Zürcher Private Equity-Spezialist: «Der erste, der nachgibt, verliert»
Farsin Yadegardjam, Partner bei COI Partners, spricht im Podcast von finews über den fundamentalen Wandel im Private-Equity-Markt, die Rückkehr der Disziplin – und warum gerade jetzt Netzwerk, lokale Marktkenntnis und Transparenz entscheidend werden.
«Der Markt hat sich komplett verändert», sagt Yadegardjam. «Zwischen 2010 und 2020 hatten wir eine Boomphase. Danach kam die Realität zurück.»
Besonders deutlich zeigt sich dies bei Unternehmensverkäufen. Viele Beteiligungen könnten derzeit nur mit Abschlägen verkauft werden – ein Szenario, das zahlreiche Private Equity-Häuser vermeiden wollen. «Wir sehen aktuell ein regelrechtes Pokerspiel bei den Bewertungen», sagt er. «Der erste, der nachgibt, verliert.»
«Viele Exits funktionieren derzeit schlicht nicht mehr»
Vor allem im Technologiesektor habe sich die Bewertungskompression massiv ausgewirkt. «Vor 2020 wurden teilweise Preise bezahlt, die heute schlicht nicht mehr haltbar sind», erklärt Yadegardjam. Käufer seien deutlich vorsichtiger geworden, während Verkäufer oft noch an alten Preisvorstellungen festhalten würden.
Die Folge: Der globale Exit-Markt stockt.
«Viele PE-Firmen können ihr Kapital momentan nicht zurückführen, weil schlicht die Käufer fehlen oder die Preise nicht mehr akzeptiert werden», sagt er. «Das betrifft nicht nur den DACH-Raum, sondern den gesamten Markt.»
Im Podcast erklärt Yadegardjam auch, weshalb sogenannte Secondary-Strategien und Buy-and-Build-Modelle derzeit stark an Bedeutung gewinnen – und warum manche Investoren ihre Beteiligungen heute bewusst länger halten als ursprünglich geplant.
Fokus auf Deutschland – aber mit Schweizer Präsenz
Trotz Sitz und Aktivitäten in der Schweiz bleibt Deutschland für COI Partners der wichtigste Markt. Acht der aktuell elf Beteiligungen stammen aus Deutschland.
«Deutschland bietet schlicht die höchste Anzahl an Opportunitäten», sagt Yadegardjam. «Die industrielle Basis und die Marktgröße schaffen einen deutlich besseren Dealflow.»
Gleichzeitig sei eine lokale Präsenz entscheidend. «Man kann solche Geschäfte nicht aus der Distanz machen», sagt er. «Vertrauen und persönliche Beziehungen sind im Direktinvestmentgeschäft zentral.»
Genau deshalb verzichtet COI Partners bislang bewusst auf eine Expansion in die USA – trotz der dort deutlich höheren Bewertungen. «Ohne lokales Netzwerk funktioniert proprietäres Deal-Sourcing nicht», erklärt er. «Der Aufbau wäre extrem teuer und risikoreich.»
800 Deals geprüft – nur drei Investments
Besonders aufschlussreich ist der Einblick in den Investmentprozess der Gesellschaft. Das 18-köpfige Team prüft laut Yadegardjam jedes Jahr zwischen 700 und 800 potenzielle Beteiligungen – umgesetzt werden am Ende jedoch lediglich ein bis drei Investments.
«Über 80 Prozent unserer Deals kommen direkt aus unserem Netzwerk und nicht aus klassischen Auktionen», sagt er. Gerade diese proprietären Transaktionen würden langfristig oft die besten Resultate liefern.
COE Partners setzt dabei konsequent auf einen Deal-by-Deal-Ansatz statt auf klassische Blindpool-Fonds. Für viele Unternehmerfamilien und vermögende Investoren werde genau diese Transparenz immer wichtiger.
«Viele Anleger wollen heute verstehen, worin sie konkret investieren», sagt Yadegardjam. «Sie wollen nicht einfach Kapital in einen großen Topf geben.»
«Private Equity wird sich komplett neu erfinden»
Im Podcast spricht der PE-Manager auch über den Aufstieg neuer Modelle wie «PE as a Service», über Independent Sponsorships und über die wachsende Bedeutung von künstlicher Intelligenz im Investmentgeschäft.
«Der Markt wird sich in den nächsten fünf Jahren massiv verändern», prognostiziert er. «Neue Technologien und neue Strukturen werden die Branche komplett neu definieren.»
Gerade kleinere und flexible Häuser könnten davon profitieren. «Unsere Stärke ist Geschwindigkeit, Netzwerk und Nähe zum Unternehmer», sagt Yadegardjam. «Das wird in Zukunft eher wichtiger als unwichtiger.»
Der Podcast liefert seltene Einblicke in die aktuelle Stimmung im europäischen Private-Equity-Markt – von Bewertungsfragen über Nachfolgeprobleme bis hin zu neuen Investmentmodellen für Family Offices und Unternehmer. Jetzt reinhören!
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