Nikolas von Haugwitz: «An meinem Beruf überrascht, wie wenig Zeit für Wein bleibt »


In der Rubrik Backstage geben interessante Persönlichkeiten aus der Finanzwirtschaft und darüber hinaus jeden Mittwoch Einblicke in ihre ganz persönlichen Vorlieben.


Was tun Sie morgens als Erstes?

Ich mache kurz die Augen auf und schaue, ob mein Jüngster schon wach ist. Dann Espresso — frisch gemahlen, Bialetti. In dieser Reihenfolge. Meistens.

Was ist das Beste an Ihrem Beruf?

Wein ist so vielschichtig und kulturell so reich, dass man nie auslernt. Kaum glaubt man, alles verstanden zu haben, kommt etwas völlig Neues. Dieses Produkt bewegt Menschen wie kaum ein anderes. Es geht um Genuss, um Erinnerungen und um Momente.

Ein Moment, der Ihr Leben veränderte?

Der viel zu frühe Tod meines Bruders. Er hat mir klargemacht, wie viel ich in die Zukunft schiebe — und wie wenig ich den Moment genieße. Das sitzt. Und es verändert, wie ich Entscheidungen treffe.

Welche Autos besitzen Sie? Welches ist Ihr Liebstes?

Einen Mercedes — und einen Defender, Baujahr Anfang 2000. Der Defender ist eindeutig mein Liebling. Er ist ein Unikat: Man spürt den Motor, man spürt die Straße. Das ist das Gegenteil von moderner Isolation — und manchmal genau das, was man braucht.

Welchen Rat würden Sie Ihrem 20-jährigen Selbst geben?

Weniger erklären, mehr zuhören. Und klarer antworten — nicht nur anderen, sondern vor allem sich selbst.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Auf Teams, die gewachsen sind. Nicht auf Zahlen — sondern auf Menschen, die ich ein Stück begleiten durfte und mit denen ich heute noch im Austausch bin.

Was tun Sie, wenn Sie Zweifel haben?

Ich gehe spazieren. Oder ich schlafe eine Nacht darüber. Beides hilft erstaunlich gut — und meistens ist die Antwort am nächsten Morgen klarer als jede Analyse am Vorabend.

Was ist Ihr Lieblingswein?

Das ändert sich ständig — und das ist das Schöne daran. Im Moment ist es der 2022 Le Barze, Rosso Toscana IGT von Tenuta Ceri als Rotwein. Und als Weißwein der 2023 Chardonnay Alta Angelica Zapata. Zwei sehr unterschiedliche Welten — beide überzeugend.

An welchen Projekten arbeiten Sie momentan?

Wir bauen Mövenpick Wein konsequent weiter aus: Premiumisierung, ein neues digitales Loyalitätsprogramm — und mit Liquid Grape erschließen wir ein völlig neues Segment: Wein als Anlageklasse. Es ist eine spannende Zeit.

Was bewundern Sie an anderen Menschen?

Haltung unter Druck. Es ist leicht, großzügig zu sein, wenn es einem gut geht. Wer es auch dann ist, wenn es nicht läuft — den respektiere ich sehr.

Was wäre die größte Überraschung für jemanden, der Ihren Job einen Tag lang übernehmen müsste?

Wie wenig Zeit - leider - für Wein bleibt, und wie viel für Menschen, Kommunikation und Vertrauen. Und dass fast alles, was wirklich zählt, über Netzwerke läuft: die richtigen Gespräche, zur richtigen Zeit, mit den richtigen Menschen.

Welches ist Ihr persönlicher Antrieb?

Die Freude an dem, was ich tue. Und die Möglichkeit, etwas im Guten zu verändern — und Menschen die Fähigkeit zu geben, diesen Weg mitzugehen.

Wovor fürchten Sie sich?

Vor Gleichgültigkeit. In Unternehmen wie im Leben.

Ihre Lieblingsuhrenmarke?

Audemars Piguet. Und Jaeger-LeCoultre. Und — ganz ehrlich — Swatch. Handwerk, das keine Erklärung braucht. Auf allen Preisebenen.

Gibt es einen unerfüllten Traum, den Sie noch verwirklichen möchten?

Eine eigene kleine Weinlage — irgendwo mit Aussicht. Nicht für den Markt, sondern für die Freude.

Ihr bestes Investment?

Meine vier Söhne — ohne Zögern. Alles andere ist zweitrangig. Finanziell? Neben Wein als Anlageklasse wohl die Immobilie: ein Asset, das man anfassen kann, das bleibt — und das man versteht.


Nikolas von Haugwitz wurde in Kenia geboren und wuchs dort auf. Ausbildung und Studium absolvierte er in Deutschland. Danach war er 18 Jahre bei der Hawesko AG tätig, zuletzt als Vorstand für E-Commerce und Digitalisierung. Es folgten Vorstandsaufgaben bei der Vom Fass AG sowie die Position als CEO der Schuler St. Jakobskellerei. Seit 2024 ist er CEO der Mövenpick Wein AG. Er ist verheiratet, Vater von vier Söhnen und leidenschaftlicher Winzer ohne eigenen Weinberg.