Gianmarco Bonaita: «Mein bestes Investment sind Menschen»


In der Rubrik Backstage geben interessante Persönlichkeiten aus der Finanzwirtschaft und darüber hinaus jeden Mittwoch Einblicke in ihre ganz persönlichen Vorlieben.


Was tun Sie morgens als Erstes?

Ich stehe zwischen 06:00 und 07:00 Uhr auf, je nachdem, ob ich trainiere oder nicht. Wenn ich trainiere, geniesse ich es, dass alles noch ruhig ist. Wenn nicht, starte ich den Tag mit einem italienischen Espresso – kein Kapselkaffee. Das ist für mich nicht verhandelbar.

Was ist das Beste an Ihrem Beruf?

Wenn mir ein Kunde schreibt, dass er dank Alpian zum ersten Mal wirklich investiert – nicht, weil er reich ist, sondern weil es endlich zugänglich war. Wir reden viel über Mass Affluent als Segment. Aber dahinter stecken echte Menschen, die von traditionellen Banken jahrelang ignoriert wurden. Das zu ändern, ist das Beste an diesem Job. Nicht die Zahlen – die Menschen dahinter.

Ein Moment, der Ihr Leben veränderte?

Das Mitgründen von Alpian war definitiv ein lebensverändernder Moment. Der Wechsel von meiner Beratungskarriere bei der Boston Consulting Group hin zum Aufbau einer Bank von Grund auf war kein kalkuliertes Risiko – es war ein Sprung ins Ungewisse. Doch die Chance, im Schweizer Bankwesen wirklich etwas Innovatives zu schaffen, war einfach zu verlockend. Ich würde es wieder tun.

Welche Autos besitzen Sie? Welches ist Ihr Liebstes?

Ich bin kein Automensch. Mein Cupra Formentor bringt mich von A nach B – mehr brauche ich nicht. Wenn Sie mich nach meinem Lieblingsgefährt fragen: Hochleistungsski, ohne Frage. Es gibt nichts Vergleichbares, als eine Piste hinunterzucarven.

Welchen Rat würden Sie Ihrem 20-jährigen Selbst geben?

Ich würde meinem 20-jährigen Ich raten, sich mutiger auf Unbequemes einzulassen und Zeit in den Aufbau von Beziehungen zu investieren. Echtes Wachstum findet oft ausserhalb der eigenen Komfortzone statt, wenn man Wege verfolgt, die man sich zunächst nicht zugetraut hätte.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Auf das, was wir als Team erreicht haben. Wir haben eine Bank von Grund auf aufgebaut, eine FINMA-Lizenz erhalten und betreuen heute mehr als 40'000 Kunden. Aber auch darauf, dass wir diesen Kunden etwas bieten, das es so vorher nicht gab: professionelle Vermögensverwaltung, die nicht erst ab einer Million Franken beginnt. Das ist der Kern, auf den ich wirklich stolz bin.

Was tun Sie, wenn Sie Zweifel haben?

Wenn Zweifel aufkommen, greife ich auf zwei Dinge zurück: Daten und mein Kernteam. Daten liefern eine objektive Realität, reduzieren Komplexität, trennen Signal von Lärm. Gleichzeitig verlasse ich mich auf offene und ehrliche Gespräche mit meinem Team.

Was ist Ihr Lieblingswein?

Das ist eine schwierige Frage – ein bisschen so, als müsste man sich für ein Lieblingskind entscheiden! Ich habe keinen festen Lieblingswein, sondern wähle ihn passend zum Essen. Besonders gerne mag ich Franciacorta bei Schaumweinen, Pinot Noir oder Nebbiolo bei Rotweinen und bei Weissweinen solche mit ausgeprägter Mineralität. Wein ist für mich eine echte Leidenschaft, deshalb mache ich aktuell auch eine Sommelier-Ausbildung.

An welchen Projekten arbeiten Sie momentan?

Wir haben vor kurzem die Radicant-Migration abgeschlossen – das war operativ anspruchsvoller als es von aussen aussieht. Jetzt geht es darum, Tiefe zu schaffen: Dienstleistungen und Produkte auszubauen, die es Kunden erlauben, Alpian in jeder Hinsicht als ihre Hauptbank zu nutzen. Wir verbessern dazu unser digitales Vermögensverwaltungsangebot und bauen unsere Services sinnvoll aus. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die führende Hausbank für Mass-Affluent-Kunden in der Schweiz werden.

Was bewundern Sie an anderen Menschen?

Ich bewundere besonders Authentizität, intellektuelle Neugier und Bescheidenheit. Menschen, die wirklich sie selbst sind, ständig dazulernen wollen und trotz Erfolgen geerdet bleiben, inspirieren mich.

Was wäre die grösste Überraschung für jemanden, der Ihren Job einen Tag lang übernehmen müsste?

Viele wären vermutlich überrascht, wie unterschiedlich meine Tage aussehen und wie schnell man zwischen Themen wechseln muss. Eben noch geht es um eine kommerzielle Initiative, danach um Produktentwicklung und gleich darauf um Personalfragen. Ich denke, man unterschätzt, wie viele Rollen man als CEO einnimmt.

Welches ist Ihr persönlicher Antrieb?

Ich bin von Natur aus sehr ambitioniert und suche mir beruflich wie privat bewusst Dinge, die mich fordern. Mir immer wieder ehrgeizige Ziele zu setzen, treibt mich an, mich stetig weiterzuentwickeln.

Wovor fürchten Sie sich?

Beruflich fürchte ich den Stillstand – oder besser gesagt, das Gefühl, man habe es geschafft, bevor man es wirklich hat. Die Finanzbranche entwickelt sich ständig weiter, und es ist entscheidend, flexibel zu bleiben und sich stetig weiterzuentwickeln. Privat? Dass ich irgendwann zurückschaue und merke, dass ich zu viel gearbeitet habe. Das ist eine echte Spannung, die ich jeden Tag austariere.

Ihre Lieblingsuhrenmarke?

Ich habe keine Lieblingsmarke. Meist trage ich eine Garmin, besonders beim Skifahren. Aber ich besitze auch eine Uhr, die meinem Vater gehört hat und die er mir nach meinem Abschluss geschenkt hat. Sie hat einen grossen emotionalen Wert für mich.

Gibt es einen unerfüllten Traum, den Sie noch verwirklichen möchten?

Privat ist eines meiner Lebensziele, in allen grossen Skigebieten der Alpen einmal Ski zu fahren. Ich bin auf einem guten Weg, aber es gibt noch viele tolle Skigebiete, in denen ich noch nicht das Glück hatte. Vor allem in Österreich fehlen mir noch einige.

Ihr bestes Investment?

Menschen. Immer. Mein Studium, mein MBA – ja. Aber vor allem: Mich mit klugen, engagierten und unterschiedlichen Persönlichkeiten zu umgeben, die unsere Vision teilen. Das hat mir mehr eingebracht als jeder monetäre Gegenwert. Es ist schlicht unbezahlbar.


Gianmarco Bonaita ist Mitgründer von Alpian und führt die Bank seit 2023 als CEO. Zuvor war er bei der Boston Consulting Group tätig, wo er Finanzinstitute in den Bereichen Banking und Versicherung beriet. Er hält einen MBA mit Auszeichnung der IMD sowie einen MSc in International Management der Bocconi University.