Riad Sherif: «Als ausgebildeter Arzt ist es meine Motivation, Patienten wirklich zu helfen»
In der Rubrik Backstage geben interessante Persönlichkeiten aus der Finanzwirtschaft und darüber hinaus jeden Mittwoch Einblicke in ihre ganz persönlichen Vorlieben.
Was tun Sie morgens als Erstes?
Meine Morgenroutine ist bewusst einfach und effizient, genau so, wie ich es mag. Sie umfasst nur einige wesentliche Schritte: ein leichtes Frühstück essen, mich fertig machen, eine gute Tasse Kaffee geniessen und meine Ziele für den Tag festlegen. Danach bin ich bereit, in den Tag zu starten.
Was ist das Beste an Ihrem Beruf?
Die Möglichkeit, das Leben von Patienten spürbar zu verbessern und manchmal sogar grundlegend zu verändern.
Ein Moment, der Ihr Leben veränderte?
Ich glaube nicht, dass mein Leben durch einen einzigen, entscheidenden Moment geprägt wurde. Vielmehr sehe ich es als eine Abfolge von Momenten – einige klein, andere ganz gewöhnlich –, die nach und nach formen, wer wir werden. Wie beim Bau eines Lego-Hauses fügt jede Erfahrung einen weiteren Baustein hinzu: Manche bilden ein solides Fundament, andere erfordern Anpassungen, und manchmal muss man die Steine wieder auseinandernehmen und neu aufbauen. Es ist die Summe dieser Momente, nicht ein einzelner Wendepunkt, die Sinn, Richtung und Wachstum schafft.
Welche Autos besitzen Sie? Welches ist Ihr Favorit?
Ich fahre derzeit einen Audi. Ich schätze hochwertige Produkte sehr und bewundere insbesondere die deutsche Ingenieurskunst sowie die Handwerksqualität im Automobilbau.
Welchen Rat würden Sie Ihrem 20-jährigen Selbst geben?
Im Laufe der Jahre habe ich drei Leitprinzipien entwickelt, die mich nie im Stich gelassen haben:
- Träume gross. Vieles ist möglich, wenn man den Mut hat, an sich zu glauben und dafür zu kämpfen.
- Arbeite hart. Es gibt keinen Ersatz für harte Arbeit, wenn es um Erfolg geht.
- Bleib offen. Es gibt vieles, was wir nicht wissen; Offenheit schafft Chancen und neue Möglichkeiten.
Worauf sind Sie besonders stolz?
An erster Stelle auf meine Familie. Und an zweiter Stelle auf das, was wir als Team bei Oculis gemeinsam erreichen.
Der Erfolg meiner Kinder ist zu einem grossen Teil meiner Frau zu verdanken, die stets das Rückgrat unserer Familie war, unterstützend, fürsorglich und mit grosser Hingabe. Auf Französisch sagt man «une main de fer dans un gant de velours», eine eiserne Hand in einem Samthandschuh.
Bei Oculis, bin ich stolz darauf, wie weit wir gemeinsam gekommen sind. Seit 2018 haben wir das Unternehmen von einem venturefinanzierten Projekt mit einem einzelnen Wirkstoff auf einer noch nicht erprobten Technologie zu einem börsenkotierten Unternehmen in einer späten Entwicklungsphase ausgebaut. Mehrere entscheidende Studienresultate stehen kurz bevor. All dies wäre ohne den beispiellosen Einsatz unseres Teams, mit dem ich sehr gerne zusammenarbeite, nicht möglich gewesen.
Was tun Sie, wenn Sie Zweifel haben?
Ich lasse mich von führenden Expertinnen und Experten beraten, um die Herausforderung besser zu verstehen, nehme mir Zeit zum Nachdenken und entscheide dann, wie es weitergeht.
Was ist Ihr Lieblingswein?
Ich habe eine besondere Vorliebe für zwei Weinregionen: Argentinien, wo ich viele Jahre mit meiner Familie gelebt habe, und das Lavaux. In letzter Zeit greife ich vermehrt zu Weinen aus der Region, um die lokale Wirtschaft und das Schweizer Weinbau-Know-how zu unterstützen. Wir leben hier in einer aussergewöhnlichen Landschaft, inmitten von Weinbergen, und ich möchte – so bescheiden auch immer – einen Beitrag zu einer Branche leisten, die aktuell vor grossen Herausforderungen steht.
An welchen Projekten arbeiten Sie momentan?
Wir konzentrieren uns auf drei zentrale Ziele:
- Die Markteinführung der ersten Augentropfen zur Behandlung des diabetischen Makulaödems, einer potenziell zur Erblindung führenden Komplikation von Diabetes, die derzeit mit Injektionen ins Auge behandelt wird.
- Die Entwicklung des ersten präzisionsmedizinischen Ansatzes in der Ophthalmologie für trockene Augen mit dem Ziel vorherzusagen, welche Patienten am ehesten auf eine Behandlung ansprechen.
- Die Weiterentwicklung der Neuro-Ophthalmologie und Neurologie durch einen wirklich neuartigen Wirkstoff mit breitem Potenzial für verschiedene neurodegenerative Erkrankungen.
Was bewundern Sie an anderen Menschen?
Mut, Fachkompetenz und Integrität.
Was wäre die grösste Überraschung für jemanden, der Ihren Job einen Tag lang übernehmen müsste?
Die enorme Vielfalt an Themen, mit denen ich mich an einem einzigen Tag befassen muss. Und die Fähigkeit, nahezu sofort zwischen ihnen zu wechseln und dabei je nach Bedarf ins Detail zu gehen oder den Überblick zu behalten.
Welches ist Ihr persönlicher Antrieb?
Als ausgebildeter Arzt ist es meine grösste Motivation, Patienten wirklich tiefgreifend zu helfen. Deshalb habe ich mich für die Pharmaindustrie entschieden, denn sie ermöglicht es mir, potenziell Millionen von Leben zu beeinflussen. Ausserdem löse ich gerne komplexe Probleme, insbesondere wenn jemand sagt, etwas sei nicht möglich. Für mich geht es nie um kleine, schrittweise Veränderungen, sondern darum, einen echten Unterschied zu machen.
Wovor fürchten Sie sich?
Ich habe kaum echte Ängste – ausser wenn es um die Gesundheit und das Wohlergehen meiner Kinder geht. In diesem Sinne unterscheide ich mich nicht von anderen Eltern.
Ihre Lieblingsuhrenmarke?
Ich schätze feine Uhren sehr, und obwohl es viele Marken gibt, die ich bewundere, habe ich eine besondere Vorliebe für den Genfer Uhrenhersteller F.P. Journe. Er ist bekannt für sein Motto «Invenit et Fecit» sowie für seine historische Uhrmacherkunst und seine moderne, avantgardistische Ingenieurskunst.
Gibt es einen unerfüllten Traum, den Sie noch verwirklichen möchten?
Ich bin ein leidenschaftlicher Feinschmecker, koche und bewirte gerne Freunde und Familie. Eines Tages, vielleicht im Ruhestand, würde ich gerne ein Restaurant führen oder einen Olivenhain erwerben und hochwertiges Olivenöl produzieren.
Ihr bestes Investment?
Bildung und Ausbildung. Der Aufbau von fundiertem Wissen und einer soliden Grundlage ist entscheidend. Ohne diese Tiefe wird es sehr schwierig, gute Entscheidungen zu treffen.
Dr. Riad Sherif kam im Dezember 2017 als CEO zu Oculis. Unter seiner Führung entwickelte sich das Unternehmen vom Krankenhausprojekt mit einem Wirkstoff zu einem börsenkotierten Biopharma-Unternehmen mit drei klinischen Programmen in Ophthalmologie und Neuro-Ophthalmologie. Zuvor war er in leitenden Funktionen bei Sanofi, Novartis und Alcon tätig. Er verfügt über einen M.D., einen MBA des IMD und einen Master in Medical Management.












