Veit De Maddalena: «Nach der Transformation sind wir jetzt im Übergangsjahr»

Insbesondere das erste Halbjahr 2025 war für Bellevue von den äusseren Marktbedingungen, dem schwachen Dollar und den hohen Unsicherheiten durch US-Zölle oder Pharmapreise belastet. Insgesamt habe sich die Situation im zweiten Halbjahr jedoch stabilisiert.

Durch den Deal zwischen Pfizer und der US-Regierung in Bezug auf die Meistbegünstigungsklausel und das globale Preis-Framework für neue Medikamente seien Generalisten-Investoren zurück in den Gesundheitssektor gekommen.

Der globale Healthcare-Sektor habe im vierten Quartal 2025 die stärkste Performance unter sämtlichen GICS-Sektoren verzeichnet (Global Industry Classification Standard). Auch die Healthcare ETFs hätten wieder Zuflüsse verzeichnet.

«Die Anzeichen für eine Trendwende waren im vierten Quartal erkennbar», sagte Bellevue-Verwaltungsratspräsident und -CEO Veit De Maddalena (Bild unten) an einer Medienkonferenz am Dienstag in Zürich.

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(Bild: Bellevue)

Im vergangenen Jahr sei es nötig gewesen, Bellevue an die Marktrealität anzupassen, Dazu habe etwa der Umbau in Deutschland zum reinen Vertriebsunternehmen oder der Verkauf der auf Private Equity spezialisierten Adbodmer über ein Management-Buyout gehört. Bestehende Fonds und Mandate wurden von Bellevue AM Deutschland zum Multi-Asset-Team nach Zürich verlagert. Dabei hätten einige Investoren nicht mitgezogen, und man habe verwaltete Vermögen eingebüsst. Auch in Schlüsselpositionen hatte es bei dem Unternehmen im vergangenen Sommer einen Führungswechsel gegeben. De Maddalena hatte im Juni zusätzlich zum Posten des Verwaltungsratspräsidenten das Amt des CEO übernommen. 

Personalwechsel und Kosten

«Wir mussten aufgrund der Marktrealität im ersten Halbjahr sicherstellen, dass das Unternehmen auch auf der Kostenseite gut durchkommt», betonte der CEO weiter. «Wir haben quasi ein Drittel der Belegschaft ausgetauscht, aber das war notwendig.» Das sei auch eine Neupositionierung gewesen. «Wir haben ganz bewusst entschieden, wo wir investieren und in Sales und Vertrieb neue Leute eingestellt.»

Im vergangenen Jahr standen bei Bellevue bei den Mitarbeitenden 33 Austritte 17 Eintritten gegenüber, dies bei einer Gesamtbelegschaft von rund 90. Das schlug auch auf der Kostenseite durch. Die Personalkosten sanken um rund 16 Prozent und die Sachkosten um 13 Prozent. Aufgrund des geringeren Geschäftsertrags verschlechterte sich das Cost-Income-Ratio auf 86 Prozent von noch 76 Prozent 2024. «Damit können wir nicht zufrieden sein, ebenso wenig wie mit der Eigenkapitalrendite (Return on Equity) von 1,7 Prozent.»

75 Prozent der Assets in Dollar

Bellevue hält 88 Prozent der Assets im Healthcare-Sektor. Der Anteil in Dollar liegt bei 75 Prozent. Der negative Währungseffekt im vergangenen Jahr durch die Dollarabwertung um 12,6 Prozent wird auf 550 Millionen Franken beziffert.

Per Ende Dezember beliefen sich die flüssigen Mittel auf 33,8 Millionen Franken und das Eigenkapital auf 117,0 Millionen Franken. Die Eigenkapitalquote lag bei 75,2 Prozent, und Bellevue sei damit solide finanziert.

«Wir haben die nicht strategiekonformen Aktivitäten reduziert oder verkauft. Nach dem Transformationsjahr 2025 sind wir jetzt in einem Übergangsjahr», betonte De Maddalena.

Sektor an strukturellem Wendepunkt

Der Unternehmenschef sieht den Healthcare-Sektor an einem strukturellen Wendepunkt. Die regulatorischen Rahmenbedingungen würden sich verbessern, es gebe eine breite Innovationspipeline und die M&A-Aktivität steige. Zudem habe der Sektor einen anhaltenden Bewertungsabschlag gegenüber dem globalen Aktienmarkt und europäische Small- und Midcaps würden wieder in den Fokus rücken.

Für das laufende Jahr will der CEO den jetzt eingeschlagenen Weg «fokussiert weitergehen». Er rechnet mit einer Steigerung der AuM-Basis um 10 Prozent. «Wir wollen das Unternehmen auf ein gutes Fundament zurückführen, und das bedeutet eine gute Investment-Performance. Wir sind gut positioniert, um überproportional von einer Erholung zu profitieren.»

Als langfristige Ziele nennt das Bellevue-Management bei der Cost-Income-Ratio einen Wert von unter 70 Prozent und eine Eigenkapitalrendite einen von über 20 Prozent. «Wir wollen eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik umsetzen, die sich am Gewinn orientiert», betont der CEO.