Primärmarkt im Mai: Ein Monat für die Geschichtsbücher
Noch nie wurden in einem Mai am Schweizer Kapitalmarkt so viele Obligationen begeben: Der Nominalwert der frisch emittierten Papiere in- und ausländischer Schuldner (ohne Anleihen der Eidgenossenschaft) erreichte 13,3 Milliarden Franken. Auch der bisherige Jahresverlauf darf sich sehen lassen. Mit 50,5 Milliarden Franken liegt das Emissionsvolumen in den ersten fünf Monaten gemäss Statistik der Zürcher Kantonalbank (ZKB) 14 Prozent über dem entsprechenden Wert 2025.
Schon mehr als die Hälfte der Vorjahresvolumen in trockenen Tüchern. (Grafik ZKB)
Inland- und Auslandsegment lagen mit 6,9 Milliarden bzw. 6,4 Milliarden Franken nicht weit auseinander. Als ein Grund für «die ausländische Emissionsflut» führt die ZKB «die vorteilhaften Cross-Currency Swaps» an, sowohl gegenüber dem Euro wie dem Dollar.
Die Sache mit dem Währungsswap
Ausländische Emittenten benötigen in der Regel nicht Franken. Sie tauschen also den Emissionserlös via Swap in eine andere Währung (meist eben Euro oder Dollar); wird die Anleihe zur Rückzahlung fällig, benötigen sie allerdings wieder Franken; die Couponzahlungen während der Laufzeit fallen aufgrund des tiefen Zinsniveaus meist nicht allzusehr ins Gewicht. Für den Schuldner sind die Bedingungen am Swapmarkt dann vorteilhaft, wenn eine Emission in Franken vis-à-vis einer Anleihe, die in Euro oder Dollar denominiert ist, nach diesem Währungstausch günstig ist.
Bei den inländischen Schuldner waren für einmal die Corporates recht gut vertreten. OC Oerlikon, Siegfried Holding, Holcim Helvetia Finance (Dreifachtranche) und Geberit zählten dazu. Auch die Versorger liessen sich mit Grand Dixence, Energie 360 Grad (Green Bond) und Primeo Holding nicht lange bitten. Für Energie 360 Grad war es eine Premiere. Das Unternehmen firmierte früher unter Erdgas Zürich und gehört zu 96 Prozent der Stadt. Hinter Primeo mit Sitz in Münchenstein steht die EBM, die Genossenschaft Elektra Birseck, welche die Anleihe garantiert.
Das volle Programm
Im Mai ebenfalls aktiv waren diverse Kantonalbanken. Die Aargauische Kantonalbank begab einen Green Bond. Das traditionelle Format wählten die ZKB und die Kantonalbanken von St. Gallen (Doppeltranche), Tessin (Aufstockung), Thurgau (Aufstockung) und Baselland. Öffentlich-rechtliche Körperschaften waren nur mit dem Kanton Tessin (Green Bond) und der Stadt Bern zugegen.
Zu den Financials zählten Valiant Bank (Covered Bond) und Raiffeisen Schweiz, mit der ersten digitalen Bail-in-Anleihe, die ein Jahr vor Verfall gekündigt werden kann. Amag Leasing lancierte eine Doppeltranche. Aus dem Immobiliensegment stammte Intershop Holding.
Schweizer Pfandbriefe gab es im Mai von der Pfandbriefbank (zwei Neuemissionen und zwei Aufstockungen) und der Pfandbriefzentrale.
Spitäler beschaffen sich Mittel
Erwähnenswert sind die Aktivitäten im seit dem Fall GZO Spital Wetzikon etwas sensiblen Segment der Spitalschuldner. Das Spital Männedorf begab eine kleinvolumige Emission über 50 Millionen Franken, ausgestattet mit einer Garantie der Aktionärsgemeinden Stäfa, Meilen, Männedorf, Küsnacht, Hombrechtikon, Herrliberg and Erlenbach im Umfang ihrer Quote. Einen Green Bond lancierte das Luzerner Kantonsspital.
Im Auslandsegment dominierte die von finews bereits analysierte Mega-Debüt-Transaktion von Amazon im Umfang von 2,8 Milliarden Franken. Aber auch die Slowakische Republik und die Republik Polen mit je drei Tranchen über insgesamt 700 Millionen bzw. 885 Millionen kleckerten nicht.
Nicht nur Amazon
Und ausländische Corporates waren (abgesehen von Amazon) ebenfalls gut vertreten: Deutsche Telekom (Doppeltranche), Iberdola Finanzas (zwei Green Bonds) und PPG Industries (im Doppel, wobei das Kürzel für «Pittsburgh Plate Glass« steht), das Schweizer Debüt des US-Kunstglas- und Chemieunternehmens.
Zu den weiteren Gästen von ennet der Grenze gehörten die Caisse des Dépôts et Consignations (Doppeltranche), Victoria Power Networks (Finance), BNG Bank (nachhaltige Anleihe), Raiffeisen-Landesbank Tirol, Inter-American Development Bank, Queensland Treasury Corporation, CPI Property Group und Compagnie de Financement Foncier (Aufstockung). Für ein weiteres Debüt sorgte Inter-American Investment Corporation (Blue Bond).
Hoher Anteil der ausländischen Schuldner. (Grafik: Raiffeisen Schweiz)
Noch ist der Juni jung, hat sich aber bereits gut angelassen, z.B. mit CBA (Covered Bank), Glarner Kantonalbank (Tier 2), Novo Nordisk (Premiere mit einem Jumbo) und der Pfandbriefzentrale. Das Rennen zwischen inländischen und ausländischen Schuldnern dürfte spannend bleiben, nicht ausgeschlossen, dass es nach langer Zeit wieder einmal ein Jahr gibt, in dem die Schweizer in der Unterzahl sind.
Am Sekundärmarkt an der SIX Swiss Exchange liegen die Volumen in Frankenobligationen in den ersten fünf Monaten mit 59,3 Milliarden 4,9 Prozent über dem Vorjahreswert. Im Monatsvergleich resultiert im Mai mit 11,2 Milliarden allerdings ein Minus von 6,4 Prozent.

















