Mit diesen Autos will Audi zurück an die Spitze
Es ist ein grauer, nasser Morgen in Ingolstadt. Die Stadt ist auf den ersten Blick untrennbar mit einer Automarke verwoben: Audi beschäftigt hier rund 40'000 Mitarbeiter.
Im Audi-Museum, wo die Pressekonferenz stattfindet, wirkt die Stimmung deutlich aufgehellter als noch eine Woche zuvor beim kriselnden Mutterkonzern Volkswagen in Wolfsburg.
Zahlen und ein Plan
Auf der Bühne stehen CEO Gernot Döllner und Finanzchef Jürgen Rittersberger. Sie präsentieren die Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 – und vor allem: einen Plan.
Die Zahlen selbst zeichnen ein Bild der Stabilisierung: Der Umsatz steigt auf 65,5 Milliarden Euro, das operative Ergebnis fällt um eine halbe Milliarde auf 3,4 Milliarden Euro, die Marge sinkt von 6,0 auf 5,1 Prozent.
Teure Sondereffekte
Externe und einmalige Faktoren belasten die Profitabilität: insbesondere die US-Zölle mit rund 1,2 Milliarden Euro, ein Umstrukturierungsprogramm mit Personalabbau sowie Rückstellungen für CO₂-Regulierung. Dass ein «mittlerer dreistelliger Millionenbetrag» für mögliche CO₂-Strafzahlungen in Europa zurückgestellt wurde, zeigt, dass Unsicherheiten bleiben.
Für die Profitabilität des Konzerns bleiben dabei die Spezialitätenmarken wichtig: Lamborghini erzielte 2025 bei einem Umsatz von 3,2 Milliarden Euro eine operative Marge von 24 Prozent, während Bentley bei 2,6 Milliarden Euro Umsatz auf 8,3 Prozent kam. Zusammen mit den – wenn auch deutlich kleineren – Beiträgen von Ducati tragen sie wesentlich dazu bei, die vergleichsweise moderaten Renditen der Kernmarke Audi zu stützen.

Audi Museum Mobile in Ingolstadt. (Bild: Audi)
Mission Vorsprung: Fahrplan bis 2030
«2025 ist Audi mutige Schritte gegangen», sagt Döllner. Tatsächlich spricht im Konzern derzeit vieles für eine Neujustierung – strategisch wie operativ. Intern firmiert diese unter dem programmatischen Titel «Mission Vorsprung». Ziel: ein schlankeres, schnelleres, profitableres Audi bis 2030.
Der Weg dahin ist ambitioniert. Audi will die operative Rendite mittelfristig wieder in den zweistelligen Bereich steigern und gleichzeitig die Komplexität drastisch reduzieren. Zahlreiche interne Gremien und Managementebenen werden gestrichen.
Modelloffensive
Im Zentrum steht eine der grössten Modelloffensiven der Firmengeschichte: Über 20 neue Modelle hat Audi allein in den Jahren 2024 und 2025 auf den Markt gebracht. Das Portfolio gilt nun als eines der jüngsten im Wettbewerb.
Und es geht weiter in hoher Kadenz. Bereits im Februar wurde der neue RS 5 angekündigt, den die Fachkritik unisono lobte. An der Medienkonferenz kündigt Audi noch für dieses Jahr zwei Innovationen an, welche die Extreme des Modellspektrums markieren sollen.
Neue Modelle: Audi A2 e-tron, Audi Q9
Am unteren Ende des Portfolios positioniert Audi den neuen A2 e-tron. Ein vollelektrisches Kompaktmodell für urbane Autofahrer, das bewusst an den ikonischen A2 anknüpft. Das Auto stehe für «elektrische Mobilität, die im Alltag überzeugt», so Döllner. Damit adressiere man eine neue, jüngere Kundschaft in urbanen Märkten und senkt die Eintrittsschwelle in die Marke.
Am anderen Ende wartet der Q9, der ebenfalls noch dieses Jahr lanciert werden soll. Es handelt sich um ein grosses SUV, zugeschnitten insbesondere auf den US-Markt. Er soll künftig die Spitze des Portfolios definieren und Audi in einem der margenträchtigsten Segmente wieder stärker positionieren.

Sihlouette des Audi A2 e-tron. (Bild: Audi)
Was wird aus dem A8?
Doch bei aller Dynamik bleibt auch eine Lücke im Modell-Portfolio. Dieses Jahr läuft in Europa die aktuelle Linie der Oberklasse-Limousine A8 aus. Döllner räumte ein, dass eine solche Lücke natürlich schmerzhaft sei, erklärte aber auch deren Entstehung: Ursprünglich hätte ein vollelektrisches Modell den A8 ablösen sollen, jedoch sei diese Antriebsoption im Luxussegment weit weniger gefragt als ursprünglich gedacht.
Bis Audi einen Nachfolger für den A8 präsentiert (die Rede ist von 2030), springt der neue Q9 in die Bresche. Mit sechs «Captain Chairs» – also Einzelbestuhlung im Fond, grosszügigen Raumkonzepten und loungeartiger Anmutung – eigne er sich hervorragend als Chauffeur-Auto.
Bald ein Werk in den USA?
Seine Strategie richtet Audi klar entlang seiner drei Kernmärkte aus: Europa, USA und China.
In den USA prüft man eine stärkere Lokalisierung bis hin zu eigener Produktion. Döllner betonte allerdings, dass Entscheidungen über neue Werke auf oberster Stufe in Wolfsburg getroffen würde.
Zwei-Marken-Strategie in China
In China setzt Audi auf eine zweigleisige Strategie mit den Partnern FAW und SAIC sowie einer eigenen, neuen Submarke mit ausgeschriebenem «Audi»-Schriftzug anstelle der vier Ringe. Diese soll gezielt technologieaffine Kunden ansprechen und Entwicklungsgeschwindigkeit erhöhen.
In Europa bleibt der Druck hoch: regulatorisch, technologisch und im zunehmenden Wettbewerb mit chinesischen Herstellern.

Concept C: Zielbild der Audi-Zukunft. (Bild: Audi)
Interne Straffung
Nebst den Modellen passiert auch viel im Unternehmen selbst. Audi baut Komplexität ab, strafft Prozesse und versucht, Entscheidungswege radikal zu verkürzen.
Insgesamt präsentiert sich ein Unternehmen im Übergang. Vieles ist in Bewegung, manches noch unfertig, aber die Richtung ist klar.
So stellt sich Audi die Zukunft vor
Auch aus Schweizer Perspektive dürfte die Modelloffensive Wirkung zeigen: Mit RS5 und Q9 bringt Audi genau jene Art von Fahrzeug auf den Markt, die im Premiumsegment zuverlässig Nachfrage generiert. Und mit dem A2 e-tron folgt ein Einstiegsmodell für die Elektromobilität.
Wie weit Audi mit seiner Transformation kommt, zeigt sich ab nächstem Jahr. Dann nämlich kommt das radikal modern designte «Concept C» als Serienmodell auf den Markt. Es wird in der Manufaktur Böllinger Höfe hergestellt, wo derzeit die Flaggschiffe der Marke A8 und Audi RS e-tron GT vom Stapel laufen. Döllner beschreibt es als «visualisiertes Zielbild», das die künftige Design- und Markenidentität über die gesamte Modellpalette vorwegnimmt.















