Gabrielle Wanzenried: «Es gibt nie nur einen Weg»


In der Rubrik Backstage geben interessante Persönlichkeiten aus der Finanzwirtschaft und darüber hinaus jeden Mittwoch Einblicke in ihre ganz persönlichen Vorlieben.


Frau Wanzenried, was tun Sie morgens als Erstes?

Ich  begrüsse und streichle unsere beiden Doodle Hunde und schaue dann als nächstes auf den See, ob es Wind hat und wie das Wetter ist. Wir wohnen am Bielersee und wenn ich frei habe, versuche ich, so oft wie möglich zu segeln.

Was ist das Beste an Ihrem Beruf?

Einerseits ist es eine relativ hohe Arbeitsautonomie und die Freiheit bei den Themen, mit denen ich mich forschungsmässig befassen kann. Andererseits ist es die Vielseitigkeit der Aufgaben, von  der Entwicklung von neuen Ideen für angewandte Forschungsprojekte, die konzentrierte Arbeit an Forschungspapieren, die Zusammenarbeit im Team bis zur Lehre, wo ich immer wieder auf interessierte junge Menschen mit neuen Ideen treffe. Mein Job ist wie ein bunter Blumenstrauss.

Ein Moment, der Ihr Leben veränderte?

Dies war die Geburt unseres Sohnes, ein sehr schönes Erlebnis mit grossem Einfluss auf mein tägliches Glück.

Welche Autos besitzen Sie? Welches ist Ihr Liebstes?

Wir haben einen BMW Activer Tourer, jedoch fahren wir pro Jahr weniger als 10'000 km. Die ganze Familie inkl. unsere beiden Hunde besitzen ein GA und wir nutzen wenn immer möglich den öV.

Welchen Rat würden Sie Ihrem 20-jährigen Selbst geben?

Man soll dies machen, was einem Freude bereitet, dies gilt insbesondere  z.B. auch in Bezug auf eine allfällige Berufs- oder Studienwahl. Und es braucht auch Zeit, seine Präferenzen zu kennen und dafür soll man genügend Zeit investieren: Der Zeit Zeit geben!  Weiter wichtig ist, dass man aus jeder Situation das Beste macht. Es gibt nie nur einen Weg und jeder Lebensweg kennt Rückschläge, die oft auch sehr lehrreich sind.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Ich bin für mehrere gemeinnützige Organisationen tätig und auf dieses uneigennützige  Engagement zu Gunsten der Gesellschaft bin ich stolz.

Was tun Sie, wenn Sie Zweifel haben?

Zuerst versuche ich, die Fakten im Zusammenhang zusammenzutragen und zu analysieren. Hier spielt meine rationale Seite herein.  Dann tausche ich mich dazu mit Menschen aus, dir mir nahe stehen. Schliesslich höre auf meine Intuition, dies sich mit zunehmenden Alter als zuverlässiger erweist. Und ich rufe mir in Erinnerung, dass die Vergangheit oft ein schlechter Prädiktor für die Zukunft ist.

Was ist Ihr Lieblingswein?

Der Pinot Noir von Beat Burkhardt, Weinbau zum Bielerhaus in Ligerz am Bielersee. Er gehört zur neuen Generation derWinzer am Bielersee, ein kleines aber feines Weinanbaugebiet, und ist aus meiner Sicht einer der begabtesten Reb- und Weinbauern der Region und darüber hinaus. Seine Weine werden auch regelmässig durch Preise ausgezeichnet.

An welchen Projekten arbeiten Sie momentan?

Wir arbeiten wir gerade an der Eingabe eines EU Forschungsprojektes zum Thema Kreislaufwirtschaft im Bauwesen sowie an der Aufgleisung eines Innosuisseprojektes zum Thema soziale Nachhaltigkeit im Wohnungsbau. Daneben bin ich immer am Optimieren meiner Vorlesungsunterlagen und am Fertigstellen von Forschungspapers.

Was bewundern Sie an anderen Menschen?

Leute, die kreativ sind und gleichzeitig auch über solides Handwerk verfügen, ihre Kreativität umzusetzen, beeindrucken mich sehr. Ich denke an Kunstwerke im Rahmen der bildenden Kunst, aber mich faszinieren auch sehr musikalische Kompositionen. Ich gehe viel und gerne an Konzerte im Bereich der klassischen Musik und bewundere insbesondere auch die Komponist*innen grosser Werke.

Was wäre die grösste Überraschung für jemanden, der Ihren Job einen Tag lang übernehmen müsste?

Man würde es allenfalls nicht in einem Tag bemerken, aber insgesamt der grosse notwendige Unternehmergeist und die Innovationsfähigkeit, um an die notwendigen Fördergelder für die Durchführung von angewandten Forschungsprojekten zusammen mit der Wirtschaft zu kommen.

Welches ist Ihr persönlicher Antrieb?

Ich würde mich selber als Menschen mit einer positiven Lebenseinstellung, vielseitigen Interessen und per se einer hohen intrinsischen Motivation bezeichnen. Wenn mich ein Thema interessiert oder ich etwas als wichtig erachte, dann kann ich mich auch sehr dafür einsetzen.

Wovor fürchten Sie sich?

Ich fürchte mich vor einem unerwarteten Verlust von Menschen, die mir wichtig sind.

Ihre Lieblingsuhrenmarke?

Omega. Als Seglerin gefällt mir besonders die Seamaster Reihe, jedoch auch das Image der Marke und ihre Geschichte und das Engagement der Marke für den Sport. Für wichtige Lebensereignisse kaufe ich mir jeweils eine neue Uhr und so habe ich mir vor Jahren auch eine Omega Uhr geschenkt, die ich immer wieder gerne trage.

Gibt es einen unerfüllten Traum, den Sie noch verwirklichen möchten?

Ich möchte gerne zusammen mit meinem Mann mehrere Monate auf einem Segelschiff durch die Karibik segeln.

Ihr bestes Investment?

Mein Studium und alle Weiterbildungen über die Jahre, die ich weiterhin regelmässig realisiere. Es ist also ein Investment in mein Humankapital, wobei der Ertrag hoffentlich auch der Gesellschaft zu Gute kommt.


Gabrielle Wanzenried, Jahrgang 1969, ist Professorin für Finance und Immobilien an der Hochschule Westschweiz (HES-SO)  und leitet am IIDE der HEIG-VD die Forschungsgruppe Finance, Gouvernance & Durabilité. Sie lehrt Corporate Finance und Immobilienökomie und forscht und publiziert zu den Themen ESG, Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft und die Ageing Economy. Sie ist Mitgründerin Co-Präsidentin der Wohnbaugenossenschaft Zuhause am Bielersee, Präsidentin der Stiftungsrates der Stiftung Thiébaud-Frey Bellmund und Stiftungsrätin der Dr.-Max-Walter-Gerster Stifung. Sie lebt mit ihrer Familie am Bielersee.