Amstein (beide Universität Zürich) verfasste Studie publiziert, die neben Argumenten für Edelmetallanlagen im Allgemeinen auch solche für ein diszipliniertes Rebalancing liefert.

Fast alle Aktien (99,81 Prozent) der Bank von Roll werden von August François von Finck gehalten. Das Institut mit Sitz in Zürich wurde 2009 von der Familie Finck gegründet.