Die KI-Revolution im Bankgeschäft beginnt im operativen Bereich?
Verfasst von Hocine Merrir, Associate Partner, Lead AI in Banking Operations, und David Steiger, Associate Partner, Head of Next Gen Operating Model
Während sich die öffentliche Aufmerksamkeit auf Copiloten und Chatbots richtet, entsteht im Hintergrund eine weniger beachtete, aber weitaus grössere Chance. Eine neue Synpulse-Studie, KI Im operativen Bankbetrieb, hat 26 Banken und Dienstleister in der Schweiz und Liechtenstein befragt und zeigt, dass das KI-Potenzial im operativen Bankbetrieb jenes im Front Office übertreffen könnte.
Über sechs Kernbereiche des Bankbetriebs und 25 operative Aktivitäten hinweg werden mittlerweile 78 Prozent der Aufgaben als relevant für KI angesehen, und 43 Prozent der Antworten weisen auf hohe oder sehr hohe erwartete Vorteile hin. Angesichts des Umfangs und der Komplexität operativer Bankprozesse ist dies mehr als nur Interesse – es deutet darauf hin, dass der operative Bankbetrieb zu einem zentralen Wirkungsfeld für KI werden könnte.
Die tatsächliche Umsetzung holt jedoch erst langsam auf. Die Studie identifiziert 37 konkrete KI-Initiativen in den befragten Instituten, darunter 11 bereits im produktiven Einsatz, wobei rund zwei Drittel der Institute mindestens eine Initiative gestartet haben. Die Lücke zwischen Interesse und Umsetzung ist real – sie deutet jedoch eher auf eine frühe Marktphase als auf mangelndes Interesse hin.
Wo sich die grössten Chancen konkretisieren
Einige operative Aktivitäten zeigen bereits heute, wie sich dieser Wandel in der Praxis entwickeln könnte. Die Bearbeitung von Kapitalmassnahmen vereint den höchsten KI-Relevanzwert in der Studie (96 Prozent) mit den grössten erwarteten Vorteilen und den fortgeschrittensten Implementierungen. Teams, die bislang komplexe Ereignismitteilungen manuell interpretiert, Wahlentscheidungen verfolgt und Kundenkommunikation erstellt haben, beginnen zunehmend, KI-Systeme zu überwachen, die diese Prozesse direkt ausführen.
Weitere zentrale Anwendungsbereiche sind:
- Abstimmung und Abgleich (Reconciliation)
- Zahlungsabwicklung
- Kreditvergabe und -dokumentation
- Abwicklung von Vermögensübertragungen
Ein zentrales Muster wird deutlich: Das grösste KI-Potenzial liegt nicht primär in rein manuellen Tätigkeiten, sondern in Prozessen, die Interpretation, Analyse und Urteilsvermögen erfordern. Dokumentenintensive und ausnahmegetriebene Prozesse bieten die klarsten Chancen – und liefern bereits erste belastbare Ergebnisse.
Der Wandel wird zudem durch externe Akteure vorangetrieben. Dienstleister, Fintechs und Plattformanbieter integrieren KI zunehmend direkt in bestehende Infrastrukturen. Für viele, insbesondere kleinere Institute, könnten KI-Fähigkeiten künftig über das Ökosystem verfügbar werden, ohne dass eigene Pilotprojekte erforderlich sind.
Von Potenzial zu Umsetzung
Die Einführung von KI erfolgt aktuell selektiv. Die meisten Institute befinden sich noch in frühen Skalierungsphasen und stehen vor der Herausforderung, die Lücke zwischen Interesse und operativer Umsetzung zu schliessen.
Die Autoren der Studie betonen, dass die nächste Phase nicht darin besteht, weitere Ideen zu generieren – relevante Use Cases sind bereits identifiziert. Stattdessen geht es um gezielte Entscheidungen:
- Welche Prozesse sollen rund um KI neu gestaltet werden?
- Wie können Daten- und Governance-Grundlagen geschaffen werden, um Skalierung zu ermöglichen?
- Welche Rolle spielen Technologieanbieter als aktive Partner?
Die Dimension der Chance spricht klar gegen Zögern. Traditionell gilt im Bankbetrieb das Prinzip: Menschen entscheiden, Systeme führen aus. KI beginnt, diese Logik umzukehren – Systeme übernehmen die Erstinterpretation, während Menschen überwachen und Ausnahmen behandeln. Diese Veränderung könnte eine der grundlegendsten Verschiebungen in der Organisation operativer Arbeit darstellen.
Das Zeitfenster ist offen – vorerst
Der Bankensektor in der Schweiz und Liechtenstein befindet sich im internationalen Vergleich noch in einer frühen Phase. Die Investitionsniveaus spiegeln einen vorsichtigen, gezielten Ansatz wider und noch keine umfassenden Transformationen.
Dennoch deuten der Umfang der Chancen, die Klarheit der Anwendungsfälle und erste sichtbare Erfolge darauf hin, dass es sich nicht um einen kurzfristigen Trend handelt. Institute, die heute ihre Datenbasis stärken und bewährte Anwendungsfälle skalieren, werden sich frühzeitig für eine führende Rolle positionieren, sobald KI im operativen Bankbetrieb zum Standard wird.
Die vollständige Studie ist exklusiv für Umfrageteilnehmer verfügbar. Kontaktieren Sie Synpulse, um Zugang zu den wichtigsten Erkenntnissen zu erhalten oder zu besprechen, wie KI Ihren operativen Bankbetrieb transformieren kann.
- Zugriff auf die wichtigsten Erkenntnisse: KI Im operativen Bankbetrieb
Kontakte: Hocine Merrir, Associate Partner, Lead AI in Banking Operations und David Steiger, Associate Partner, Head of Next Gen Operating Model














