Cross Border Wealth Management: Wo die Schweiz im Wettbewerb steht
Seit Jahrzehnten gilt die Schweiz als wichtigster Standort für die grenzüberschreitende Vermögensverwaltung. 2025 hat Hongkong sie an der Spitze abgelöst, das zeigt eine aktuelle BCG-Studie. Mit rund 2,9 Billionen US-Dollar bleibt die Schweiz einer der führenden Standorte, die Rangliste liest sich nun aber anders. Was dieser Wechsel über die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes aussagt, ist damit noch nicht beantwortet.
Der Finance Circle am 9. November, eine Veranstaltung der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und des Zürcher Bankenverbandes (ZBV), widmet sich der Frage, wie der Schweizer Finanzplatz seine Position im internationalen Wettbewerb behaupten kann.
Für August Benz, stellvertretender CEO und Leiter Transformation & International der Schweizerischen Bankiervereinigung, kommt der Rangwechsel nicht überraschend. Die Entwicklung habe sich über mehrere Jahre abgezeichnet. Hongkong profitiere unmittelbar vom aussergewöhnlich starken Vermögenswachstum in Asien: Knapp 60 Prozent der dort verwalteten Vermögen stammten von Anlegerinnen und Anlegern aus Festlandchina, für die Hongkong das wichtigste Tor zu internationalen Investitionen sei.
Auch in der Schweiz seien die grenzüberschreitend verwalteten Vermögen 2025 deutlich gewachsen, nur eben weniger stark als in Hongkong. Gleichzeitig seien Schweizer Banken in Wachstumsmärkten wie Hongkong selbst erfolgreich präsent und partizipierten damit direkt an deren Dynamik.
Der Rangwechsel zeige, wie dynamisch sich die Gewichte im globalen Wealth Management verschieben. Für die Schweiz sei es deshalb entscheidend, die internationale Wettbewerbsfähigkeit ihres Finanzplatzes konsequent zu stärken.
Was den Finanzplatz trägt
Für den Schweizer Finanzplatz zähle nicht allein die Grösse, sondern auch die Qualität der Dienstleistungen und die Struktur der betreuten Vermögen, sagt Benz. Eine besondere Stärke sieht er in dessen breiter internationaler Ausrichtung: Rund 46 Prozent der hier verwalteten Vermögen stammten von ausländisch domizilierten Kundinnen und Kunden. Die geografische Diversifikation der verwalteten Vermögen reduziere die Abhängigkeit von einzelnen Märkten und trage zur Stabilität des Finanzplatzes bei.
Dazu kämen politische und wirtschaftliche Stabilität, Rechtssicherheit sowie eine hohe Kompetenz und Exzellenz in der Betreuung internationaler Vermögen. Gerade in einem geopolitisch und wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld seien diese Stärken noch wichtiger.
Wo neues Vermögen entsteht
Die Stärke der Schweiz liege gerade darin, nicht von einem einzelnen Markt abhängig zu sein. Diese globale Aufstellung gelte es zu pflegen und gleichzeitig dort zu wachsen, wo neues Vermögen entstehe. Westeuropa bleibe ein zentraler Markt, Wachstumspotenzial sieht Benz im Nahen Osten sowie in ausgewählten Märkten Asiens und Lateinamerikas.
Zu den wichtigen Zielgruppen zählt er vermögende Privatkundinnen und -kunden, Unternehmerfamilien und Family Offices, deren Bedürfnisse von der Diversifikation über Märkte, Währungen und Anlageklassen bis zu Finanzierungs-, Nachfolge- und Generationenfragen reichten. Damit Schweizer Banken diese Chancen nutzen könnten, brauche es offene und faire Marktzugangsbedingungen sowie eine international abgestimmte und innovationsfreundliche Regulierung. Auch Politik und Behörden spielten eine wichtige Rolle bei der internationalen Positionierung des Schweizer Finanzplatzes.
Was nach der Steuertransparenz zählt
Mit dem automatischen Informationsaustausch (AIA) und FATCA gälten seit Jahren umfassende internationale Transparenzstandards, hält Benz fest. Dass sich Kundinnen und Kunden aus aller Welt weiterhin für Schweizer Banken entschieden, sei letztlich eine Vertrauensfrage.
Für die Schweiz spreche eine Kombination aus politischer und wirtschaftlicher Stabilität, Rechtssicherheit, internationaler Kompetenz und einer über Jahrzehnte gewachsenen Vermögensverwaltungskultur. Gerade bei komplexen internationalen Vermögenssituationen zähle nicht eine einzelne Dienstleistung, sondern die Fähigkeit, unterschiedliche Bedürfnisse dauerhaft und professionell zusammenzuführen. Diese Position sei nicht selbstverständlich, sondern müsse durch Qualität, Leistung und verlässliche Rahmenbedingungen immer wieder neu bestätigt werden.
Gestiegene Erwartungen
Die Anforderungen der Kundschaft seien deutlich vielfältiger geworden, sagt Benz. Erwartet werde heute nicht nur Vermögensverwaltung, sondern eine umfassende Begleitung bei finanziellen Fragestellungen über Lebensphasen, Generationen und Regionen hinweg. Gleichzeitig verfolgten viele Anlegerinnen und Anleger eine breitere Diversifikationsstrategie, bei der neben den Anlageklassen auch die geografische Verteilung an Bedeutung gewinne.
Auch die Digitalisierung verändere die Erwartungen an die Beziehung zur Bank: Kundinnen und Kunden wollen einen einfachen und direkten digitalen Zugang zu Informationen und Dienstleistungen, ohne auf persönliche Beratung bei komplexen Entscheidungen zu verzichten.
Die Schweizer Banken hätten in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sie sich an neue Kundenbedürfnisse, regulatorische Anforderungen und technologische Entwicklungen anpassen könnten. Diese Fähigkeit zur Weiterentwicklung und die Verbindung von persönlicher Beratung, internationaler Expertise und neuen technologischen Möglichkeiten seien auch künftig entscheidend.
Die Schweiz bleibt mit 2,9 Billionen US-Dollar ein führender Standort für die grenzüberschreitende Vermögensverwaltung. Entscheidend wird, ob sie Marktzugang, Rahmenbedingungen und Dienstleistungsqualität so weiterentwickelt, dass sie im internationalen Wettbewerb bestehen kann. Ob das gelingt, wird für den gesamten Finanzplatz richtungsweisend sein.
Cross Border Wealth Management - was bleibt vom Wettbewerbsvorteil der Schweiz übrig? Montag, 9. November 2026, 18.00 - 19.30 Uhr; jetzt online anmelden.















